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Lokales Südknecht-Showdown in den Alpen
Leipzig Lokales Südknecht-Showdown in den Alpen
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00:32 24.02.2018
Letzter Akt in der „Goldenen Gams“: Die Südknechte Berger, Bruns, Ronniger, Zarbock, Konschill, Noll und Giese (v. l.). Quelle: Foto: Christian Modla
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Leipzig

So eine Art Gretchenfrage hängt zwischen den holzvertäfelten Wänden. Wie steht es um das Werteverhältnis zwischen Verpackung und Inhalt? Wird das Sein akzeptiert, obwohl es nicht mit dem Schein übereinstimmt? Die letzte Folge der Mini-Staffel „Adolf macht Urlaub“ im Hotel „Goldene Gams“ am Dienstag im Horns Erben gerät zum Countdown der Wahrheitsfindung mit überraschenden, ja turbulenten Wendungen – selbst für die Schauspieler. Das kann nur Improtheater.

Fiese Nachfragen

Konkretisiert lautet die Frage der Folge „Das dicke Ende“: Schießt die aparte Charlotte den Leipziger Gastwirt in den Wind, wenn sie erfährt, dass er gar nicht der berühmte Erich Kästner ist? Seit man nämlich den Kneipier (Armin Zarbock), der durch ein gewonnenes Preisausschreiben die österreichischen Alpen genießt, für den Schriftsteller hält und ihn entsprechend hofiert, klärt er das Missverständnis nicht auf – zum Missfallen des mitgereisten Hausmeisters Krause (August Geyler) und zum beinahe sadistischen Amüsement des wahren, aber unerkannten Erich Kästner (Thorsten Giese), der die Verstrickungen Südknechts genüsslich beobachtet. Das Dilemma des vermeintlichen Autors beispielsweise, als Charlotte (Heike Ronniger) ihm eine Lesung in der Lobby organisiert. Köstlich, wie Zarbock nach Reimen ringt aus Kästners „noch unaufgeschriebenem Werk“ und wie Giese mit fiesen Nachfragen Öl ins Feuer gießt.

Zuschauer macht mit beim Clou des Abends

Am besten Clou des Abends ist ein Zuschauer beteiligt: Um Charlottes Zuneigung zu füttern, will Südknecht ihr Schweizer Schokolade schenken. Wie blöd, dass es im Hotel nur österreichische Waffelschnitten gibt. Gerade arbeiten Giese und Zarbock an einer Metapher für Schein und Sein – als ein Gast eine (fast) leere Schachtel Schweizer Kräuterzucker reicht. Und siehe da: Die Waffeln passen perfekt in die Bonbon-Pappe, das Potemkinsche Dorf österreichischer Süßigkeit ist gebaut!

Hübsche Petitesse für alle, die den Spender kennen: Er ist tatsächlich Schweizer – und arbeitet für einen Fußballclub unter Ösi-Fuchtel. Womit wir auch gleich bei den Hotelschwestern Steigenberger wären, die den Laden in Schwung halten: Die Schauspielerinnen Verena Noll und Henriette Konschill stammen tatsächlich aus der Alpenrepublik, was schon aus ihrer Mundart herauszuhören ist. Quasi eine Inszenierung für sich, wie wunderbar das alles zusammenpasst.

Dichter Identitätsnebel

Derweil spitzt sich die Lage, dezent von Claudius Bruns an den Tasten und Frank Berger am Schlagzeug verdichtet, weiter zu: Unsympath Kästner überfordert Südknecht mit Fremdwörtern („Protagonist – ist das ein Beruf?“) und nähert sich Charlotte. Das Chaos ist komplett, als er, Adolf und auch Krause darum streiten, wer von ihnen der wahre Gastwirt ist. Aus dem echten Kästner wird plötzlich ein falscher Südknecht. Letztlich löst sich der Identitäts-Nebel doch noch auf. Mit gemeinsamem Gesang endet ein furioser, saukomischer Abend.

Dann entschwinden die enttarnten Leipziger. Auch Charlotte, die mit dem wirklichen Kästner schon mangels Körperlänge wenig anfangen kann, packt die Koffer. Der Schriftsteller nimmt’s gelassen. Nur er bleibt im Hotel, als letzter Gast. Weil er Zeit und Geld hat – und damit dieser Text mit einem Kalauer abgeschlossen werden kann: Erich währt am längsten. Entschuldigung.

Am 20. März kehren die Südknechts in den Leipziger Alltag und ihre Kneipe zurück – 20 Uhr, Horns Erben, Karten zu 15 /10 € an der Abendkasse oder im Vorverkauf über www.culton.de.

Von Mark Daniel

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