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Lokales Sturz in Straßenbahn: Leipziger Verkehrsbetriebe lassen 79-Jährige mit Kosten allein
Leipzig Lokales Sturz in Straßenbahn: Leipziger Verkehrsbetriebe lassen 79-Jährige mit Kosten allein
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00:18 26.05.2017
Barbara Sturm kämpft noch immer mit den Folgen des Unfalls.   Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Älteren Fahrgästen der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) kann man offenbar nur raten, sich sofort nach Betreten einer Straßenbahn irgendwo festzuhalten. Denn dass die 79-jährige Barbara Sturm das nicht tat (allerdings auch nicht tun konnte), wird ihr nun zum Nachteil.

Die gehbehinderte Seniorin aus der Südvorstadt hatte am 20. Februar 2017 an der Haltestelle Pfeffingerstraße auf die Linie 11 gewartet, berichtete sie jetzt am Lesertelefon der LVZ. Als eine Tatra-Bahn ankam, stieg sie – an Krücken gehend – in den niederflurigen Anhänger ein. Ebenso wie eine andere ältere Frau mit Rollator. „Wir waren gerade erst drinnen, da fuhr die Bahn so scharf los, dass ich stürzte und gegen eine Wand geschleudert wurde“, erzählte Barbara Sturm. Sich festzuhalten sei unmöglich gewesen, weil sie ja an Krücken ging. Die Seniorin lag am Boden, kam nicht allein auf einen Sitz und hatte starke Schmerzen. Erst an der nächsten Haltestelle konnte die Passagierin mit dem Rollator den Fahrer ganz vorn informieren, was im Anhänger passiert war.

Per Notarzt-Wagen wurde Barbara Sturm nun ins St.-Elisabeth-Krankenhaus gebracht und später ins Uni-Klinikum verlegt. Eine Woche musste sie in stationärer Behandlung bleiben, wofür allein schon 70 Euro Zuzahlung bei der Krankenkasse fällig wurden. Hinzu kamen weitere unfallbedingte Kosten: so für die anschließende Physiotherapie sowie eine unvermeidliche Taxi-Fahrt. „Etwa 300 Euro Schaden sind mir insgesamt entstanden, aber die Verkehrsbetriebe weigern sich, das zu ersetzen“, berichtet sie. „Dort hieß es nur, der Fahrer habe nicht sehen können, dass wir mit Krücken und Rollator in den Anhänger eingestiegen sind.“

Laut Unternehmenssprecherin Katja Gläß bedauern die LVB den Vorfall und die Auswirkungen für die Betroffene sehr. Die Umstände seien im Anschluss geprüft worden, teilte sie auf Nachfrage der Redaktion mit: „Nach Sach- und Rechtslage sind wir in dem konkreten Fall nicht in der Haftung, da die Kundin bereits angab, dass sie sich in der Straßenbahn nicht festgehalten habe. Jeder Fahrgast ist allerdings gemäß unserer Beförderungsrichtlinien ab Betreten der Fahrzeuge verpflichtet, sich stets einen festen Halt zu verschaffen. Das Alter des Fahrgastes oder die Nutzung einer Gehhilfe allein können beim Fahrer einer Straßenbahn keine besonderen Sorgfaltspflichten auslösen.“

Gläß verwies außerdem darauf, dass die Verkehrsbetriebe ältere und mobilitätseingeschränkte Personen besonders unterstützten würden. So gebe es seit vielen Jahren Mobilitätsberatungen, auch einen jährlichen Seniorentag. Erst vergangene Woche fand im Straßenbahnhof an der Angerbrücke erstmals ein spezieller Rollatortag statt, bei dem mehr als 100 Besucher zum richtigen Verhalten bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel informiert und geschult wurden (die LVZ berichtete). „Darüber hinaus bieten wir mobilitätseingeschränkten Personen einen kostenfreien Mobilitätsservice an, der vorab gebucht werden kann und Kunden von Haustür zu Haustür – etwa zum Arzt oder Behörden – begleitet und unterstützt“, erläuterte Gläß noch. Die Telefonnummer dazu lautet 0341 4922407.

Für Barbara Sturm ist das alles kein Trost. Sie hat immer noch mit gesundheitlichen Folgen des Unfalls zu kämpfen, traut sich jetzt nur noch mit Rollator vor die Tür. „Ich finde es empörend, dass sich ein städtisches Unternehmen so gegenüber uns Alten verhalten kann.“

Von Jens Rometsch

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