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Telefonzellen sterben aus: Telekom baut in Leipzig immer mehr Fernsprecher ab

Telefonzellen sterben aus: Telekom baut in Leipzig immer mehr Fernsprecher ab

Sie sind meist voll funktionstüchtig, werden aber kaum noch gebraucht: Telefonzellen gehörten in den 90er-Jahren fest zum Straßenbild. Inzwischen sucht man sie vielerorts vergebens – auch in Leipzig.

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Vom Aussterben bedroht: Telefonzellen in Leipzig.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Gab es im Jahr 2000 in der Messestadt noch 600 Häuschen, existieren heute nur noch 161. Weitere 26 sollen noch in diesem Jahr eingespart werden, so die Pläne der Telekom.

„Die Bedeutung der Telefonzelle hat mit dem Siegeszug des Handys abgenommen“, sagt Telekomsprecher Georg von Wagner, der für die Region Sachsen zuständig ist. Bei 111 Millionen Mobilfunkanschlüssen habe statistisch gesehen jeder Deutsche mindestens ein Handy. Die Notwendigkeit für öffentliche Telefonzellen sinke entsprechend.

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Leipzig. Sie sind meist voll funktionstüchtig, werden aber kaum noch gebraucht: Telefonzellen gehörten in den 90er-Jahren fest zum Straßenbild. Inzwischen sucht man sie vielerorts vergebens – auch in Leipzig. Noch in diesem Jahr sollen weitere Fernsprecher verschwinden, so die Pläne der Telekom.

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Vandalismusschäden und ausbleibende Einnahmen

Gab es 2008 noch über 100.000 Fernsprechhäuschen in Deutschland, waren es 2011 noch 60.000, im vergangenen Jahr reduzierte sich ihre Zahl auf 48.000, die meisten betreibt die Deutsche Telekom. Das Unternehmen hat seinen Bestand in Leipzig in den letzten 15 Jahren auf ein Viertel reduziert. Das Verkehrs- und Tiefbauamt der Stadt geht davon aus, dass in den nächsten Jahren mit einem weiteren Rückbau zu rechnen ist – nicht nur wegen ausbleibender Einnahmen, sondern auch auf Grund von Vandalismusschäden, wie es heißt.

Dass die Telefonzelle immer mehr zum Dinosaurier unter den Alltagsgegenständen avanciert, zeigen solche Zahlen: 2010 wurden von den öffentlichen Kabinen aus 120 Millionen Gespräche geführt. Zum Vergleich: 1999 waren es noch eine Milliarde. Ein Ortsgespräch schlägt heute mit 23 Cent pro Minute zu Buche. Wer in die USA telefonieren will, muss einen ganzen Euro berappen. Im Zeitalter von Internet-Telefonanbietern wie Skype erscheint das kaum noch zeitgemäß.

Unterhalt kostet 150 Euro pro Monat

Telekom-Referent von Wagner betont zwar: „Es gibt immer noch Orte mit einer hohen Nutzung, etwa Flughäfen oder Bahnhöfe.“ Doch allzu oft entwickelt sich das Fernsprechhäuschen zum unrentablen Kostenfaktor. Etwa 150 Euro zahlt die Telekom für den Unterhalt einer Telefonzelle pro Monat, inklusive Strom, Miete und Wartung. Sinkt der Umsatz der Kabine auf unter 50 Euro pro Monat, kann die Telekom die jeweilige Stadt bitten, die Station einzustellen. Von Wagner umschreibt den Abbau so: „Der Kunde ist der Architekt des Telefonzellen-Netzes.“

Will die Kommune den Standort behalten, bietet das Unternehmen meist eine billigere Alternative an – das Basistelefon. Das reduzierte Telefonhäuschen verbraucht keinen Strom und ist durch die fehlende Verkleidung günstiger in der Unterhaltung. Während das Aufstellen einer richtigen Telefonzelle 7.500 Euro kostet, fallen für das Basistelefon nur 500 Euro an. „Der Nachteil ist allerdings, dass der Benutzer nicht vor Wind und Wetter geschützt ist. Außerdem kann das Basistelefon nur mit Telefon- und Geldkarten bedient werden, denn Münzautomaten funktionieren nur mit Strom“, gibt Telekomsprecher Udo Harbers zu. Bisher wurde ein Fünftel aller Zellen durch solche offenen Telefonsäulen ersetzt.

Neue Technik: Zellen mit Videotelefon und WLAN

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An „neuen“ Zellen können Kunden SMS versenden, über WLAN im Internet surfen, Zugfahrpläne erfragen, einen Parkschein kaufen oder einen Rufbus ordern.

Quelle: Dirk Knofe

Seit ein paar Jahren versucht die Telekom dem Telefonzellen-Sterben entgegenzusteuern, indem sie immer mehr Fernsprechhäuschen mit neuen Funktionen ausstattet. Etwa 100.000 dieser „Telekommunikationsstellen“, wie sie in der Unternehmenssprache heißen, wurden bisher eingerichtet. Aus der muffigen Zelle von einst sollen Multifunktionsgeräte werden.

An diesen „neuen“ Zellen können Kunden zum Beispiel SMS versenden, über WLAN im Internet surfen, Zugfahrpläne erfragen, einen Parkschein kaufen oder einen Rufbus ordern. Einige Kommunen bieten sogar via Bildtelefonie Sprechstunden an, so zum Beispiel die Bundesagentur für Arbeit in Dresden. Dort können Gehörlose an einem speziellen Terminal auf einem Bildschirm die Gesten eines Gebärdendolmetschers verfolgen.

Nachdem die Telekom zunächst einige der ausrangierten Zellen verschenkte, bringt sie sie inzwischen sogar gewinnbringend an den Mann. Wie viele der gelben und rosafarbenen Kabinen schon verkauft wurden, will das Unternehmen nicht verraten. Zu haben ist eine Zelle für 300 bis 400 Euro. In der Umnutzung sind Nostalgiker jedenfalls kreativ: Die alten Zellen machen sich gut als Bücherschränke, Gewächshäuser oder Badewannen.

Vom Aussterben bedroht: Das Schicksal der Telefonzellen in Leipzig teilen auch Paternoster-Aufzüge und Videotheken. Das vollständige Dossier dazu lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des „LVZ sonntag“, dem kostenlosen digitalen Magazin für Tablet-PCs: www.lvz-sonntag.de

Gina Apitz

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