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Lokales Super-Sommer wirbelt Leipzigs Meteorologie-Geschichte durcheinander
Leipzig Lokales Super-Sommer wirbelt Leipzigs Meteorologie-Geschichte durcheinander
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08:01 10.10.2018
Abkühlung tat während des gesamten Super-Sommers 2018 nahezu täglich not. Hier duschen Ulrike, Franziska und Chantalle (von links) im Schreberbad. Quelle: Foto: André
Leipzig

So viele meteorologische „Sommertage“ wie in diesem Jahr gab es in Leipzig seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1830 nicht mehr. Denn Meteorologen zählen „Sommertage“ erst dann, wenn 25,0 Grad Celsius oder mehr gemessen werden. 86 solcher „Sommertage“ gab in diesem Jahr – so viel wie noch nie. Auch bei sogenannten „heißen Tagen“ – also Tagen mit Temperaturen ab 30,0 Grad Celsius – schnitt in diesem Jahr extrem gut ab: insgesamt 36 solcher „heißen Tage“ wurden in diesem Jahr gezählt – ebenfalls ein Spitzenwert in Leipzigs meteorologischer Geschichte.

„Heiße Sommer sind in Leipzig keine Seltenheit“

Allerdings ist der Abstand zu den historisch vermerkten Hitze-Sommern nicht so riesig, wie viele denken. Das hat jetzt der Leipziger Hobby-Meteorologe Peter Noack herausgefunden, der Leipzigs Wetterkapriolen in den vergangenen 188 Jahren erforscht. Der heute 81-Jährige stützt sich dabei auf Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes und vergleicht diese mit historischen Wetterdaten, die er aus der Universitätsbibliothek, der Deutschen Nationalbibliothek und dem Stadtarchiv zusammengetragen hat.

In diesem Ranking rangiert der diesjährige Super-Sommer zwar mit seinen hohen Tagestemperaturen mit deutlichem Abstand auf Platz eins. Aber auf Platz zwei folgt das Jahr 2003, in dem es ebenfalls in Leipzig stattliche 67 „Sommertage“ und 23 „heiße Tage“ gab. Historische Aufzeichnungen belegen, dass es auch 1911 in Leipzig ähnlich heiß war. Damals wurden 66 „Sommertage“ und 24 „heiße Tage“ gezählt. Auch im Jahr 1947 mussten die Leipziger besonders häufig schwitzen; damals wurden 66 „Sommertage“ und 27 „heiße Tage“ gezählt. Ähnlich war es 1992 (66 „Sommertage“, 16 „heiße Tage“), 1983 (64 „Sommertage“, 15 „heiße Tage“), 2006 (62 „Sommertage“, 20 „heiße Tage“), und 1917 (61 „Sommertage“ und 10 „heiße Tage“). „Das zeigt, dass heiße Sommer in Leipzig keine Seltenheit sind“, sagt Noack. „Es war alles schon einmal da.“

1943, 1947 und 1992 war es in Leipzig noch heißer

Anhand seiner Aufzeichnungen hat der Senior auch den diesjährigen heißesten Tag mit anderen heißen Tagen in Leipzigs Geschichte verglichen – und eine Überraschung erlebt: Der 31. Juli 2018 war zwar mit 37,3 Grad Celsius der wär-mste Tag des diesjährigen Super-Sommers, aber er war trotzdem nicht der wärmste Sommertag in Leipzigs (erfasster) Wettergeschichte. „Die absolut höchste Tagestemperatur wurde mit 38,0 Grad Celsius am 3. August 1943 im Süden der Stadt gemessen“, zitiert der Hobby-Meteorologe aus den historischen Aufzeichnungen. „Auch am 28. Juli 1947 wurde mit 37,7 Grad Celsius mehr gemessen; ebenso am 10. Juli 1991 mit 37,6 Grad Celsius und am 9. August 1992 mit 37,5 Grad Celsius.“

Auch beim wärmsten Monat, der je in Leipzig gemessen wurde, rangiert das Jahr 2018 „nur“ auf Platz zwei: So wurde im Juli 2018 zwar eine durchschnittliche Tagesmitteltemperatur von 21,5 Grad Celsius ermittelt, doch der Juli 2006 war mit 23,1 Grad Celsius noch wärmer. Auf Platz drei folgt im Vergleich der heißesten Monate der Juni des Jahres 1994 mit einer durchschnittliche Tagemitteltemperatur von 22,9 Grad und auf Platz vier der Juni 1917 (21,8 Grad).

So viele „Tropentage“ wie noch nie

Einen unangefochtenen Spitzenplatz hat das aktuelle Super-Sommerjahr aber bei der Anzahl der höchst seltenen „Tropentage“, die Meteorologen ab Tagestemperaturen von 35,0 Grad Celsius anrechnen. Von diesen Tagen gab es 2018 in Leipzig insgesamt vier – am 31. Juli, 7. August, 8. August und 9. August. „2006 wurden zwei ,Tropentagen’ erreicht, ansonsten nur einer pro Jahr oder meist gar keiner“, so Noack.

Noch offen ist, ob 2018 auch in punkto Niederschläge in Leipzig ein Rekordjahr wird. Denn mit den bis Ende September gefallenen 280 Millimeter Niederschlag könnte das aktuelle Jahr als eines der niederschlagsärmsten in der Leipziger Wettergeschichte eingehen. In den historischen Aufzeichnungen gilt bislang das Jahr 1982 mit 370 Millimeter Niederschlag als „negatives“ Rekordjahr; gefolgt von 1911 (380 Millimeter Niederschlag) und 1976 (398 Millimeter Niederschlag). „Mehrere Starkregen können das Bild aber noch erheblich verändern“, gibt Noack zu bedenken. „Im August 1924 fielen an einem einzigen Tag in Leipzig 115,8 Millimeter Niederschlag, am 4. August 1983 wurden 93,3 Millimeter gemessen.“

Von Andreas Tappert

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