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Lokales Tod eines Babys an der Leipziger Uni-Klinik: Hebamme zu Geldstrafe verurteilt
Leipzig Lokales Tod eines Babys an der Leipziger Uni-Klinik: Hebamme zu Geldstrafe verurteilt
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15:39 10.11.2011
Die angeklagte Hebamme sitzt auf der Anklagebank im Amtsgericht Leipzig neben ihrem Rechtsanwalt. Sie soll die Beschwerden einer schwangeren Frau nicht ernst genommen haben. Quelle: dpa
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Leipzig

Das Amtsgericht Leipzig verurteilte die 49-Jährige am Donnerstag zu einer Geldstrafe von 3000 Euro. Staatsanwaltschaft und Nebenkläger hatten eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung gefordert, die Verteidigung Freispruch.

Die Hebamme hätte die Mutter des toten Tony, die im September 2008 hochschwanger mit massiven Schmerzen in die Klinik gekommen war, besser überwachen müssen, begründete die Richterin. Sie habe drohende Risiken nicht erkannt. Die Frau erlitt einen Gebärmutterriss, ihr Baby kam nach einem Not-Kaiserschnitt hirntot zur Welt.

Im Prozess hatte Aussage gegen Aussage gestanden. Immer wieder ging es um die Frage: Hatte die junge Mutter schlimme Schmerzen? Die Frau sagte aus, jeder habe sehen können und müssen, wie schlecht es ihr ging. Dagegen erklärten Ärzte, Hebammen und die Angeklagte, die Schwangere habe völlig normal gewirkt. Das Gericht glaubte der Mutter.

Staatsanwältin Tanja Lötschert sagte, das medizinische Personal habe „die Schmerzbekundungen der Patientin unterschätzt“. Statt ab und zu mal nach der Frau zu sehen, hätten die Herztöne des Babys im Bauch anhaltend überprüft werden müssen. Weil die Frau schon einen Kaiserschnitt gehabt hatte, bestand ein erhöhtes Risiko.

Stundenlang passierte in der Uni-Klinik aber nichts als Routine. Das Personal sei stark beschäftigt gewesen, weil es an dem Abend mehrere Geburten gab. Eine halbe Stunde vor Mitternacht wurde dann der Notfall erkannt: Die Gebärmutter der Frau war zerrissen, dass Baby lag ungeschützt in der Bauchhöhle und wurde nicht mehr genug mit Sauerstoff versorgt.

Dann ging alles ganz schnell, war aber doch längst zu spät: Der kleine Tony wurde in einer Not-OP auf die Welt geholt. Sein Hirn war da bereits irreparabel geschädigt, er war hirntot. Die Hebammen wurde laut Gericht nicht wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, weil der ungeborene Tony juristisch noch nicht als Mensch angesehen werden könne.

Die Hebamme hatte in ihrem „letzten Wort“ unter Tränen gesagt:„Mir tut es um das Kind unendlich leid.“ Und sie sei froh, dass die Mutter - die wegen der Komplikationen ebenfalls in Lebensgefahr schwebte - am Leben sei.

dpa

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