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Lokales Sturmtief Eberhard fegt über Sachsen und hinterlässt viele Schäden
Leipzig Lokales Sturmtief Eberhard fegt über Sachsen und hinterlässt viele Schäden
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16:32 11.03.2019
Das Dach eines Pflegeheims riss Eberhard in Chemnitz herunter und wehte es auf das Dach eines Nachbargebäudes. Quelle: Bernd März/dpa
Leipzig

Quer übers Land ist Sturmtief Eberhard am Sonntag gefegt. Er riss Bäume um, deckte Häuser ab - und sorgte für Hindernisse auf den Straßen. Am Flughafen in Leipzig wurden sogar Orkanböen von bis zu 123 km/h gemessen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in der Nacht zum Montag mitteilte. 

Die Leipziger Feuerwehr rückte bis zum Morgen zu insgesamt 96 Einsätzen aus. Auch am Dienstag dauerten die Aufräumarbeiten noch an. In der Erich-Köhn-Straße drohten Teile eines Dachs, die der Sturm abgerissen hatte, auf die Straße zu stürzen. In Schleußig brachte der Sturm die Traglufthalle des Leipziger Sport-Clubs (LSC) zum Einsturz. „Es fliegen die Dachziegel, es fliegen die Dixi-Häuschen (Toiletten) und wir haben viele umgestürzte Bäume“, sagte eine Sprecher der Polizeidirektion Leipzig, die um die 100 Einsätze zu verzeichnen hatte.

Berichte über Verletzte in Leipzig liegen bislang nicht vor. Ein Feuerwehrmann verunglückte jedoch mit seinem Auto, als er bei Grimma auf dem Weg zum Dienst war. In Trebsen kam es zudem zu einem Stromausfall.

Mit Orkanböen bis Windstärke 12 ist Sturmtief „Eberhard“ am Sonntag über den Westen und die Südhälfte Deutschlands gezogen. Ein Autofahrer starb im Sauerland, als ein entwurzelter Baum während der Fahrt auf sein Auto fiel. Etliche Reisende kamen nicht ans Ziel.

Behinderungen auf Bahnstrecke Leipzig-Geithain

„Stand 20 Uhr hatten wir 27 unwetterbedingte Einsätze“, sagte Sven Schneider aus der Leitstelle der Feuerwehr zu LVZ.de. Bis 22.30 Uhr stieg diese Zahl auf 75 an, weitere Notrufe gingen derweil in der Leitstelle ein. Im Wesentlichen handele es sich um lose Dachteile und abgebrochene Äste, zudem waren im Laufe des Abends mehrere Bäume umgestürzt und hatten dabei auch Autos beschädigt. In der Folge kam es zu Verzögerungen auf der Bahnstrecke Leipzig-Geithain sowie zu zahlreichen Behinderungen im Straßenbahnverkehr. "Es kam jedoch nicht zu Personenschäden", so der Pressesprecher. 

Insgesamt war Eberhard gnädig zu den Leipzigern. Während in Nordrhein-Westfalen der Zugverkehr am Sonntag komplett eingestellt wurde und das Sturmtief dort ein Todesopfer forderte, kam die Messestadt glimpflich davon.

Zahlreiche Einsätze in Chemnitz und Dresden

Ein ähnliches Chaos wie jenes, das Sturmtief Friederike vor etwas mehr als einem Jahr anrichtete, blieb also aus. Nichtsdestotrotz waren die Kameraden gut gerüstet für den Abend: Zusätzlich zu 82 Berufsfeuerwehrleuten seien 230 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz gewesen. Des Weiteren waren 25 Mitglieder des Technischen Hilfswerks und 18 Personen der technischen Einsatzleitung aktiv, erklärte Schneider.

Sturmtief Eberhard sorgte am Sonntag im Landkreis Leipzig für einige Schäden. Ein Feuerwehrmann verunglückte, in Trebsen gab es Stromausfall.

Laut David Sandner aus der Leitstelle der Dresdener Feuerwehr habe es Stand 22.55 Uhr ganze 240 sturmbedingte Einsätze im gesamten Einsatzgebiet gegeben. Dazu zählen neben Dresden auch die Kreise Sächsische Schweiz/Osterzgebirge, Meißen, Riesa und Großenhain

Dächer von Häusern geweht

Auf der A72 bei Chemnitz zog sich ein 47-Jähriger schwere Verletzungen zu, als der Wind seinen auf dem Seitenstreifen angehaltenen Kleintransporter zum Umkippen brachte. Bei anderen sturmbedingten Unfällen wurden zwei weitere Menschen durch umstürzende Bäume in ihren Autos leicht verletzt. Insgesamt rückte die Polizei in Chemnitz laut ersten Schätzungen am Abend zu rund 500 Einsätzen aus. Teilweise sei die Notrufzentrale überlastet gewesen, erzählte ein Sprecher. Das Dach eines Pflegeheims in der Innenstadt wurde massiv beschädigt, auch mehrere weitere Häuser verloren ihre Dächer. 

Im weiteren Verlauf des Abend vermeldete die Deutsche Bahn, dass die S-Bahn-Linien 5 (Halle-Leipzig-Zwickau) und 6 (Leipzig-Borna) von Beeinträchtigungen betroffen seien. Für Schienenersatzverkehr wurde gesorgt. Die Vogtlandbahn und der Trilex stellten den Verkehr am Abend derweil ein. Als Grund dafür nannte der Betreiber Baumstürze.

120 Einsätze in Thüringen

Das Landesgebiet von Thüringen traf der Sturm ab etwa 14.30 Uhr. Ab 17.45 Uhr sei es richtig losgegangen, berichtete am Abend die Landeseinsatzzentrale der Polizei in Erfurt. Feuerwehr und Polizei waren am Nachmittag und Abend sehr beschäftigt. Bis zum Abend waren bei der Landeseinsatzzentrale der Polizei gut 120 Fälle bekannt, in denen Äste abgebrochen, Bäume umgestürzt oder Gegenstände herumgeweht worden waren. Auch auf den Autobahnen gab es kleinere Unfälle. In Erfurt seien Dächer von mindestens zwei Häusern abgedeckt worden, teilte ein Polizeisprecher mit. Schwerverletzte waren der Behörde am Abend jedoch nicht bekannt.

Um 21.17 Uhr vermeldete der Wetterexperte Jörg Kachelmann, dass am Flughafen Leipzig/Halle Sturmböen mit einer Geschwindigkeit von 124 km/h gemessen wurden. Am Collmberg (bei Oschatz) wurden gar 133 km/h registriert. Der Spitzenwert auf dem Fichtelberg lag laut DWD bei 143 km/h. 22.13 Uhr dann folgte Entwarnung: Die schwersten Böen seien nun vorbei.

Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) hob seine Sturmwarnung auf. Wenige Minuten zuvor wurden in weiten Teilen Sachsens Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometern gemessen. Außerdem kam laut stromausfall.de es im gesamten Gebiet zwischen Leipzig und Dresden zu zahlreichen Black-Outs.

DWD warnt vor Glätte am Montagmorgen

Mit Eberhard verbunden war auch ein drastischer Abfall der Temperaturen auf zwei bis drei Grad Celsius. Infolge von Niederschlägen - insbesondere nördlich und nordwestlich von Leipzig - kann es deshalb am Montagmorgen zu Glätte kommen.

"Nachts bis ins Tiefland auf 200 Meter absinkende Schneefallgrenze, in den Kammlagen bis zum Montagabend bis zehn, in Staulagen bis 15 Zentimeter Neuschnee. Auch in tieferen Lagen am Montagmorgen Gefahr von Glätte durch Schneematsch. Am Montag im Tagesverlauf verbreitet Graupel- oder Schneeschauer", heißt es beim DWD

von CN/mit dpa

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