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Lokales Tiefensee zum Start des City-Tunnels in Leipzig: "Der Vertrag ist klug und wasserdicht"
Leipzig Lokales Tiefensee zum Start des City-Tunnels in Leipzig: "Der Vertrag ist klug und wasserdicht"
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01:00 03.09.2013
Ex-Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee. (Archivbild) Quelle: dapd

LVZ-Online sprach mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten und früheren Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (58), der die Verträge für das Mega-Projekt ausgehandelt hatte.

LVZ

: Am 15. Dezember geht nach zehn Jahren Bauzeit der Tunnel in Betrieb. Was bedeutet er für Leipzig?

Wolfgang Tiefensee:

Der City-Tunnel bietet Leipzig die Chance, den Nah- und Regionalverkehr und in weiter Zukunft sogar den Fernverkehr deutlich zu verbessern. Die sächsische Landesregierung hatte in den 1990er Jahren den uralten Traum aufgegriffen, den Hauptbahnhof und den Bayerischen Bahnhof zu verbinden. Sie hat zusammen mit dem damaligen Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube die Chancen ausgelotet, dieses Projekt endlich umzusetzen. Dabei spielte die Platzierung Leipzigs als Kreuzungspunkt auf der Ost-West- und Nord-Süd-Achse eine entscheidende Rolle. Dieser Kreuzungspunkt ist durch eine krasse Fehlentscheidung des Bundes jetzt jedoch Erfurt. Der Tunnel eröffnet uns die Chance, dies für spätere Generationen zu korrigieren.

Mit 960 Millionen Euro fordert der Tunnel aber einen enormen Preis. Er wird fast doppelt so teuer wie geplant, was viele Leipziger als Geldverschwendung empfinden.

Viele Leipziger wissen nicht, dass das kein Projekt der Stadt ist. Es hat zwei Bauherren: den Freistaat Sachsen und die Deutsche Bahn AG. Zwei Drittel der Kostensteigerungen sind unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Standards nach dem Kaprun-Unfall verändert werden mussten. Aber es gibt auch einen erheblichen Teil an Planungsfehlern. Ich kann den Unmut der Leipziger verstehen - über die Kostenexplosion, die lang währende Baustelle, die Zeitüberschreitung. Aber ich muss schon an die Leipziger appellieren, ihre Wut darüber nicht im Rathaus bei dem auszulassen, der am nächsten ist, sondern sich dorthin zu wenden, wo die Verantwortlichen sitzen. Das Projekt ist offensichtlich von Bahn und Freistaat nicht solide geplant.

Sie haben die Verträge mit geschrieben: Wird sich Leipzig eines Tages an den Mehrkosten beteiligen müssen?

Die Positionen für die Stadt belaufen sich im Wesentlichen auf die Mitfinanzierung der Haltestellenausstiege. Außerdem verzichtet die Stadt auf Einnahmen, die aus den Unterfahrungsrechten für städtische Grundstücke entstehen würden ...

Nach dem Kostenverteilungsplan entfallen 7,1 Millionen auf die Stadt ...

Ich habe mit Engelbert Lütke Daldrup (damals Baubürgermeister, A.d.Red.) so verhandelt, dass die Stadt Leipzig nur für diese Positionen zuständig ist. Der Freistaat beißt sich regelmäßig die Zähne aus, wenn es darum geht, der Stadt Mehrkosten aufzubürden. Der Vertrag ist so klug und wasserdicht verhandelt, dass es meines Wissens keine Chance gibt, die Stadt daran zu beteiligen. Wir haben Wert darauf gelegt, dass die Stadt den Tunnel im Prinzip geschenkt bekommt.

Und wann wird die dritte Tunnelröhre für den Fernverkehr gebaut?

Die brauchen wir nicht. Der Bahnsteig am Hauptbahnhof ist für 400 Meter Länge ausgelegt, wovon jetzt erst mal 200 Meter ausgebaut sind. In 20, 25 Jahren ist es möglich, den nächsten Schritt zu gehen und Westsachsen, den bevölkerungsreichsten Raum Ostdeutschlands, an den ICE anzuschließen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.09.2013

Interview: Björn Meine/Klaus Staeubert

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