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Tenor Marc Janicello – seit 1998 immer wieder Gast in Leipzig

Classic Open Tenor Marc Janicello – seit 1998 immer wieder Gast in Leipzig

Stammgast auf den Leipziger Classic Open: US-Tenor Mark Janicello hatte dieses Jahr seinen fünften Auftritt seit 1998 und begeisterte das Publikum erneut mit seinem Vielseitigkeit. Der 53-Jährige kommt, weil er sich den Leipzigern und Gastgeber Peter Degner verbunden fühlt.

Silberner Anzug, pinkfarbenes Hemd: Der Entertainer Mark Janicello liebt auffällige Bühnenoutfits.

Quelle: André Kempner

Leipzig. „Nicht so viel reden – singen!“ Mit dieser flapsigen Bemerkung überließ Gastgeber Peter Degner (62) am Sonnabend die Bühne der Classic Open dem US-Sänger Mark Janicello (53). Ohne langes Reden hatte er dem Künstler gerade den Fips-Fleischer-Musikpreis überreicht, der an einen legendären Leipziger Musiker erinnert. „Das wusste ich nicht, das ist eine große Überraschung“, bedankte sich der Stargast des Abends.

Und dann legte Janicello, ausgebildeter klassischer Tenor und durch und durch Entertainer, los: 30 Nummern spulte er in flottem Tempo ab, von Adele bis Operette, von Eros Ramazotti und Elvis Presley über Opernarien bis zu bekannten Musicalmelodien. Während der rund 90 Minuten gönnte er sich keine Pause, mit dem Ruf „Musik“ forderte er immer sofort den nächsten Titel an. Er tanzte, klatschte, sang mit dem Publikum auf dem rappelvollen Markt. Die Fans bedankten sich mit Beifall, Schunkeln, einem Wunderkerzenmeer und am Ende mit der Forderung nach Zugaben.

Der Amerikaner, der derzeit in Berlin und Wien lebt, ist Stammgast auf den Classic Open – es war sein fünfter Auftritt. Finanziell lohnt sich das Ganze für den 53-Jährigen wohl eher nicht, aber er tut es als Freundschaftsdienst für Peter Degner: „Das würde ich für niemanden anders machen!“ 1995 lernten die beiden sich in München kennen, damals war Janicello ein kaum bekannter Musiker, der gerade den Sprung von der Oper zur Unterhaltungsmusik vollzog. 1998 holte Degner ihn erstmals nach Leipzig. „Da war die Bühne noch auf der anderen Seite des Platzes. Ich hatte anderthalb Meter Platz vor der Leinwand und fühlte mich wie ein Tiger im Käfig. Und jetzt schau mal, wie enorm groß die Bühne geworden ist“, staunte der Sänger diesmal.

Außer der Freundschaft zum Gastgeber nennt Janicello noch einen anderen Grund, warum er immer wiederkommt: „Auch in meinen schweren Zeiten hat das Leipziger Publikum mich mit offenen Armen empfangen und stand hinter mir.“ Damit meint der ehemaliger Scientologe die Jahre um 2010, als er als körperlich, finanziell und seelisch am Ende war, mit 250 000 Euro Schulden und 13 Gerichtsverfahren am Hals, vom Verfassungsschutz beobachtet. „Inzwischen habe ich mich von allen Lasten befreit und tue das, was mir Freude macht. Ich bin wieder gut im Geschäft, meine finanzielle Situation hat sich deutlich verbessert“, erzählte der gebürtige Brooklyner. In zwei Jahren hat er in mehr als 50 Filmen mitgespielt. Inzwischen ist er sogar selbst Autor, Produzent und Hauptdarsteller einer Sitcom unter dem Titel „The Finallys“, die Ende September auf der Berliner Serienale Premiere hat.

1998 hatten Degner und Janicello auch über den Plan gesprochen, ein gemeinsames Musical zu schreiben. „Aber das ist sehr kostspielig. Man braucht die internationale Vermarktung und muss damit auf Tournee gehen“, erklärte der Sänger, warum das Projekt auf Eis liegt. Derzeit ist es sein Ziel, die erste Welterfolgs-Sitcom aus Deutschland zu machen. Außerdem geht er dieser Tage ins Studio, produziert neue Lieder mit dem Gründer von „Unheilig“.

An solchen Abenden wie dem Auftritt von Mark Janicello strahlen nicht nur die Besucher, sondern auch die Gastronomen. Die sechs Wirte leisten mit ihrer Standmiete für insgesamt 1440 Plätze einen Großteil der Classic-Open-Finanzierung. „Das Programm hatte dieses Jahr ein hohes Niveau, ich hoffe, das können wir halten“, meinte Jan Woithon vom Ratskeller in der Wirte-Runde. „Selbstverständlich müssen wir Mindestlohn und Standmiete auf die Preise umlegen“, räumte Ralf Lindner vom Thüringer Hof ein. Er hält nichts von der Idee, tagsüber nur noch abwechselnd zu öffnen, da es in der Woche erst ab 18 Uhr richtig voll wird. Lieber möchte er über lukrative Mittags-Angebote nachdenken.

Von Kerstin Decker

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