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Lokales Tageseltern in Leipzig drohen mit Streik – Stadt will 2500 neue Kita-Plätze schaffen
Leipzig Lokales Tageseltern in Leipzig drohen mit Streik – Stadt will 2500 neue Kita-Plätze schaffen
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16:48 23.11.2012
Betreuung für die Kleinen: Rund 2400 Kinder in Leipzig sind bei Tagesmüttern oder -vätern untergebracht. Quelle: dpa
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Leipzig

Im Rathaus will man stattdessen beim Bau neuer Kitas deutlich stärker aufs Tempo drücken. 2500 Plätze sollen im kommenden Jahr geschaffen werden, kündigte Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) am Freitag an. Mehr als 32 Millionen Euro werden dafür in den nächsten zwei Jahren investiert. Auch die Kindertagespflege soll 2013 um mehr als 300 Plätze erweitert werden.

Mit einer Briefaktion macht das Netzwerk Leipziger Tageseltern seit Donnerstag seinem Ärger über schlechte Bezahlung Luft. Die Erzieher fühlen sich von der Stadt hintergangen. Eine Erhöhung der Bezüge von 2,49 Euro um 20 Cent pro Kind und Betreuungsstunde auf etwa 485 Euro monatlich hatte die Kommune den rund 500 Leipziger Tageseltern in Aussicht gestellt – jedoch erst ab August 2013. „Für uns ist nicht hinnehmbar, dass wir nach drei Jahren Wartezeit so abgespeist werden, zumal vorher niemand mit uns über die Höhe geredet hat“, sagte Paul Franke, einer der Sprecher des Netzwerkes, am Freitag gegenüber LVZ-Online.

Tageseltern-Initiative erwägt Sammelklage

Die Initiative fordert eine zweistufige Erhöhung der Bezüge um jeweils 55 Cent zum 1. Januar 2013 und 2014 auf das einheitliche Bundesniveau von 3,55 Euro pro Kind und Stunde. Geldgier spiele dabei überhaupt keine Rolle, stellte Mandy Fürst, Tagesmutter aus dem Leipziger Nordwesten, klar. „Es ist die Angst, aufgeben zu müssen, ins wirtschaftliche Abseits gedrängt zu werden“, so die 46-Jährige. Die freiberufliche Erzieherin hat ebenso wie ihre Kollegen mit steigenden Preisen für Mieten und Nebenkosten zu kämpfen. Mit dem Beschlussvorschlag werde jedoch der Lohn „auf unterstem Niveau festgezurrt“, kritisierte die Mutter dreier Kinder.

Paul Franke aus Leipzig ist selbst Tagesvater. Er ist mit dem Tarifangebot der Stadt wie viele seiner Kollegen nicht zufrieden. Quelle: Privat

Von den rund 23.600 Betreuungsplätzen in Leipzig entfällt derzeit etwa jeder zehnte auf die Kindertagespflege. Für die Stadt ist sie eine preisgünstige Option, um Betreuungskapazitäten bereitzustellen. Während die Kommune für einen neuen Kita-Platz durchschnittlich rund 16.000 Euro investieren muss, bleiben die meisten Kosten bei der Tagespflege an den freiberuflichen Erziehern hängen. Sie müssen sich selbst um eine Wohnung kümmern, in der sie maximal fünf Kinder im Alter bis zu drei Jahren betreuen dürfen.

Ziel der Tageseltern ist es, mit der Briefaktion die Tarifpläne der Stadt vor der Abstimmung in der Ratsversammlung am 17. Dezember zu stoppen. Das Netzwerk hat deshalb alle Leipziger Tageseltern dazu aufgerufen, ein vorgefertigtes Protestsschreiben an Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), Sozialbürgermeister Fabian, die Stadtratsfraktionen sowie Vize-Jugendamtschef Thomas Schmidt zu senden. Sollte sich die Stadt nicht kompromissbereit zeigen, wollen die Erzieher notfalls streiken, erklärte Paul Franke. Auch eine Sammelklage werde erwogen. Eine entsprechende Arbeitsgruppe sei bereits in Planung.

Jugendamt: „Kein Spitzenpreis, aber ausreichend“

„Aus unserer Sicht ist das ein angemessenes Angebot“, verteidigte Thomas Schmidt vom Jugendamt die neuen Tarife gegenüber LVZ-Online. „Es ist kein Spitzenpreis, aber eine ausreichende Erhöhung.“ Schmidt bezeichnete die Initiative der Tageseltern als „Drohgebärde“, räumte jedoch ein, dass im Stadtrat noch Verhandlungsspielraum bestehe. Der Jugendamts-Vizechef kündigte an, die betroffenen Erzieher noch im Dezember zu einem Treffen im Rathaus einzuladen, um ihnen die Pläne zu erläutern.

„Die Tagespflege ist ein wichtiges Angebot für Kinder und Familien in Leipzig“, betonte Sozialbürgermeister Fabian. Während die Tageseltern noch um mehr Geld kämpfen, hat er für das kommende Jahr ein Mammutprogramm für Kita-Investitionen geschnürt. Rund 32,3 Millionen Euro sollen 2013/2014 in die Hand genommen werden, um 2488 neue Plätze zu schaffen. Davon entfallen 1582 auf Kindergärten und 906 auf Kinderkrippen – 327 davon in der Tagespflege.

Zwölf neue Kitas sollen 2013 eröffnen

„Die Tagespflege ist ein wichtiges Angebot für Kinder und Familien in Leipzig“, betont Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD). Quelle: André Kempner

Zu den bisherigen rund 220 Kitas in Leipzig sollen 2013 kommen zwölf hinzu kommen: Neun werden neu errichtet, drei im Bau befindliche werden fertig gestellt. Zudem sollen acht Einrichtungen baulich erweitert und die Kapazitäten von vier Kitas vergrößert werden. „Wenn wir so mit Baumaßnahmen und Erweiterungen weiter machen, wird sich die Situation in absehbarer Zeit entspannen“, versprach Fabian. Derzeit fehlen in Leipzig wegen der steigenden Geburtenzahlen mehrere hundert Betreuungsplätze. Ab August 2013 gilt für Kleinkinder hierauf ein Rechtsanspruch.

Um Bauvorhaben freier Träger künftig zu beschleunigen, wurde im Rathaus eine neue Projektgruppe eingerichtet. Diese wird von Fabian und Finanzbürgermeister Torsten Bonew (CDU) geleitet. Auch ein neuer Mitarbeiter soll hierfür eingestellt werden.

„Es ist für uns eine wichtige Aufgabe, wohnortnahe Kitas bereitzustellen“, betonte Fabian. „Wir bauen vor allem dort, wo der Bedarf besonders groß ist, und das ist in der Südvorstadt, in Schleußig und in Plagwitz.“ Jugendamts-Vizechef Schmidt brachte es auf den Punkt: „Wir brauchen einfach Plätze, Plätze, Plätze.“

Robert Nößler

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