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Sylvester Groth kommt zum Lichtfest: „Ich bin sehr auf die Atmosphäre gespannt“

Friedliche Revolution Sylvester Groth kommt zum Lichtfest: „Ich bin sehr auf die Atmosphäre gespannt“

Sylvester Groth gehört am Sonntag zu den Hauptakteuren beim Lichtfest, das mit einer Performance auf der Bühne Augustusplatz an den 9. Oktober 1989 und die Friedliche Revolution erinnert. Groth ist einer der bekanntesten Schauspieler Deutschlands spielt meist abgründige Typen („Inglourious Basterds“). Im Interview bekennt er, wie wichtig ihm Freiheit ist.

Sylvester Groth bei Proben mit Tänzern des Leipziger Balletts, das ebenfalls zu den Akteuren des Lichtfestes gehört.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Sylvester Groth kennt Leipzig gut. In Jerichow geboren, hat der heute 58-Jährige einen Großteil seiner Jugend an der Pleiße verbracht. Zum Lichtfest am 9. Oktober kehrt er zurück, um bei einer vielschichtigen Performance auf dem Augustusplatz mitzuwirken. Im LVZ-Interview erinnert sich der Schauspieler, der gerade einen neuen Kinofilm dreht, an seine Leipziger Zeit und sagt, warum ihm Freiheit so wichtig ist.

Sie sind als Elfjähriger nach Leipzig gekommen und dann hier einige Jahre zur Schule gegangen. Welche Erinnerungen haben Sie an damals?

Ich habe nur gute Erinnerungen an Leipzig. Es war eine schöne Zeit. Als Kind hat mich vor allem das Völkerschlachtdenkmal fasziniert. Dieses Riesenbauwerk, auf das man heraufkraxeln, durch schmale Gänge gehen konnte und dann einen schönen Blick von oben hatte. Die Schulzeit an der 37. Polytechnischen Oberschule in Gohlis ist mir ebenfalls in guter Erinnerung. Nach Abschluss habe ich dann eine Elektrikerlehre bei den Leipziger Verkehrsbetrieben gemacht, um einen Beruf zu erlernen. Später kam dann das Schauspielstudium in Berlin.

1985 haben Sie dann die DDR verlassen, um eine erfolgreiche Karriere zu beginnen ...

Dass sie erfolgreich wird, wusste ich damals nicht. Ich wollte einfach mein Leben bestimmen und selbst in die Hand nehmen.

Wie wichtig ist Ihnen Freiheit?

Freiheit ist mir ganz wichtig. Viele Menschen nehmen die Chance, ihr eigenes Leben zu bestimmen und dann auch zu leben, gar nicht mehr wahr. Weil sie sich von Situationen und Menschen einfach bestimmen lassen. Jeder sollte aber Entscheidungen selbst treffen und dann dafür Verantwortung übernehmen. Veränderungen können positiv sein.

„Mut – Werte – Veränderung“ ist das diesjährige Lichtfest überschrieben. Wofür benötigen Sie selbst Mut?

Es braucht Mut, eine Entscheidung zu treffen. Einfach Ja oder Nein sagen und nicht hin und her überlegen, ob ein Nein mir Nachteile bringen kann. Oft ist es sogar ratsam, mal nicht zu lange über einen Schritt nachzudenken.

Vom Lichtfest kennen Sie bislang nur die Proben ...

Ich bin sehr auf die Atmosphäre gespannt.

Denken Sie, mit dieser Form der Erinnerung junge Leute zu erreichen?

Absolut. Das Lichtfest ist ja nicht nur retrospektiv, um an die wundervollen Ereignisse am 9. Oktober 1989 zu erinnern, die nicht nur die DDR, sondern letztlich die ganze Welt verändert haben. In einem Ausmaß, welches vorher keiner ahnen konnte. Wir reden aber nicht nur über die Vergangenheit. Was heißt es denn, Mensch zu sein und Verantwortung zu übernehmen und den Mut aufzubringen? Solche Fragen sind aktuell und klug. Ich freue mich riesig, weil die Texte, die ich lese, gut sind.

Gibt es darin eine Botschaft, die Sie besonders berührt hat?

Die Textauswahl ist toll und breit gefächert, auch philosophisch.

Sie drehen viel im Ausland, auch in Hollywood. Wie werden dort Deutschland und die Friedliche Revolution wahrgenommen?

Die Leute sind nach wie vor am Mauerfall und der Entwicklung interessiert, wie die Leute im einst getrennten Deutschland zusammenkommen. Ich unterhalte mich darüber oft mit ausländischen Kollegen. Auch wie es in der DDR war. Da gibt es viele Klischees, die auch mal gerade gerückt werden müssen.

Woran arbeiten Sie gerade?

Ich drehe einen Kinofilm. Der heißt „In Zeiten des abnehmenden Lichts“. Das ist nach einem Roman von Eugen Ruge, der dafür mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Es ist eine Familiengeschichte kurz vor der Wende. Am90. Geburtstag des Seniors zeigen sich die Probleme der DDR und die Sehnsüchte der Menschen werden abgehandelt. Die Geschichte spielt im Jahr 1989 – da steht Leipzig schon vor der Tür.

 

Von Mathias Orbeck

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