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Tierfreunde klagen über Dauer-Zoff mit der Leipziger Naturschutzbehörde

Tierfreunde klagen über Dauer-Zoff mit der Leipziger Naturschutzbehörde

Unser Bericht "Die Odyssee der Landschildkröten", erschienen am 15. Juli auf der LVZ-Tierseite, hat ein lebhaftes Echo hervorgerufen. Offenbar ist das Schicksal von Steffen Rähder, der sich durch die Untere Naturschutzbehörde bei der Stadt Leipzig geschurigelt und enteignet fühlt, kein Einzelfall.

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(Symbolfoto)

Quelle: dpa

Der Engelsdorfer selbst hat im nervenaufreibenden Kampf um zwei Maurische Landschildkröten, die seit 15 Jahren von ihm in einem idyllischen Terrarium bestens versorgt wurden, inzwischen aufgegeben. Damit die "Schildies", wie sie die Familie liebevoll nennt, nicht ab Anfang August ins Tierheim Breitenfeld mussten, und Rähder eine hohe Strafe erspart bleibt, unterschrieb der 46-Jährige im letzten Moment eine Vereinbarung über eine Verwahrung auf Lebenszeit. Das heißt, die Tiere, deren Abstammung der 46-Jährige binnen einer extrem kurzen First von einem Monat nicht lückenlos nachweisen konnte, gehören nun nicht mehr ihm, sondern dem Staat. Rähder darf sie aber bei sich zu Hause weiter versorgen. Er muss alle Kosten tragen und die Entwicklung der Schildkröten dokumentieren. Er darf sie aber nicht verkaufen oder bei einem eventuellen Wegzug aus Leipzig mitnehmen. Dann oder falls die Stadt den Vertrag von sich aus kündigt, kämen die Schildkröten doch noch ins Tierheim, obwohl dort der Platz für Reptilien schon lange nicht mehr ausreicht. "Die Leute in dem Amt wissen, dass man nichts machen kann, wenn sie einem was auch immer vorwerfen", lautet Rähders trauriges Fazit. Das Amt für Umweltschutz wollte sich auf LVZ-Nachfrage nicht äußern.

Hingegen meldeten sich nach dem Bericht mehrere Leser, die ganz ähnliche Konflikte mit eben diesem Amt schilderten. In Leipzig würden unter dem Vorwand des Artenschutzes willkürliche Entscheidungen gegen Tierfreunde getroffen, lautete der einhellige Tenor. Die für den gleichen Bereich zuständigen Fachmitarbeiter in anderen Gebietskörperschaften würden über das Vorgehen in Leipzig nur den Kopf schütteln.

Zum Beispiel erzählte Henry Seifert aus dem Waldstraßenviertel über seinen Kampf mit der Behörde. Vor zehn Jahren hatte er die Gelbwangenamazone Agathe aus dem Leipziger Zoo übernommen. Die Formalitäten dazu seien nie ein ernsthaftes Problem gewesen, solange die Zuständigkeit dafür beim Regierungspräsidium (der heutigen Landesdirektion) lag, versichert Seifert. Dies habe sich aber komplett geändert, seit die Zuständigkeit vor mehreren Jahren an die Stadt Leipzig überging. Zunächst zweifelte das Amt für Umweltschutz nach enormer Bearbeitungszeit an, dass Agathes Eltern wirklich im Zoo lebten und beschlagnahmte auch ein Jungtier. Dazu muss man wissen, dass in Artenschutz-Belangen eine Beweislastumkehr gilt. Hegt die Behörde den Verdacht, dass etwas nicht stimmt, muss der Tierhalter nachweisen, dass alles korrekt ist. Ob seine Beweise ausreichend sind oder nicht, entscheidet die Behörde.

Seifert, der selbst als Sachverständiger für Bienen und Insekten im Artenschutz aktiv ist, brauchte etliche Monate, einen Anwalt sowie das Zeugnis des früheren Chef-Zoo-Tierarztes Klaus Eulenberger, damit ihm das Amt Agathe nicht wegnahm. Postwendend sorgte das Amt jedoch für neuen Ärger - nun mit dem Vorwurf, der zu Agathe gehörende Hahn Louis sei nicht der, den Seifert angemeldet hat. Nachdem der 44-Jährige mit Zeugenaussagen, einem Gutachten der Uni-Tierklinik sowie mittlerweile immensen Anwaltskosten nachweisen konnte, dass auch bei Louis alles in Ordnung war, holte die Stadt zum dritten Schlag aus. Sie weigerte sich, die Verfahrenskosten zu erstatten, reagierte in den letzten Monaten gar nicht mehr. Das alles, obwohl für Gelbwangenamazonen im Artenschutz nur die relative geringe Stufe der "Handelsüberwachung" gilt. Zermürbt hat Seifert Agathe und Louis jetzt einem Tierfreund nach Halle verkauft. Dort wurden alle Genehmigungen ohne Probleme erteilt - in drei Wochen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.08.2014

Rometsch, Jens

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