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Lokales Symphonionwerke bestechen mit technischer Raffinesse
Leipzig Lokales Symphonionwerke bestechen mit technischer Raffinesse
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23:38 11.05.2018
Wo sich Weihnachten der Christbaum zur Musik des Symphonions drehte, konnte übers Jahr eine Kuchenplatte aufgesteckt werden und die Kaffeetafel schmücken.
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Leipzig

 In den Jahren zwischen 1876 und 1930 existierten in Leipzig mehr als 100 Fabriken und Werkstätten für den Bau selbstspielender Musikinstrumente. Den Schwerpunkt bildeten Lochplatten-Musikwerke und Notenrollen gesteuerte Klaviere und Klavier-Orchestrions. Mit einer kleinen Beitragsfolge erinnern wir dank freundlicher Unterstützung von Birgit Heise und Jost W. Mucheyer an fünf prominente Vertreter der einst so namhaften Zunft. Heute: die Symphonionwerke.

1885 als Fabrik Lochmannscher Musikwerke Kuhno, Lochmann & Co. gegründet, produzierte die Symphonionwerke GmbH von 1912 von 1915 in Gohlis, heute Kasseler Straße 11a–15a sowie – von der anderen Seite – Eisenacher Straße. Heute befindet sich in den Räumen die Neue Leipziger Musikschule. Dabei handelte es sich um die weltweit erste und zugleich eine der größten und bedeutendsten Produktionsstätten für Lochplatten-Musikwerke mit Stimmenkamm. 1886 kamen die ersten Spielwerke unter dem Namen „Symphonion“ in den Handel. Bereits zwei Jahre später wurden 15 000 Stück sowie Tausende Platten hergestellt.

Wiener Weltausstellung lobt Lochmann

Zur Wiener Weltausstellung 1892 wurden die Lochmannschen Erzeugnisse so beschrieben: „Als die erste, älteste und größte Fabrik in der Spieldosenbranche mit auswechselbaren Musikscheiben hat sie vor Allem das Verdienst, ihren Geschäftszweig zu einem der Hauptspecialfactoren der deutschen Musikinstrumenten-Industrie emporgehoben und die Fabrikate zum lebensfähigen und im In- und Auslande beliebten und gesuchten Handelsartikel gemacht zu haben. Speziell dem Erfinder des Symphonions und bisherigen Leiter dieses Etablissements Director Paul Lochmann verdankt dieser Industriezweig seine heutige bedeutende Stufe der Vollendung.“ Der kommerzielle Erfolg gründet sich auf einen technischen Einfall von besonderer Raffinesse.

Lochplatten schnell auswechselbar

Mit der Erfindung einer Anreißvorrichtung mit Sternenrädchen gelang Lochmann die zweckmäßige Verbindung zweier von damaligen Spieldosen bekannter Elemente: Die runde Lochplatte der Organette kombinierte er mit dem von Schweizer Spieldosen bekannten Stimmenkamm. Dank des Sternenrädchens war es nun möglich, einen mit Lochplatte gesteuerten Mechanismus in Gang zu bringen, der dazu führte, dass metallene Zungen direkt durch Anreißen zum Schwingen gebracht werden. Das funktionierte bisher nur mit Walzen. Lochplatten waren schnell auswechselbar, zudem billiger und in größeren Mengen herzustellen als Stiftwalzen. Lochmann begründete damit einen bedeutenden Industriezweig, der in Leipzig zu hoher Blüte kam. Patentstreitigkeiten – auch mit der Fabrik Leipziger Musikwerke, vormals Paul Ehrlich – vermochte Lochmann stets zu seinen Gunsten zu entscheiden. 1891 ist zu lesen: „Lochmann produziert Symphonions mit Erlaubnis von P. Ehrlich entsprechend dessen Aristonpatent.“ Jahr für Jahr kamen neue Symphonion-Typen auf den Markt. Eine bedeutende Neuerung war zur Leipziger Frühjahrsmesse 1898 das Symphonion mit selbsttätigem Notenscheibenwechsel. 1898 verließ Paul Lochmann die Firma, um mit Bruder Max ein neues Unternehmen zu gründen.

Neue Modelle ab 1901

Ab 1901 gab es wieder neue Modelle, darunter einen Apparat mit Zungen und Miniatur-Schlagzeug als Zugeständnis an das Verlangen nach größerer Lautstärke für Tanzlokale. Zudem entstanden Klavier-Orchestrions, zunächst solche mit Platten. Zur Ostermesse 1904 wurde dann ein Klavier-Orchestrion offeriert, das statt mit Platten mit Notenrollen funktionierte. „Dass dies nicht schon längst geschehen, lässt sich aus dem Umstande erklären, dass von diesem Etablissement aus die runde zackige einstmals Scheibe ihren Siegeszug durch die Welt begann.“ Man erweiterte das Sortiment auf pneumatische Klaviere und Einbau-Apparate. Außerdem wurden ab 1895 Akkord-Zithern gebaut sowie ab 1904 Sprechmaschinen, Pianinos und Harmoniums. Die Krise ab 1909 führte wenige Jahre später in den Konkurs.

Quelle: Katalog zur Ausstellung „Leipzigs klingende Möbel – Selbstspielende Musikinstrumente 1880–1930“. Eine Führung durch Mucheyers Sammlung selbstspielender Musikinstrumente im Kulturdenkmal Eisenmühle in Elstertrebnitz beginnt sonntags um 15.30 Uhr; das Museums-Café Reiberei öffnet sonntags 14 bis 18 Uhr.

Von Cornelia Lachmann

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