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Lokales Tod eines Unfallpatienten in Leipzig: Notarzt doch schuldig
Leipzig Lokales Tod eines Unfallpatienten in Leipzig: Notarzt doch schuldig
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20:25 02.06.2016
Das Landgericht Leipzig führte an vier Tagen eine Beweisaufnahme durch. Quelle: Foto: dpa
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Leipzig

Drei Jahre nach dem Tod eines Unfallpatienten ist ein Notarzt (53) am Donnerstag doch wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen schuldig gesprochen worden. Die 14. Strafkammer des Landgerichts verhängte eine Strafe von 90 Tagessätzen à 150 Euro (13 500 Euro). In der Vorinstanz erhielt der Mediziner, wie von der Verteidigung gefordert, Freispruch. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft aber Berufung ein. Am Donnerstag plädierte Staatsanwältin Karin Schultrich für 120 Tagessätze à 150 Euro (18 000 Euro).

Wie berichtet, setzte die Hauptursache für die Tragödie ein Ford-Mondeo-Fahrer. Der 18-Jährige donnerte am 12. Juni 2013 bei Rot über die Kreuzung Kurt-Eisner-/Bernhard-Göring-Straße – es kam zur Kollision mit einem Yamaha-Fahrer. Der Bauunternehmer (48) erlitt schwerste Verletzungen, ein Unterschenkel wurde abgetrennt. Der Mann war nicht mehr ansprechbar, sein Kopf voller Blut. Bei der Erstversorgung soll der Notarzt, so der Vorwurf, einen Behandlungsfehler begangen haben. Bei der Beatmung habe er den Tubus in die Speise- statt Luftröhre eingeführt. Die Fehllage wäre ihm jedoch aufgefallen, wenn er mit einem Gerät, dem Lifepak 15, eine Kohlendioxidmessung durchgeführt hätte. Verteidigerin Constanze Dahmen hatte ihre Forderung nach Freispruch damit begründet, dass eine solche Apparatur nicht vor Ort gewesen sei, ihr Mandant andere Maßnahmen ergriffen habe. Das Amtsgericht hielt es beim Prozess vor einem Jahr für nicht nachweisbar, dass der Rettungswagen mit diesem Gerät ausgestattet war.

Nach viertägiger Beweisaufnahme in der Berufungsverhandlung kam die 14. Strafkammer nun allerdings zur gegenteiligen Ansicht. Ihrer Überzeugung nach war ein Lifepak 15 an Bord. „Es gibt auch keine Anhaltspunkte, dass sich diese Technik zur fraglichen Zeit in der Reparatur befand“, so der Vorsitzende Richter Bernd Gicklhorn. Das Unfallopfer erlitt aufgrund des Sauerstoffmangels einen irreparablen Hirnschaden und starb wenige Tage später. Nach Angaben eines Gutachters hätte der Patient mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit überlebt, wäre die Messung vorgenommen und die Fehllage korrigiert worden. Wie das Gericht auf Anfrage sagte, hatte der Notarzt (von Haus aus Chirurg) im letzten Wort vor der Urteilsverkündung erklärt, dass er nicht wisse, ob sich das Gerät im Wagen befand. Sollte es an Bord gewesen sein, dann entschuldige er sich. Der Rotfahrer wurde in einem Extra-Verfahren nach Jugendstrafrecht zu einer geringen Sanktion verurteilt.

Von Sabine Kreuz

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