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Tauziehen um Leipzigs Matthäikirchhof

Kritik am Oberbürgermeister Tauziehen um Leipzigs Matthäikirchhof

Lange Zeit hat Leipzigs Bürgerschaft nur mit Erstaunen verfolgt, wie ihr Oberbürgermeister die Neubebauung des Matthaikirchhofs voranbringt. Jetzt wird sie mobil. Der Grund: Es wird ein Fehlschlag wie am Wilhelm-Leuschner-Platz befürchtet.

Leipzig Matthaikirchhof ist symbolträchtig: Hier der Haupteingang zur ehemaligen Stasizentrale.

Quelle: Regina Katzer

Leipzig.

In einem Offenen Brief plädieren jetzt zwei Dutzend Unterzeichner für eine andere Prioritätensetzung: Die Stadt solle die Entwicklung des Matthäikirchhofs „grundsätzlich“ vom Einheits- und Freiheitsdenkmal trennen und unter Einbeziehung der Bürgerschaft zunächst ein Gesamtbild für einen neuen Matthäikirchhof entwickeln, heißt es. Anschließend müssten weiterführende Planungen mit den Bürgern beginnen. Denn für das Areal werde ein großer Wurf benötigt. Weil der Matthäikirchhof als Leipzigs historische Keimzelle gilt, müsse die Neubebauung „in höchster kultureller Verantwortung“ erfolgen, wird diese Forderung in dem Offenen Brief begründet. Dies gelte „sowohl in Bezug auf die künftige städtebaulich-architektonische Qualität des gesamten Stadtteils als auch im Hinblick auf dessen künftiges Funktionsspektrum sowie seine urbane Ausstrahlung und Erlebbarkeit“. Ob dann auch noch ein „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“ entsteht – wie Jung will –, sei später zu prüfen. „Es ist nicht nachvollziehbar, hierfür einen Stadtratsbeschluss herbeizuführen, ohne die vielfältigen Entwicklungschancen des Gesamtbereichs auch nur ansatzweise betrachtet und miteinander in Verhältnis gesetzt zu haben“, meinen die Kritiker. Der Respekt vor der Geschichte, die Ansprüche an ein modernes Stadtflair und die Kriterien zur individuellen Ausprägung des Viertels sollten in einen kreativen, vielschichtigen Planungsprozess einfließen, der „mit aller gebotenen Sorgfalt“ und „äußerst sensibel“ zu erfolgen habe – „und nicht durch Vorfestlegungen eingeengt wird“. In diesen Prozess müsse die Bürgerschaft von Beginn an aktiv eingebunden werden.

In dem Offenen Brief wird von einer „eklatanten Fehl-Prägung“ des Quartiers gesprochen, die durch die Ansiedlung der ehemaligen Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR vorgenommen wurde. Der kriegszerstörte westlichste Teil der Leipziger Altstadt sei dadurch „dem allgemeinen öffentlichen Leben und einer altstadttypischen Gestalt und Funktion entzogen“ worden, heißt es. Dies müsse jetzt „grundlegend“ korrigiert werden.

Es sei nicht akzeptabel, für dieses Gelände „eine Gruppe von Bürgerrechtlern ohne die nötige Fachkompetenz“ zu beauftragen, eine Ratsvorlage zur Neugestaltung zu erarbeiten. Die fünf ausgewählten Bürgerrechtsgruppen würden nicht die Leipziger Bevölkerung repräsentieren. Auch Jungs Ansatz, dort ein Einheits- und Freiheitsdenkmal zu etablieren, sei nicht vom Mehrheitswillen der Leipziger gedeckt. Über einen internationalen Architektenwettbewerb dürfe ebenfalls nicht am Willen der Leipziger vorbei entschieden werden.

Unterzeichnet haben den Offenen Brief unter anderem: Wolfram Günther, Sprecher des Stadtforums, die Architekten Johannes Schulze, Ronald Wanderer, Uwe Brösdorf, Thomas Rau, Bernd Apitz, Elke Voigt, Stefan Riedel und Bernd Sikora, Gunter Böhnke, Matthias Schätzl, Johannes Hähle,
Gudrun Neumann, Heinz-Jürgen Böhme, Jürgen Wanjura, Wieland Zumpe, Christian Jonas, Otto Stadtherr sowie Hella und Niels Gormsen.

Von Andreas Tappert

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