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Tatort Bibliothek - Untersuchung in Leipzig

Tatort Bibliothek - Untersuchung in Leipzig

Das Lamento ist landläufig: Bibliotheken haben Schwund - Klau im großen Stile! Doch ist es wirklich so? Die Leipziger Professorin Andrea Nikolaizig und Absolventin Conny Schwarzer von der Medien-Fakultät der HTWK nahmen den beklagenswerten Sachverhalt jetzt empirisch unter die Lupe.

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Wer den Abschluss schneller schafft als vorgesehen, muss trotzdem die vollen Gebühren bezahlen.

Quelle: Julian Stratenschulte

Leipzig. "Literatur geklaut beziehungsweise ganze Seiten aus Büchern herausgerissen wurde in Bibliotheken zu allen Zeiten", weiß Nikolaizig. Allein, wer da klaut und warum und welche Größenordnung das Ganze tatsächlich hat, sei gar nicht leicht ermittelbar. "Keine Einrichtung führt darüber Statistik, weil das zu aufwändig wäre." Also wurden Medienberichte, Internetportale wie Datenbanken, in denen zwischen 1990 und 2013 von solch' Frevel berichtet worden war, durchforstet. "Mit all dem, einschließlich der Presseinfos der Polizei-Landesdirektion, erzielten wir durchaus ein hohes Maß an Vollständigkeit", meint die Professorin.

Am Ende stießen sie und Schwarzer in den 23 Untersuchungsjahren auf 61 dokumentierte Artikel, die sie analysierten. Sie loteten bisweilen bizarre Tathergänge und die meist wenig spektakulären Verkaufswege des Diebesgutes aus. Sie betrachteten die Dimensionen der materiellen und ideellen Schäden sowie die Art der Tataufdeckung und -verfolgung. Und natürlich suchten sie nach den Motiven der Täter. So berichtete die LVZ 2007 über einen Germanistikprofessor (51), der 105 wertvolle Bücher aus dem 16. bis 18. Jahrhundert aus einer Uni-Bibliothek stahl und sie größtenteils in einem Auktionshaus versteigern ließ.

"Das Geldverdienen ist schon das dominierende Motiv. Wobei sich eben die Mär vom ewig armen und daher ,mitnahmefreudigen' Studenten auch nicht belegen ließ", so Nikolaizig. Im Hinblick aufs Thema Seitenraub glaubt sie im Übrigen, dass sich das fast selbst erledigen könnte: "Smartphone und Handys haben heute so tolle Kameras, da wird eher abfotografiert, was ja auch legitim ist."

Das Studien-Duo glaubt zudem eine Übereinstimmung beim Diebstahlsbeliebtheits-Ranking von Einzelhandel und Bibliotheken auszumachen: "Demnach liegen elektronische Spiele und DVDs an der Spitze, gefolgt von Zeitschriften, Nachschlagewerken, Landkarten und Reiseführern. Am allerwenigsten haben es Langfinger auf Schulbücher und weitere Lehrmaterialien abgesehen."

Das Hauptfazit der Studien-Autorinnen lautet letztlich dennoch: "Unsere Bibliotheken sind sicherer als ihr Ruf, Diebstahl ist da kein Massenphänomen", so Nikolaizig. Die Klischees vom besonders diebischen Jura- und Theologiestudenten und einem sich permanent selbst bedienenden Bibliothekspersonal hätten sich auch nicht belegen lassen. "Was uns aber erschreckt hat, war das Ausmaß, mit dem gezielt historisch wertvolle Bestände entwendet werden. Dafür existiert ein Nachfragemarkt, auf dem sich Auftragsdiebe und Hehler tummeln. Damit wird so viel Geld verdient wie analog zum Kunstraubmarkt."

Wer sich gern einmal näher in solch' Kriminologie des Bibliotheksdiebstahls vertiefen mag: Andrea Nikolaizig und Conny Schwarzer haben alles, was sie herausfanden, jetzt in ein Buch "Tatort Bibliothek - Bücherklau und Seitenraub" gepackt. Erschienen ist es im Berliner BibSpider-Verlag und für 26,80 Euro im Buchhandel erhältlich.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.02.2015

Angelika Raulien

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