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Tierarzt im Leipziger Zoo: "Da war Schluss für unsere Kunst"

Tierarzt im Leipziger Zoo: "Da war Schluss für unsere Kunst"

Totgeburt, Nierenversagen, Tumor, Amputation, Augenkrankheit, dicke Backe - Zootierarzt Andreas Bernhard (53) hatte im vergangenen Jahr alle Hände voll zu tun mit insgesamt 529 Patienten, die er zu behandeln hatte.

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Zootierarzt Andreas Bernhard bei der Untersuchung von Schimpansendame Brigitta.

Quelle: Zoo Leipzig

Leipzig. Für ihn war es dennoch "ein ganz normales Zoojahr mit vielen schönen, aber auch traurigen Momenten". Mit dem Doktor blätterte die LVZ in den Krankenakten und trug die wichtigsten Fälle zusammen.

Gebrochene Glieder: Kronenkranich Rolf (11) war Dauerkunde beim Tierarzt. Durch den Huftritt einer Giraffe erlitt er eine Trümmerfraktur am Flügel. Alle Versuche mit einem konservativen Verband scheiterten, letztlich wurde der Flügel amputiert. Mit einem Bruch am linken Oberarm kam ein Riesenhörnchen zum Doktor. Das männliche Tier erhielt zweimal einen wunderschönen Fußball-Verband, doch daraus wand es sich binnen kurzer Zeit heraus. Schließlich wurde es zwecks Selbstheilung und Schonung in einen Kranken-Käfig verlegt - erfolgreich.

Todesfälle bei Schimpansen: Schimpansendame Brigitta (knapp 50 Jahre alt) zeigte im Juli 2014 starke Herz- und Nierenprobleme. Als Mensch wäre sie ein Fall für die Dialyse geworden. Brigitta starb von allein und kam dem Einschläfern zuvor. Schimpansendame Quamisha (21 Jahre) hatte massive Verwachsungen in Brust- und Bauchhöhle sowie Blutungen im Gehirn. Sie wachte aus der Narkose nicht mehr auf.

Nachwuchs-Misserfolg: Erneut gab es keine gesunden Jungtiere bei den Weißnacken-Moorantilopen. Zwei Antilopen brachten zwar Junge zur Welt, aber die schafften es nicht, aufzustehen. Bei der dritten Antilope musste Geburtshilfe geleistet werden: Ihr Kalb kam tot zur Welt, war bereits im Mutterleib gestorben.

Bissige Sundagaviale: Die acht jungen Sundagaviale (acht bis zehn Jahre alt) aus dem Gondwanaland mussten eingefangen werden, um sie zu messen, Blut abzunehmen und das Geschlecht zu bestimmen. Das vorletzte und das letzte Tier bissen jeweils einen Pfleger - der erste Krankenwagen war noch nicht vom Hof, da wurde ein zweiter gebraucht. Die Pfleger trugen aber keine bleibenden Schäden davon.

Tumor-Patienten: Katta Charlotta hatte ein Karzinom an der Brust und Metastasen in der Lunge. Sie wurde dennoch so lange wie möglich am Leben gelassen. Denn der Zoo besaß noch einen zweiten Katta, und diese Lemuren können nicht allein leben. So musste für das zweite Tier erst ein neuer Zoo gefunden werden. Kurios der Fall eines Grünen Wellensittichs: Er hatte einen Tumor im Keimdrüsengewebe. Der verhinderte die normale Testosteronproduktion - dadurch verweiblichte der Vogel. Erfolgreich behandelt wurde Kowari Josefine. Die Doppelkammer-Beutelmaus hatte ein Tumor am linken Hinterbein. Sie wurde operiert und ist inzwischen aus Leipzig weggegeben worden.

Verlust des Nashornbabys: Nur zwölf Tage lebte das im Oktober geborene Jungtier von Nashorndame Serafine. Ursache war eine angeborene Fehlbildung: Der Ductus Botalli, Verbindungsgang zwischen der Aorta und der großen Lungenvene, hatte sich bei dem Bullen nach der Geburt nicht geschlossen. "Er hätte am offenen Herzen operiert werden müssen. Da war Schluss für unsere Kunst", so Andreas Bernhard.

Augenkrankes Zebra: Grevy- zebra Peggy musste dreimal in Narkose gelegt werden. Spezialisten der Uni-Tierklinik behandelten ihr blutunterlaufenes rechtes Auge. Diagnose: Die Hornhaut war perfo- riert, die Regenbogenhaut hing heraus. Ohne OP hätte die Stute eingeschläfert werden müssen, mit nur einem Auge wäre sie nicht zurecht gekommen.

Au Backe: Ein Zwergplumplori (ein Jahr alt) wurde wegen einer dicken Backe zum Tierarzt gebracht. Die Schwellung wurde punktiert und behandelt, die Ursache blieb jedoch unklar. Kranke Zähne hatte der Kleine jedenfalls nicht. Neulich kam er zum zweiten Mal mit diesem Problem zum Doc.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.01.2015

Kerstin Decker

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