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Supermarkt zum Jahresende dicht: Mockauer sind sauer

Einkaufen Supermarkt zum Jahresende dicht: Mockauer sind sauer

Große Aufregung bei den Anwohnern zwischen Volbeding- und Friedrichshafner Straße im Mockauer Süden: Der weit und breit einzige Supermarkt in der Mockauer Straße schließt zum Jahresende für immer seine Pforten.

Der Discounter Diska in der Mockauer Straße.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Große Aufregung bei den Anwohnern zwischen Volbeding- und Friedrichshafner Straße im Mockauer Süden: Der weit und breit einzige Supermarkt in der Mockauer Straße schließt zum Jahresende für immer seine Pforten. „Uns allen wurde zum 31. Dezember gekündigt, ein Arbeitsplatz in einer anderen Filiale ist niemandem angeboten worden“, offenbart eine Angestellte des Diska-Marktes, die aus Angst vor einer schlechten Beurteilung ihren Namen nicht veröffentlicht sehen wollte.

„In unserem Stadtteil sind viele ältere Leute zu Hause, die schon seit Jahrzehnten hier wohnen und nun nicht wissen, wie sie künftig problemlos an ihre Grundnahrungsmittel kommen sollen“, empört sich die 53-jährige Ines Starke, deren Eltern eine betagte Dame in der Berthastraße unterstützen. Mit Rollator oder Rollstuhl sei es nahezu unmöglich, in eine Straßenbahn zu gelangen, um ins Einkaufszentrum in der Essener Straße zu fahren. „Die Haltestellen bei uns sind nicht behindertengerecht ausgebaut und außerdem rollen Bahnen mit Niederflurwagen eher seltener vor“, schildert die Mockauerin Ines Starke die drastische Lage für gehandicapte Menschen.

Auf Anfrage habe sie von den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) erfahren, dass sich an diesem Zustand in absehbarer Zeit nichts ändern werde. Es sei lediglich geplant, die Straßenbahnlinien 1 und 9 zusammenzulegen. „Ich weiß nicht, wie ich von meiner kleinen Rente die Fahrtkosten ins Mockau-Center abknapsen soll, um dort künftig meine Einkäufe zu erledigen“, klagt auch die 88-jährige Edith Hessel aus der Mockauer Straße. Die 81 Jahre alte Simone Licht, die in unmittelbarer Nähe des Diska-Marktes wohnt, wäre ebenfalls auf die Bahn angewiesen und sieht gleichfalls nichts Gutes auf sich zukommen.

Christian Röber, Geschäftsführer des Pflegedienstes Raphaelis, fährt derweil schwere Geschütze gegen die Stadtplaner auf. „Die meisten der 90 betagten Damen und Herren, die wir rund um die Berthastraße betreuen, entschieden sich für diesen Standort, weil der Nahversorger quasi auf der anderen Straßenseite zu finden ist – auch wenn der gewünschte Zebrastreifen vor dem Supermarkt in der Mockauer Straße noch immer fehlt.“ Röber sieht nun die Kommune in der Pflicht, ihrer Fürsorgepflicht für Senioren und Behinderte gerecht zu werden. Doch die Immobilie, in der die Edeka-Handelskette seit 1993 mit ihrem Discounter Diska Waren vertreibt, gehört nicht der Kommune, sondern einem privaten Investor.

Gerüchte, wonach es zu unüberbrückbaren Differenzen zwischen Eigentümer und Mieter gekommen sei, mochte Edeka weder bestätigen noch dementieren. Nur so viel: „In dem Gebäude ist ein wirtschaftlicher Betrieb unmöglich. Allein die Energiekosten sind enorm“, sagt Sebastian Kohrmann, Geschäftsbereichsleiter Diska der Edeka-Vertriebsgesellschaft Nordbayern-Sachsen-Thüringen im bayrischen Rottendorf bei Würzburg. Diska mache seit Jahren an diesem Standort hohe Verluste und sehe sich daher „leider gezwungen, den Markt zu schließen. In Mockau ist eine Modernisierung nur über einen Abriss und anschließenden Neubau sinnvoll“, betont Kohrmann. Die Gespräche hierüber seien erfolglos verlaufen.

„Wie auch immer: Die sich durch die Schließung des Marktes für ältere Bürger dramatisch verschlechternden Lebensbedingungen können nicht einfach so hingenommen werden“, meint Ines Starke. Sie hat sich inzwischen an die Seniorenbeauftragte der Stadt Leipzig gewandt und auf die fatale Situation hingewiesen. „Leider gibt es aus dem Rathaus bisher noch keine Reaktion, geschweige denn eine hoffnungsvolle Antwort“, sagt sie mit Bedauern. Immerhin seien 145 000 Leipziger älter als 60 Jahre – das sind rund 26 Prozent. Im Mockauer Süden befindet sich gar jeder dritte Einwohner im Rentenalter. „Da müssten bei den Zuständigen in der Stadtverwaltung eigentlich die Alarmglocken schrillen“, urteilt der Geschäftsführer des Raphaelis-Pflegedienstes.

Günther Giessler

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