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Lokales THW trainiert in Leipzig auf Trümmerparcours
Leipzig Lokales THW trainiert in Leipzig auf Trümmerparcours
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Auf dem Trümmerparcours: Robert Hecht, Philipp Knaust, Nico Brandl (von links). Quelle: André Kempner
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Leipzig

Auf den ersten Blick sieht es beim Technischen Hilfswerk (THW) in der Wodanstraße stellenweise etwas unaufgeräumt aus. Doch der gewaltige Schutthaufen ist der ganze Stolz des Leipziger Ortsverbandes. "Dieses neue Übungsgelände wurde von unseren Mitgliedern in Eigenregie aufgebaut", sagt Ortsbeauftragter Norbert Riemer (43). Mit alten Betonteilen und Trümmern, die von Baustellen zur Verfügung gestellt wurden, haben die THW-Leute der Messestadt erstmals einen Parcours, in dem sie realitätsnah Einsatzszenarien trainieren können. So üben Mitglieder etwa den Umgang mit Atemschutzgeräten in einem Kriechschacht. Derartige Trainings-areale gebe es sonst nur an den zwei THW-Bundesschulen, so Riemer. "Für Ortsverbände ist das eigentlich nicht vorgesehen."

 Entsprechend stolz präsentierte das THW am Sonnabend beim dritten Tag der offenen Tür seine Errungenschaften. Dazu gehört auch eine neue Halle für die 18 Fahrzeuge des Ortsverbandes. Mit Investitionen von rund 1,2 Millionen Euro wurde Ersatz geschaffen für die alte Halle aus NVA-Zeiten, neue Werkstatt und Abgasabsauganlage inklusive.

 Um den Besuchern die Arbeit der Rettungskräfte näher zu bringen, konnten die Gäste sich selbst an einzelnen Stationen probieren, sich etwa an einem Bergeturm abseilen. Selbst das Stapeln von Sandsäcken wurde praktiziert - trotz schweißtreibender 36 Grad Celsius. Anschaulich und praxisnah stellten auch die Spezialisten der Bergungsgruppe, der Fachgruppen Führung/Kommunikation sowie Räumen und Beleuchtung und des Einsatzstellensicherungssystems ihre Arbeit vor.

 Mit solch lebendiger Werbung in eigener Sache soll natürlich auch Nachwuchs für den Ortsverband Leipzig gewonnen werden. Denn mit dem Wegfall der Wehrpflicht knickten beim THW bundesweit die Mitgliederzahlen ein, da jene jungen Männer wegfielen, die sich bisher statt bei der Bundeswehr für das THW verpflichteten. Auch die Leipziger bekamen dies zu spüren. "Es gab schon einen merklichen Schwund", so Riemer. Gegenwärtig zähle der Ortsverband etwa 80 aktive Mitglieder, verfügt auch über eine eigene Jugendgruppe. Die jüngsten Mitstreiter sind sechs Jahre, der älteste ist bereits über 70. Zum Ausbildungsdienst jeden zweiten Sonnabend im Monat kommen regelmäßig um die 40 Mitglieder.

 Ihre Einsätze sind keineswegs nur auf das Stadtgebiet Leipzig beschränkt. "Das kann schon mal bis nach Eilenburg oder Delitzsch reichen", berichtet Riemer. So leistete das Leipziger THW Mitte Mai technische Unterstützung bei einem Großbrand in einer Lagerhalle in Badrina.

 Auch zu Pfingsten war die Fachgruppe Räumen mit ihrem Radlader gefragt, als plötzlich auf dem Gelände des Südfriedhofes ein großer Haufen Grünschnitt in Flammen stand. Zu einem ungewöhnlichen Einsatz rückte das Leipziger THW anlässlich der 1000-Jahr-Feier der Stadt aus und kümmerte sich um eine Notbeleuchtung für den Augustusplatz. Bei einem Stromausfall hätten die Ehrenamtlichen sofort für ausreichend Licht sorgen und damit womöglich eine Massenpanik unter den Veranstaltungsbesuchern vermeiden können.

 "Der Ortsverband lebt vom großen Engagement seiner Mitglieder", lobt Riemer. "Und da sind wir auf einem sehr guten Stand." Wenn er einen Wunsch frei hätte, dann diesen: Mehr Mittel, um veraltete Technik erneuern zu können.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.08.2015
Frank Döring

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