Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Suche nach dem Königsmörder: Bonew scheitert bei Wahl zum Finanzbürgermeister
Leipzig Lokales Suche nach dem Königsmörder: Bonew scheitert bei Wahl zum Finanzbürgermeister
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:38 24.02.2010
Anzeige

Die Dramaturgie dieser Wahl gleicht der eines Krimis. Die Sitzung beginnt schon mit einer viertelstündigen Verspätung, weil Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) die Fraktionsspitzen noch schnell zusammentrommelt. Es geht um die Zulassung einer zweiten Kandidatin, vorgeschlagen von einem NPD-Stadtrat. Die Runde einigt sich darauf, die Rechtsanwältin, die erst am Vormittag per Fax ihre formelle Bewerbung geschickt hatte, nicht zuzulassen. Im Bonew-Lager trübt sich deshalb die Stimmung ein. Mit einem Mitbewerber würde es der 38-jährige Diplombankbetriebswirt, den CDU und FDP (20 Stimmen) unterstützen, viel einfacher haben. Denn sollte es im ersten Wahlgang nicht für die absolute Mehrheit (33 Stimmen) reichen, dürfte es Bonew bei der sich anschließenden Stichwahl schaffen - dann gewinnt, wer die meisten Stimmen hat. Auf Bürgerfraktion und Grünen kann er zwar hoffen, wie viel genau sie bringen, ist ungewiss. Und während die Linke Bonew von Anfang an ablehnt, legt sich die SPD bis zuletzt öffentlich nicht fest.

Es ist 15.10 Uhr. Die 66 Stadträte beginnen, ihre Stimmzettel abzugeben. Die Anspannung steht vielen ins Gesicht geschrieben. Kurz darauf übernimmt die Wahlkomission die Auszählung. 15.33 Uhr, als alle im Ratssaal das Ergebnis erhoffen, verlässt Jung mit seinem Stab und einer Ausgabe der Gemeindeordnung plötzlich den Raum.

Es spricht sich herum, dass die Abstimmung knapp ausging. 31 Stimmen für Bonew, 32 gegen ihn, drei Enthaltungen. Die Frage, die jetzt hinter den Kulissen geklärt wird: Ist unter diesen Umständen ein zweiter Wahlgang noch möglich? Die Rechtslage ist eindeutig: Nein. Bonew hätte mehr Pro- als Gegenstimmen kassieren müssen. Im Klartext: Es gibt zu wenig Enthaltungen. Gegen 15.40 Uhr verkündet Jung: Bonew ist nicht gewählt. Auf den Fluren beginnt die Suche nach dem Königsmörder. "Wir haben geliefert", beteuert Wolfram Leuze (Grüne). Zehn Stimmen sollen die Grünen beigesteuert haben. Auch an der FDP könne es nicht gescheitert sein, so Reik Hesselbarth. "Ich fürche nur, dass wir jetzt ein Déjà-vu-Erlebnis haben werden", sagt Liberale. Die Besetzung des Kulturdezernats dauerte aufgrund der Zerstrittenheit des Rates fast ein Jahr. Selbst von der SPD hat Bonew laut Fraktionschef Axel Dyck vier Stimmen gezogen. Er ist sich sicher: Die Abweichler sitzen in der CDU. "Die haben ihren eigenen Kandidaten sitzen lassen", sagt Dyck. Doch davon will Ursula Grimm nichts wissen: "Die CDU-Fraktion hat gestanden." Unter den CDU-Stadträten richtet sich die Kritik vor allem gegen die SPD. Wenn die an einer Zusammenarbeit mit der CDU interessiert sei, sagen viele, hätte es keine Gegenstimmen, sondern höchstens Enthaltungen geben dürfen.

Die Linken sind die einzigen an diesem Nachmittag, die gelassen bleiben. Fraktionschefin Ilse Lauter sagt, es habe mit Christopher Profitlich, einem Referatsleiter aus dem Dresdner Finanzministerium mit CDU-Parteibuch, eine Alternative gegeben. Sie könne sich auch den Interimsleiter des Finanzdezernats Dirk Müller als Bürgermeister vorstellen. Lauter: "Beide halte ich für geeigneter als Herrn Bonew."

Klaus Staeubert

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat bisher zehn Anklagen wegen der Fußball-Krawalle von Brandis im vorigen Oktober erhoben. Die mutmaßlichen Schläger sollen sich unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

24.02.2010

Die Kosten für den Bau des Leipziger City-Tunnels steigen weiter. Nach aktuellen Berechnungen seien nun 960 Millionen Euro für das Projekt nötig, teilte das sächsische Wirtschaftsministerium am Mittwoch in Dresden mit.

24.02.2010

Am Donnerstag öffnet unter dem Motto „Spenden statt Wegwerfen" zum ersten Mal die Spielzeug- und Kinderbuchbörse des Wabe e.V. ihre Pforten. Künftig sollen in der Spinnereistraße 11 immer dienstags und donnerstags von 10 bsi 14 Uhr kostenlos Puzzle, Plüschtiere, Videos und vieles mehr angeboten werden.

24.02.2010
Anzeige