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Lokales Tiefensee würdigt Rolle Leipzigs zum Mauerfall – Nobelpreis für friedliche Revolution?
Leipzig Lokales Tiefensee würdigt Rolle Leipzigs zum Mauerfall – Nobelpreis für friedliche Revolution?
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17:28 08.10.2014
Der frühere Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD). (Archivbild) Quelle: dapd
Leipzig

Kann sich die ̍89er-Bewegung zur friedlichen Revolution pünktlich zum 25. Jahrestag Hoffnungen machen?

„Die friedliche Revolution ist ein Ausnahme-Ereignis, der 9. Oktober ein Ausnahme-Datum – in der Geschichte Deutschlands wie der Geschichte Europas“, schätzt der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Tiefensee (SPD) die historischen Ereignisse von 1989 ein. „Es ist beispiellos, wie die Demonstrationen eine unverrückbar geglaubte Mauer ohne Blutvergießen eingerissen haben.“

Auch deswegen reagierte Tiefensee verstimmt auf die am Montag vom Spiegel veröffentlichten Zitate von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl. „Ich verneine nicht, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Revolution begünstigt haben. Doch letztlich ist die Mauer vom Osten her eingestürzt, ausgelöst durch die Bürgerbewegung in der DDR.“

Daher würde der ehemalige Leipziger Oberbürgermeister eine angemessene Honorierung der Ereignisse begrüßen. „Ich fände es hervorragend, wenn die friedliche Revolution den Friedensnobelpreis bekommen würde“, sagt Tiefensee auf Nachfrage von LVZ-Online. „Der Fall der Mauer wäre ohne die Geschehnisse am 9. Oktober nicht möglich gewesen. Trotzdem ist dieser Tag bei den meisten Europäern noch nicht im Gedächtnis verankert.“

Reelle Chancen auf den Friedensnobelpreis?

Der Gewinner des Friedensnobelpreises wird nur einen Tag nach den Feierlichkeiten zum Leipziger Lichtfest bekannt gegeben. Vor allem das diesjährige Jubiläum am 9. Oktober hat Spekulationen um die Würdigung der friedlichen Revolution von 1989 aufgeworfen.

Obwohl das Norwegische Nobelkomitee die Nominierten stets geheim hält, gibt es ein paar wenige, die mit ihren Vermutungen an die Öffentlichkeit gehen. Kristian Berg Harpviken, Leiter des Osloer Instituts für Friedensforschung, veröffentlicht alljährlich seine Tipps. Einen Sensationssieg für die Bewegung der friedlichen Revolution hält er jedoch für unwahrscheinlich. „Solche Preise werden sehr selten aufgrund eines Jubiläums verliehen“, so Harpviken gegenüber LVZ-Online. „Außerdem ist dies keine aktuelle Bewegung. Letzten Endes wurde die Wiedervereinigung bereits 1990 berücksichtigt – mit der Verleihung des Preises an Michael Gorbatschow.“

Tiefensee: „Ich würde es mir wünschen“

Sicherlich sei es schwierig, den Nobelpreis stellvertretend für eine ganze Bewegung zu verleihen, vor allem da die Leipziger gemeinsam mit vielen anderen Bürgern, beispielsweise in Plauen oder Dresden für die friedliche Öffnung der Mauer gekämpft haben, so Tiefensee. Doch: „Möglich ist alles!“

Mit oder ohne Preis: Am Donnerstag werden die Leipziger Bürger auf die Straße gehen und an die Ereignisse von vor 25 Jahren erinnern. Mindestens ein Friedensnobelpreisträger wird unter ihnen sein. Leipzig erwartet den ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger als Ehrengast.

Josephine Heinze

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