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Lokales Termin-Stau in der Kinderarzt-Praxis
Leipzig Lokales Termin-Stau in der Kinderarzt-Praxis
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00:34 07.04.2018
Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt nehmen viel Zeit in Anspruch und sind ziemlich aufwendig. Quelle: dpa
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Leipzig

 Leipzigs Kinderarztpraxen platzen aus allen Nähten. Manche Mediziner nehmen gar keine neuen Patienten mehr auf; andere verweisen auf lange Wartezeiten. „Wir bedauern diesen Zustand zutiefst“, erklärt Marcus Langhammer, Vorstandsvorsitzender des Kinderärztenetzes Leipzig. Strategien zur Verbesserung sollen bei einem Treffen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) erarbeitet werden, das Ende April stattfindet.

Situation bleibt angespannt

„Es wird auf nicht absehbare Zeit jedoch auch weiterhin für einige Eltern in Leipzig schwierig sein einen Kinderarzt zu finden“, erläutert Langhammer. Den Eltern blieben derzeit als einzige Möglichkeiten weiterhin rechtzeitig bei den Kinderärzten anzufragen, auch wohnortsfernere Kinderärzte in Leipzig in Betracht zu ziehen oder aber Ärzte mit Aufnahmekapazität beim KVS-Servicetelefon zu erfragen. „Uns Kinderärzten tut es sehr leid, dass wir den Eltern keine besseren Empfehlung aussprechen können, denn es ist auch nicht in unserem Interesse täglich viele verzweifelte Eltern in der Praxis abweisen zu müssen“, betont Langhammer.

Eltern sollten Such-Radius ausweiten

Auch die KVS empfiehlt, Praxen außerhalb des direkten Wohnumfelds aufzusuchen. Grundsätzlich sei die Stadt Leipzig ausreichend mit Kinderärzten versorgt, sagt Sachsens KVS-Chef Klaus Heckemann. Es könne aber „in einzelnen Fällen durchaus vorkommen“, dass man von einer angefragten Kinderarztpraxis nicht als Neupatient aufgenommen wird. Er könne den Unmut von Eltern verstehen, die mehrere Praxen abklappern müssen, um einen Termin zu bekommen. „Die Entscheidung eines ,Aufnahmestopps’ von neuen Patienten geschieht aber keinesfalls aus Willkür oder irgendwelchen Budgetgründen“, betont Heckemann. Es gehe in erster Linie um die Verantwortung gegenüber den Patienten, um diesen die erforderliche Behandlung, Aufmerksamkeit und Zeit zukommen zu lassen. Hintergrund für den Patientenstau ist die statistische Überversorgung mit Kinderärzten in der Stadt, die keine neuen Stellen zulässt. Der Versorgungsgrad liegt zurzeit bei 110 Prozent. Der Wert spiegele aber die Realität nicht wider, wie Marcus Langhammer betont: Vor allem die vielen Säuglinge durch die steigenden Geburtenzahlen sind sehr betreuungsintensiv.

Schlüssel nimmt Rücksicht auf ostdeutsche Besonderheiten

In den ostdeutschen Bundesländern gibt es noch eine Besonderheit, auf die KVS-Chef Heckemann hinweist. Hier geben Eltern ihre Sprösslinge tendenziell eher in die Betreuung von Kinderärzten. In Westdeutschland werden junge Patienten häufiger durch Hausärzte mitbehandelt. Die häufigere Inanspruchnahme von Kinderärzten im Osten werde bereits seit 2016 bei der Berechnung des Versorgungsgrades berücksichtigt.

Weiterbildung muss ausgebaut werden

Ähnlich sei die Tendenz bei der Behandlung in Kliniken. Und deshalb würden die Weiterbildungskapazitäten in den Kinderkliniken sinken, verweist Heckemann auf ein weiteres Problem. Es gebe schon heute nicht besonders viele weitergebildete Kinderärzte.

Eltern suchen auch wegen Banalitäten den Kinderarzt auf

„Ja, es gibt in Leipzig zu wenige Kinderärzte“, bestätigt auch Wieland Kiess, Direktor der Uni-Kinderklinik, die Situation bei den niedergelassenen Kollegen. Man habe nicht damit gerechnet, dass einmal so viele Kinder zu behandeln seien – und die Zeit bis zur fertigen Facharztausbildung beträgt rund zehn Jahre. Kiess verweist auch auf einen historischen Hintergrund: Als nach der Wende die Polikliniken aufgelöst wurden (aus seiner Sicht ein Riesen-Fehler), hätten sich viele Kinderärzte wegen der wenigen jungen Familien in der Stadt als Allgemeinärzte niedergelassen. Heute sei zudem ein Problem, dass viele Eltern wegen Banalitäten den Kinderarzt aufsuchen würden. Natürlich müsse man im Zweifelsfall zum Arzt gehen, und für Notfälle stünden auch die Ambulanzen zur Verfügung. Dennoch gehe angesichts zahlreicher Patienten Zeit zulasten von schwerer erkrankten Kindern verloren.

KVS-Servicetelefon: 0341/23 49 37 11; Arztsuche auch hier: www.kvsachsen.de.

Von Björn Meine

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