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Tauziehen um dritten Spitzenposten bei den Leipziger Verkehrsbetrieben

Arbeitsdirektor vakant Tauziehen um dritten Spitzenposten bei den Leipziger Verkehrsbetrieben

Ein Verdi-Funktionär soll Arbeitsdirektor des größten kommunalen Unternehmens in Leipzig werden. Mit ihm könnten die Tarifunterschiede innerhalb des LVB-Konzerns ein für allemal beendet werden. Seine Wahl wäre auch aus anderer Hinsicht ein Politikum: Nach dem Gleichstellungsgesetz sollte auf den Posten eine Frau kommen.

Wer wird mit aufs Gleis gestellt? Hinter den Kulissen der Leipziger Verkehrsbetriebe wird über die Besetzung des dritten Geschäftsführerpostens gestritten.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Stellen-Poker bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB): Die für den 10. August geplante Wahl eines dritten LVB-Geschäftsführers ist nach Informationen der LVZ verschoben und soll nun frühestens im September stattfinden.

Seit Monaten liefern sich Arbeitnehmer- und Arbeitgeberflügel im Aufsichtsrat ein Tauziehen um die Stelle des Arbeitsdirektors. Das Verfahren läuft geheim. Damit nichts an die Öffentlichkeit dringt, wurden die Beteiligten zur Verschwiegenheit verpflichtet. Dem Vernehmen nach soll ein Gewerkschaftsfunktionär den Posten bekommen. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Aufsichtsrat gilt es als wahrscheinlich, dass er für die nächsten fünf Jahre gewählt wird.

In der Auseinandersetzung geht es um den Einfluss der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf die Führungsebene des mit mehr als 2000 Mitarbeitern größten kommunalen Unternehmens in Leipzig. Denn das Zugriffsrecht auf den Posten hat traditionell die Arbeitnehmerseite.

Nachdem im vorigen Jahr bekannt geworden war, dass die damalige Arbeitsdirektorin Sabine Groner-Weber zum Oktober 2015 das Unternehmen verlassen will, hatte der Aufsichtsrat denn auch den Arbeitnehmervertretern grünes Licht zur Kandidatensuche gegeben. Weil die Vorschläge die Findungskommission jedoch nicht überzeugten, wurde ein Headhunter eingeschaltet, der weitere potenzielle Bewerber aufspüren sollte. Von knapp 20 Kandidaten kamen letztlich drei in die engere Wahl. Darunter auch Michael Halberstadt aus der Berliner Verdi-Zentrale, der schon im ersten Verfahren dabei war. Die anderen beiden Bewerber lehnte der Arbeitnehmerflügel ab. Weil es zu keiner Einigung kam, schlug die Findungskommission dem Aufsichtsrat vor, nur ihn zur Abstimmung zu bringen.

Halberstadt leitet bei Verdi den Bereich Tarifpolitik für die Telekommunikations- und IT-Branche. Er gilt als geschickter Verhandlungsführer, hatte zuletzt in der Tarifrunde für die 63 000 Angestellten bei der Telekom in diesem Frühjahr Lohnsteigerungen von bis zu 4,7 Prozent für die Beschäftigten herausgeholt. Von ihm erhoffen sich die Arbeitnehmer in der LVB-Gruppe eine deutliche Verbesserung ihrer Einkommensituation. Denn durch frühere Personalauslagerungen in Tochterbetriebe war das Tarifsystem im Nahverkehrskonzern erodiert. So verdienen die Beschäftigten der Leipziger Stadtverkehrsbetriebe (665 Fahrer) rund ein Drittel weniger als ihre Kollegen im Mutterunternehmen LVB, in dem noch 494 Fahrer beschäftigt sind. Beobachter vermuten, dass Halberstadt dieses Ungleichgewicht als erstes angehen wird.

Dem Vernehmen nach würde die Angleichung der Fahrergehälter an das LVB-Niveau acht Millionen Euro im Jahr kosten. Umstritten ist daher, ob sich die LVB, die jährlich Subventionen von 45 Millionen Euro erhalten, überhaupt noch eine dreiköpfige Führungsebene leisten sollten. Ein Geschäftsführer-Jahresgehalt liegt zwischen 200 000 und 250 000 Euro. Dass ein Arbeitsdirektor bestellt werden muss, ist bei einem mitbestimmten Unternehmen Vorschrift, es muss aber dafür kein separater Posten geschaffen werden. Seit Groner-Webers Ausscheiden hat der kaufmännische Geschäftsführer Ulf Middelberg (Vertrag bis 2021) die Funktion inne. Wie er wurde auch der technische Geschäftsführer Ronald Juhrs von der Arbeitgeberseite vorgeschlagen.

Und noch etwas macht die Personalie Halberstadts zum Politikum. Das Unternehmen hat sich verpflichtet, ein Drittel seiner Führung mit Frauen zu besetzen. Nur: Die einzige Frau, die noch im Rennen um den Posten des Arbeitsdirektors ist, kommt von der Arbeitgeberseite.

Von Klaus Staeubert

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