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Lokales Suche nach Krippenplätzen: Eltern kämpfen mit dem Leipziger Internet-Portal
Leipzig Lokales Suche nach Krippenplätzen: Eltern kämpfen mit dem Leipziger Internet-Portal
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23:59 24.05.2013
Tobias und Winnie Gehre mit Sohn Timon Gustav. Quelle: André Kempner

meinkitaplatz-leipzig.de - einen Krippenplatz für Söhnchen Timon Gustav (elf Monate) zu ergattern. Alles, was bisher dabei heraussprang, war eine Reservierung. Praktisch gab es keinen Platz für den Nachwuchs. Timons Eltern haben die Erfahrung gemacht: Das Online-System ist unberechenbar.

Tobias und Winnie Gehre haben das Prozedere schon zigfach durchexerziert. Punkt 0 Uhr am PC sitzen, das Portal mit Timons Daten füttern, abschicken, warten und hoffen. "Eine Minute und 20 Sekunden läuft das System", schildert der selbstständige Zahnarzt, "nach einer Minute und 26 Sekunden sind alle Plätze weg", fügt die Zahntechnikermeisterin hinzu. Das heißt, wenn überhaupt freie Plätze in einer Kindertagesstätte in der Datenbank registriert sind. "Es gibt überhaupt keine Chancengleichheit", tadelt Tobias Gehre. Zudem bleibe nebulös, welcher Träger wann seine Krippenplatz-Kapazitäten im Netz publik macht. "Wie stellt sich die Stadt das vor?", will der Familienvater wissen. Das System müsse ja auch irgendwo transparent sein, "ist es aber nicht", bemerkt Timons Vater.

Seit September 2012 sucht die Familie aus Schleußig nach einem Krippenplatz für den Sohnemann. Zunächst auf dem analogen Weg: Tobias und Winnie Gehre trugen sich in die Anmeldelisten diverser Kitas ein. "Im Januar gab es die Listen auf einmal nicht mehr", erzählen die beiden, "deswegen sollte die Anmeldung über das Portal laufen." Also setzte sich die Familie an den PC - und wähnte sich im April bereits im Glück, da es nach unzähligen Klicks doch noch mit der Reservierung eines Krippenplatzes in Mölkau klappte. Bei Anruf in der Einrichtung, um wie vorgeschrieben ein Gespräch mit der Kita-Leitung zu vereinbaren, hieß es dann aber: Kein Platz mehr frei, ein Missverständnis. "Insgesamt macht das keinen seriösen Eindruck", meint Tobias Gehre.

Inzwischen hat der Familienvater mehrere Briefe zu dem Problem aufgesetzt und verschickt: an das städtische Jugendamt, an Oberbürgermeister Burkhard Jung und Sozialbürgermeister Thomas Fabian (beide SPD), an das Kultus- und das Sozialministerium in Dresden sowie die Landesdirektion Sachsen. Hier und da gab es sogar Antworten. Voller Anteilnahme zwar, aber ohne Verbindlichkeiten. "Ob und inwieweit in der Stadt Leipzig, die kommunal für die Kindertagesbetreuung verantwortlich ist, alle Potenziale ausgeschöpft sind, kann ich von hier aus nicht einschätzen", schrieb etwa Sachsens Sozialministerin Christine Clauß (CDU). Derweil drängt sich in der Familie Gehre der Eindruck auf, herumgereicht zu werden, während zugleich der Druck wächst.

"Im Zeitalter der EDV müsste es doch egal sein, ob ich Buchstaben hinter der Hausnummer meiner Adresse groß oder klein schreibe", bemerkt Tobias Gehre mit Blick auf die Benutzerfreundlichkeit des Portals. Er habe das Gefühl, dass neben der Schnelligkeit des Internetzugangs und der unregelmäßigen Freigabe von Plätzen der reine Zufall entscheidend sei. "Wir wollen keine Extras", betont der Zahnmediziner, fragt sich aber doch: "Wie funktioniert die Platzvergabe nun eigentlich?" Anfragen der LVZ zu den Kritikpunkten blieben bis gestern unbeantwortet. Felix Kretz

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.05.2013

Felix Kretz

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