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Testfahrt für den "Tag blau": Mit dem LeipzigBoot vom Cossi bis in den Stadthafen

Testfahrt für den "Tag blau": Mit dem LeipzigBoot vom Cossi bis in den Stadthafen

Leipzig. Großstadt Leipzig: Libellen schwirren, Wasserlilien setzen gelbe Tupfer ans Ufer. Das Boot gleitet sacht durchs Wasser. Vorgeschmack auf den Sommer, auf den "Tag blau" am 11. Juli, wenn die erste Route des touristischen Gewässerverbundes Leipzig Neuseenland eröffnet wird.

LVZ-Online testet vorab Kurs 1 mit dem LeipzigBoot: Vom Hafen Zöbigker am Cospudener See ging’s über Floßgraben, Pleiße und Elsterflutbett bis in den Stadthafen. Damit das klappt, wird ausnahmsweise sogar die Schleuse Connewitz in Betrieb genommen.

 

Mehr als zehn Kilometer Wasserweg und zwei Schleusen liegen vor den Testfahrern. Still ruht der Cospudener See am Mittwochmorgen. Nur ein Spiegel, sanft geteilt von Marianne, dem flachen Elektroboot mit gerade 30 Zentimeter Tief- und wenig Wellengang. "Durch die drei Kiele wird das Wasser unter dem Boot nach hinten geleitet", erklärt LeipzigBoot-Bauer und Kapitän Reiner Kehr. Aber mit den Gedanken ist er schon bei der Schleuse Cospuden. "Die ist störanfällig, hoffentlich ist da nicht schon Schluss", sagt er.

Schleuse Cospuden: Wenn's hier nicht klappt, kippt der Zeitplan

Jetzt haben alle die Hälse gereckt, schauen auf die Angaben in roten Leuchtbuchstaben. Mit einer eleganten Wende manövriert der Kapitän das Boot an den "Anforderungsschalter". Ein leises "Ding-dang-dong" begleitet das Öffnen und Schließen der Schleusentore. Wir sind drin. Dann sinkt unmerklich der Wasserpegel, 1,20 Meter Höhenhub. Alles gut, bis jetzt. Sesam öffne dich. "Wenn jemand ungeduldig einfährt, bevor die Ampel grün zeigt, wird alles gestoppt", sagt Kehr. Dann kommen wir nicht raus, gerät der Zeitplan durcheinander, muss ein Serviceteam die Schleuse wieder in Betrieb nehmen.

Aber das Wasserrevier gehört uns allein, das reibungslose Schleusen hat nicht länger als 15 Minuten gedauert. Unterhalb des Wasserspielplatzes hat jemand ein Grinse-Gesicht auf den Steinquader am Ufer gemalt. Ja, so geht es wohl denen, die an dieser Stelle einfach aus der Zeit fallen und mit sieben Stundenkilometern durch einen Mikrokosmos aus Holunderblüten und Löwenzahn, Vogelgezwitscher und Wasserplätschern navigieren. 17,2 Grad - das ist noch keine Badetemperatur. Aber Sonnenanbeter finden sich schon am Ufer des Waldbads Lauer.

Dschungelausblicke und Libellensurren im Floßgraben

Danach verengt sich die Sicht, das Boot schlängelt sich in den Floßgraben. Das Ufer rückt näher, unglaublich, in wie vielen Grüns der Auwald strahlt. Aus der Entenperspektive gleitet der Blick zu dschungelhohen Eichenkronen. Libellen, blaugrün schillernd, umschwirren die Wasserfahrer. Beinahe möchte man den Atem anhalten, aber da tauchen ganz kurz junge Nutrias auf.

Kapitän Kehr hat jetzt richtig zu tun. Der Floßgraben ist das heikelste Stück Weg. Kaum einen halben Meter tief und auf dem Grund bewachsen, muss das Boot hier immer die Ideallinie finden. Liegen dicke Äste im Wasser, räumt Mitarbeiter Jörg Rapsch mit dem Bootshaken den Weg frei. Sinkt der Pegel unter dem Kiel, lässt Kehr den kleinen Elektromotor am Heck ein Stück höher einrasten. Schließlich soll sich kein "Kraut" in dem Antrieb verfangen. "Diese Fahrt ist schon eine kleine Herausforderung", sagt er. Genau deshalb dürfen zum Schutz des Ökosystems hier nur Motorboote mit wasserrechtlicher Genehmigung fahren..

Noch eine Kehre, dann schiebt sich das weiße Wassergefährt in den lehmig-braunen Strom der Pleiße. Der Wasserlauf wird weiter, Radfahrer und Jogger beleben den Auwald. Schon scheint das Rot der Schleusenampel Connewitz durchs Blätterwerk. Wir werden zum Schauspiel für die Radler und Spaziergänger auf dem neuen Probsteisteg. Rote Ampel, Schleusentor auf, "Ding-ding-Ding", Schleusentor zu.

Ausnahmetour: Für die Testfahrt darf das LeipzigBoot die Schleuse Connewitz passieren

In die Schleuse Connewitz passen mehrere Boote hintereinander hinein, auch wenn so ein Acht-Meter-Kahn wie die Marianne schon drin ist. Ab dem 11. Juli ist das sicher ein Kriterium für den reibungslosen Schiffsverkehr. Um 1,80 Meter wird das Boot abgesenkt. Ausfahrt - dann hat die Stadt uns wieder. Mit ihren Autos auf dem Schleußiger Weg, den jungen Kanuten auf dem Elsterflutbett und den Ausblicken über die Rennbahn bis zum City-Hochhaus.

Auf der letzten Etappe zum Stadthafen wird es dann noch sportlich. Den Elstermühlgraben (am Palmengartenwehr rechts ab) überziehen eine Reihe kleinerer, niedriger Brücken. Vor der Marschnerbrücke werden Kameras in Sicherheit gebracht und schließlich die Köpfe eingezogen, so weit das nur geht. Selbst dann passt zwischen Haaransatz und Brückenunterbau kaum ein Blatt Papier. Nicht mit allen Gästen wird das zum machen sein. "Kein Problem", sagt Kehr. Dann startet das LeipzigBoot eben ab dem Anleger Rennbahnsteg.

Dann gibt Kehr Entwarnung, das Ziel ist in Sicht. In der Außenmole des künftigen Stadthafens begrüßt uns Henriette, das kleinere Schwesterschiff von Marianne. Kehr und Rapsch legen an. Das Rattern der Straßenbahn klingt von der nahen Käthe-Kollwitz-Straße heruber. Die Füße betreten festen Grund, im Kopf ist noch alles im Fluss.

Evelyn ter Vehn

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