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Lokales Tag der offenen Tür im Leipziger Knast: "Ich hatte es mir grauer und trister vorgestellt"
Leipzig Lokales Tag der offenen Tür im Leipziger Knast: "Ich hatte es mir grauer und trister vorgestellt"
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23:59 14.09.2014
Rundgang beim Tag der Öffentlichkeit: Gefängnischef Rolf Jacob (l.) übernimmt die Führung. Quelle: Wolfgang Zeyen

Heraus allerdings nicht... Seit Bestehen der Haftanstalt an der Leinestraße, also seit exakt 13 Jahren, gab es noch "keine Entweichung", so Jacob. "Und nur diesen einen genannten Versuch."

Gut sechs Meter hoch ist die Gefängnismauer. Weil sie sich aber um fünf Prozent nach innen neigt - die Idee eines englischen Architekten - wirkt sie niedriger, nicht so starr. Auf seinem Arbeitsweg, von Großpösna kommend, fährt Thomas Kahnt immer daran vorbei. "Jetzt wollte meine Frau auch unbedingt mal hinter die Mauer schauen. Ich bin überrascht, wie sauber und ordentlich es hier ist. Das hatte ich nicht erwartet", meinte der Bauunternehmer, der Anfang der 90er-Jahre mit Mitarbeitern sogar mal am Haftkrankenhaus, das sich ebenfalls auf dem zehn Hektar großen umzäunten Areal befindet, Hand anlegte.

Zu dieser Zeit gab es laut Jacob bereits den Rohbau des jetzigen Knasts. Häftlinge in der DDR hatten ihn errichtet, aus dem Skelett sollte eine neue Klinik werden. Nach der politischen Wende wurde jedoch erst ein Jahrzehnt später entschieden: Aufbau statt Abriss. Trotz der jetzigen "reinsten Parkanlage" mit vielen Wiesen, Freistundenhöfen, Bäumen und Blumenbeeten, wie Kahnt meinte, würde er nicht einen Tag lang hier sein müssen. "Der Kontakt mit Mithäftlingen ist sicher nicht so prickelnd."

Begegnungen mit Häftlingen gab es am Samstag - wie geplant - allerdings nicht. Während der sechs Rundgänge mit insgesamt fast 200 Besuchern blieben die Insassen in ihren Zellen. Angeschaut wurden Haft- und Freizeiträume, Gemeinschaftzimmer, der Andachtsraum (eine Art kleine Kirche), die Bibliothek, Ausbildungskabinette sowie die Sporthalle. Und auch ein Trennscheibenraum. Wie der Name schon sagt, verhindert eine Scheibe den direkten Kontakt zwischen Häftlingen und Angehörigen; kommuniziert wird über eine Wechselsprechanlage. Das gilt als Sicherheitsmaßnahme, hatten sie zuvor etwa Rauschgift geschmuggelt. "Selbst Kinder wurden dazu missbraucht. Drogen steckten sogar schon in der Windel", berichtete ein Bediensteter den Knast-Gästen.

"Ich bin sehr angetan von der Fürsorge, davon, dass Inhaftierten nicht die Würde genommen wird", meinte schließlich Margrit Rauhut. Allerdings sollten sie sich auch nützlich machen müssen - beispielsweise in Altenheimen, in Parks, schwebte ihr vor. Bianca Hönicke, die als Ex-Schöffin vom Landgericht auch Straftäter verurteilt hat, war überrascht: "Ich hatte es mir trister und grauer vorgestellt." Ursula Herfurth meinte angesichts dessen, was alles an Kursen, Kultur und Gesprächskreisen organisiert wird, "hält sich mein Bedauern mit Insassen sehr in Grenzen".

Die vielen Angebote vermittelten jedenfalls "nicht den Eindruck, als würde für Häftlinge hier das Leben stehen bleiben", schätzte Besucherin Sigrid Anthonijsz ein. Als Zivilrichterin vom Amtsgericht Leipzig bringe sie zwar nicht Angeklagte hinter Gitter, müsse als Bereitschaftsdienst für den Ermittlungsrichter am Wochenende aber auch darüber entscheiden, ob jemand in Untersuchungshaft zu nehmen sei. "Das steht mal wieder bevor." Und Janet Müller, bis vor Kurzem noch Protokollführerin am Amtsgericht, wechselte gleich ganz und gar ihren Arbeitsplatz, ist jetzt Sachbearbeiterin in der JVA, brachte zur zweistündigen Führung Verwandte wie ihren Bruder und Bekannte mit. Sogar die Türen zum Hafthaus sind nicht mehr grau und braun angestrichen, sondern grün. Ist gut fürs Klima im Knast, weiß Jacob, seit mittlerweile 20 Jahren der Chef.

Die JVA Leipzig verfügt über 397 Haftplätze (am Samstag belegt mit 367 Männern aus rund 20 Nationen), 70 Betten im Krankenhaus (50 belegt, darunter vier Frauen) und 49 Plätze im Freigängerhaus (38, darunter zehn Frauen). Es gibt knapp 200 Bedienstete.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.09.2014

Sabine Kreuz

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