Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Tauziehen um Leipzigs Matthäikirchhof

Kritik am Oberbürgermeister Tauziehen um Leipzigs Matthäikirchhof

Lange Zeit hat Leipzigs Bürgerschaft nur mit Erstaunen verfolgt, wie ihr Oberbürgermeister die Neubebauung des Matthaikirchhofs voranbringt. Jetzt wird sie mobil. Der Grund: Es wird ein Fehlschlag wie am Wilhelm-Leuschner-Platz befürchtet.

Leipzig Matthaikirchhof ist symbolträchtig: Hier der Haupteingang zur ehemaligen Stasizentrale.

Quelle: Regina Katzer

Leipzig.

In einem Offenen Brief plädieren jetzt zwei Dutzend Unterzeichner für eine andere Prioritätensetzung: Die Stadt solle die Entwicklung des Matthäikirchhofs „grundsätzlich“ vom Einheits- und Freiheitsdenkmal trennen und unter Einbeziehung der Bürgerschaft zunächst ein Gesamtbild für einen neuen Matthäikirchhof entwickeln, heißt es. Anschließend müssten weiterführende Planungen mit den Bürgern beginnen. Denn für das Areal werde ein großer Wurf benötigt. Weil der Matthäikirchhof als Leipzigs historische Keimzelle gilt, müsse die Neubebauung „in höchster kultureller Verantwortung“ erfolgen, wird diese Forderung in dem Offenen Brief begründet. Dies gelte „sowohl in Bezug auf die künftige städtebaulich-architektonische Qualität des gesamten Stadtteils als auch im Hinblick auf dessen künftiges Funktionsspektrum sowie seine urbane Ausstrahlung und Erlebbarkeit“. Ob dann auch noch ein „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“ entsteht – wie Jung will –, sei später zu prüfen. „Es ist nicht nachvollziehbar, hierfür einen Stadtratsbeschluss herbeizuführen, ohne die vielfältigen Entwicklungschancen des Gesamtbereichs auch nur ansatzweise betrachtet und miteinander in Verhältnis gesetzt zu haben“, meinen die Kritiker. Der Respekt vor der Geschichte, die Ansprüche an ein modernes Stadtflair und die Kriterien zur individuellen Ausprägung des Viertels sollten in einen kreativen, vielschichtigen Planungsprozess einfließen, der „mit aller gebotenen Sorgfalt“ und „äußerst sensibel“ zu erfolgen habe – „und nicht durch Vorfestlegungen eingeengt wird“. In diesen Prozess müsse die Bürgerschaft von Beginn an aktiv eingebunden werden.

In dem Offenen Brief wird von einer „eklatanten Fehl-Prägung“ des Quartiers gesprochen, die durch die Ansiedlung der ehemaligen Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR vorgenommen wurde. Der kriegszerstörte westlichste Teil der Leipziger Altstadt sei dadurch „dem allgemeinen öffentlichen Leben und einer altstadttypischen Gestalt und Funktion entzogen“ worden, heißt es. Dies müsse jetzt „grundlegend“ korrigiert werden.

Es sei nicht akzeptabel, für dieses Gelände „eine Gruppe von Bürgerrechtlern ohne die nötige Fachkompetenz“ zu beauftragen, eine Ratsvorlage zur Neugestaltung zu erarbeiten. Die fünf ausgewählten Bürgerrechtsgruppen würden nicht die Leipziger Bevölkerung repräsentieren. Auch Jungs Ansatz, dort ein Einheits- und Freiheitsdenkmal zu etablieren, sei nicht vom Mehrheitswillen der Leipziger gedeckt. Über einen internationalen Architektenwettbewerb dürfe ebenfalls nicht am Willen der Leipziger vorbei entschieden werden.

Unterzeichnet haben den Offenen Brief unter anderem: Wolfram Günther, Sprecher des Stadtforums, die Architekten Johannes Schulze, Ronald Wanderer, Uwe Brösdorf, Thomas Rau, Bernd Apitz, Elke Voigt, Stefan Riedel und Bernd Sikora, Gunter Böhnke, Matthias Schätzl, Johannes Hähle,
Gudrun Neumann, Heinz-Jürgen Böhme, Jürgen Wanjura, Wieland Zumpe, Christian Jonas, Otto Stadtherr sowie Hella und Niels Gormsen.

Von Andreas Tappert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Der Leipziger Opernball „Moskauer Nächte“ lädt am 4. November aufs Parkett. Hier finden Sie Infos und Fotos zum Event. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Kommen Sie an Bord: Am Sonntag, 22. Oktober 2017, laden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse in das LVZ Verlagsgebäude ein. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

Wie weiter nach der Grundschule? Unsere Übersicht aller Gymnasien, Oberschulen und Freien Schulen in Leipzig will Eltern bei der Auswahl der passenden Bildungseinrichtung für ihr Kind unterstützen. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

Eine Multimedia-Reportage rund um die Leipziger Eisenbahnsstraße, die sich vom Problemkiez zum Hipsterviertel wandelt mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr