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Lokales Superzelle frisst und walzt sich durch Mitteldeutschland
Leipzig Lokales Superzelle frisst und walzt sich durch Mitteldeutschland
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16:00 08.07.2015
Gewitterwolken über Görlitz (Archivfoto) Quelle: dpa
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Leipzig

„Pures Glück“ – auf dieses Destillat bringt Meteorologe Jens Oehmichen die Begründung, warum das Unwetter am Dienstagabend die Pleißemetropole weitgehend verschont hat. Nur im Süden von Leipzig waren die Niederschläge etwas heftiger. Die prognostizierten Orkanböen und der Starkregen blieben aus, weil sich das Gewitter, dass beim Aufeinandertreffen des kühlen Briten "Thompson" mit der heißen "Bigi" aus dem Süden einen anderen Weg wählte. Der Experte vom Deutschen Wetterdienst (DWD) spricht dabei gar von einer Superzelle.

Die hatte sich im Norden Hessens gebildet und bewegte sich über das Eichsfeld, den Südharz, das Mansfelder Land, über den halleschen Stadtteil Kröllwitz weiter in Richtung Nordsachsen und die Stadt Wittenberg. Dabei hatte die Zelle, die sich durch Mitteldeutschland fraß, laut Oehmichen, einen Durchmesser von 20 bis 30 Kilometern.

Eine Gewitter-Superzelle hat sich Dienstagabend durch Mitteldeutschland gefressen und dabei Leipzig verschont. Dagegen in Halle ordentlich zugelangt. Anwohner wollen dort gar Tornados wüten gesehen haben.

Im Unterschied zu einem normalen Gewitter hält sich eine Superzelle selbst am Leben, so der DWD-Experte. Denn, wenn sonst eigentlich von einem Gewitter gesprochen wird, sind viele gemeint. „Normalerweise lebt ein kleines Gewitter eine halbe Stunde. Dann bildet sich daneben ein neues“, erklärt der Experte die Multizelle, „so schreitet es dann voran.“ Bei dem gefräßigen Pendant, der Superzelle, sei das anders.

Ihr Treibstoff ist die warme Luft, die sie vor sich herschiebt und ansaugt. Je gefräßiger das Super-Gewitter ist, desto größer und zerstörerischer wird es. Die können allerdings nur dann entstehen, wenn besonders warme Luft am Boden auf besonders kalte in der Höhe trifft. Zusätzlich muss sich der Wind in der Höhe ordentlich wirbeln und drehen. Die Wetter-Experten sprechen dann von einer „besonders hohen Labilität.“

Auf seiner Tour entwurzelte das Kind von "Thompson" und "Bigi" Bäume, knickte Strommasten um, deckte Dächer ab und warf mit Hagelkörnern, so groß wie Walnüsse um sich. Anwohner wollen gar einen Tornado in Halle und im Mansfelder Land beim Wirbeln beobachtet haben. „Ob es tatsächlich einer war, bleibt umstritten“, sagt Oehmichen, „die Voraussetzungen waren nicht günstig.“

Vielmehr spricht er von einer Böenwalze, die die Gewitter-Superzelle vor sich her schob. Downburst heißt die in der Fachsprache. Die Walze rollt, wenn sich bei einem starken Wolkenbruch aus einer Höhe von sieben bis zehn Kilometern Regen den Weg gen Boden bahnt. Dabei ziehen die Tropfen kalte Luft mit sich. „Wie ein Eimer Wasser gießt sich die schwere kalte Luft übers Land. Das ist typisch für eine Superzelle“, erklärt der Meteorologe.

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