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Lokales Thomaner-Serie: Atmen, sprechen und strecken für das Königin-der-Nacht-F
Leipzig Lokales Thomaner-Serie: Atmen, sprechen und strecken für das Königin-der-Nacht-F
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15:20 19.05.2015
Für Thomaner-Anwärter Victor Reiser gehört die Stimmbildungsstunde bei Alexandra Röseler zu den Höhepunkten in der Schulwoche. Quelle: Andreas Döring

Jene von 2013 wird die LVZ auf ihrem Weg zum Chor-Olymp in loser Folge begleiten. Heute: Die Stimmbildung.

"Mit Freude!", "Schön den Mund auf!", "Jetzt mit Schwung!" - Alexandra Röseler spornt ihren Schützling im Raum M 4 des neuen Alumnats zu Höchstleistungen an. Während das Gros des Thomanerchores noch bis Mitte November auf Konzertreise durch die USA und Kanada ist, geht für die Verbliebenen der Alltag normal weiter. So auch für die Youngster aus Klasse 4 wie Victor Reiser. 30 Minuten Stimmbildung stehen bei ihm wöchentlich auf dem Stundenplan.

"Oberstes Gebot ist es für uns, die kindliche Singstimme bestmöglich zu entwickeln", erklärt die Musikpädagogin für Gesang, die seit über einer Dekade mit weiteren Kollegen Thomaner aller Altersklassen betreut. Dabei werde unter anderem versucht, das Drücken - also die unsachgemäße Benutzung der Stimmbänder - abzubauen und das Spektrum bestimmter Oktav-Lagen auszuloten. "Das geht natürlich nicht, ohne auch ans Maximum und Spitzentöne heranzugehen", sagt die 41-jährige Professorin, die sich in ihrer Diplomarbeit mit dem Stimmbruch in der Pubertät beschäftigte, der zwischen drei Monaten und zweieinhalb Jahren dauert.

"Dieser setzt immer früher ein", weiß Röseler zu berichten. War es zu Bachs Zeiten im Schnitt mit 16 Jahren, sei es jetzt oft schon mit Zwölf. Neben der allgemeinen menschlichen Entwicklung sei dafür aus wissenschaftlicher Sicht unter anderem auch die hormonelle Behandlung von Fleisch verantwortlich. "Deshalb ist für die allgemeine Stimmgesundheit auch eine gute Ernährung wichtig", so die Musikpädagogin, die zu Details ihres Unterrichts in regelmäßigem Kontakt zu Thomaskantor Georg Christoph Biller steht.

Für ihren neunjähriger Schützling - die meisten begleitet Röseler bis zum Abitur - bleibt es in der halben Stunde nicht allein bei Tonleitern und Sprechübungen. Auch Atemtechniken und Haltungstraining stehen auf dem Programm. "Selbst Notenhalten will gelernt sein", weiß die Expertin. Vor dem Kopf würden sie den Schall beeinträchtigen, zu weit unten die Haltung und damit die Atmung negativ beeinflussen. "Gerade stehen, strecken, auf die Schultern achten!", lässt sich Victor korrigieren. Vom "kleinen d" bis hin zum "Königin-der-Nacht-F" reicht seine Sopranstimme locker. "Eine gut ausgebildete Kindersingstimme sollte so über zweieinhalb Oktaven reichen - wie bei Victor", sagt Röseler.

Der kleine Leipziger hat sich mittlerweile schon gut akklimatisiert. "Mit meinen Stubenkameraden habe ich mich sehr schnell anfreundet", erzählt er. Und er habe sich "sehr gewundert, dass man hier viel mehr Sachen in den Tag packen kann als sonst". "Cool", findet das Victor, der augenzwinkernd verrät, dass nun auch der Vater ein "richtiger Thomanerfan" geworden sei, ebenso andere Familienmitglieder und Nachbarn.

Wie Victor selbst erzählt, ist er "nicht so der Sporttyp". Viel lieber höre er Musik. Welche? Eigentlich will er es nicht verraten, doch letztlich lässt er es sich entlocken: "Elektronische ist schon toll." Und fügt schnell hinzu: "Aber ganz besonders freue ich mich, bald das Weihnachtsoratorium singen zu dürfen." Vielleicht ist er ja auch in den nächsten Jahren dabei, wenn an der Oper die Rollen der drei Knaben in Mozarts Zauberflöte wieder von Thomanern besetzt werden sollen. Samt direktem Kontakt zur Königin der Nacht.

iDie 52-seitige LVZ-Broschur "800 Jahre Thomana - Kirche, Schule, Chor" erzählt anschaulich mit vielen Fotos die Geschichte des Chores. Erhältlich ist sie in allen LVZ-Shops, im Buchhandel und unter 0800 2181-050 (gebührenfrei). Preis: 9,95 Euro.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.11.2013
Martin Pelzl

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