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Lokales Tödliche Unfälle: Fahrradclub fordert mehr Sicherheit für Leipzigs Radler
Leipzig Lokales Tödliche Unfälle: Fahrradclub fordert mehr Sicherheit für Leipzigs Radler
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13:18 02.06.2018
Leipzig blickt auf eine Unfallserie mit verunglückten Radfahrern. Der ADFC fordert mehr Sicherheit für Radler. Quelle: André Kempner
Leipzig

Nach einer Serie tödlicher Fahrrad-Unfälle in Leipzig fordert der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Sachsen Verbesserungen in der Rad-Infrastruktur. Zudem müssten Abbiege-Assistenten für Lastwagen endlich verpflichtend werden, sagte Konrad Krause, Landesgeschäftsführer des Radfahrclubs. In Leipzig sind in diesem Jahr schon drei Radler tödlich verunglückt. Sie wurden von Lastwagen überfahren.

40 getötete Radfahrer deutschlandweit

Pro Jahr kommen in Deutschland laut ADFC etwa 40 Radfahrer bei Unfällen mit Lastwagen ums Leben. 2018 seien es bereits 18 gewesen. Lastwagen und Transporter ab 3,5 Tonnen sollten deswegen dringend mit Abbiege-Assistenten ausgestattet werden, sagte Krause.

Blumen und Kerzen gedenken an die bei einem LKw-Unfall getötete Radfahrerin auf dem Martin-Luther-Ring in Leipzig. Quelle: Andre Kempner

Bei der Infrastruktur gebe es eine ganze Reihe von Ansatzpunkten, die zu mehr Sicherheit für Radler führten, sagte Krause. Kleinere Kurvenradien verhinderten, dass Fahrzeuge mit hohem Tempo - und ohne dass die Fahrer noch einmal in Ruhe über die Schulter gucken - um die Ecke biegen.

Unfälle mit Radfahrern in Leipzig

Jeder siebte Radunfall in Leipzig endet mit schweren Verletzungen

Erst kürzlich wurde eine 16-jährige Radfahrerin von einem Lkw überrollt und starb an ihren schweren Verletzungen.

Im Mai dieses Jahres wurden bei Unfällen zwei Radfahrer schwer verletzt.

Zudem befürwortet der ADFC „Protected Bike Lanes“. Sie sind nicht nur auf die Straße aufgemalte Radfahrstreifen, sondern durch kleine Poller oder ähnliches vom Autoverkehr getrennt. Ein Fahrer würde so merken, wenn er versehentlich auf den Radweg gelangt, so Krause.

Vorrang für Radler wäre sinnvoll

An Kreuzungen schlägt der ADFC Vorrangschaltungen für Radler vor. „Wenn Autos drei Sekunden länger bei Rot stehen, so dass der Radverkehrspulk schon mal weg ist, dann gibt es auch keine Abbiege-Unfälle“, sagte Krause. Allerdings koste das Verkehrsleistung auf der Kreuzung. Es sei für die Straßenplaner immer ein Konflikt zwischen Durchlassgeschwindigkeit und Sicherheit.

In Leipzig große Zahl an Radfahrern

Dass sich in Leipzig zuletzt die tödlichen Unfälle gehäuft haben, liegt nach Krauses Einschätzung daran, dass in der Messestadt mehr Radfahrer als in den anderen sächsischen Großstädten unterwegs sind. In Leipzig machten die Radler 17 Prozent am Gesamtverkehr aus, in Dresden seien es nur 12,5 Prozent. Leipzig sei eigentlich die fahrradfreundlichste Großstadt in Sachsen. „Die Leipziger Radinfrastruktur ist in Sachsen noch die beste“, sagte Krause.

Kritik an Bitte der Polizei, defensiv zu fahren

Die Leipziger Polizei forderte Radfahrer in Leipzig jetzt auf, defensiver zu fahren. Dies kritisieren die Grünen als „unglaublicher Fehlgriff“ gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen. „Es ist lebensfremd zu glauben, eine Radfahrerin oder ein Radfahrer bestünde stur auf seine Vorfahrt, selbst wenn er oder sie dabei Gefahr läuft, überfahren zu werden“, so Stefanie Gruner, Vorstandssprecherin der Grünen in Leipzig.

Stefanie Gruner von den Grünen kritisiert den Vorstoß der Leipziger Polizei und fordert eine fahrradfreundlichere Stadt. Quelle: Christian Modla

Sinnvoller wäre ein Umbau des Straßennetzes hin zu einer fahrradfreundlichen Stadt. „Eine intelligente Ampelschaltung, die Radfahrer zuerst fahren lässt, hilft Unfälle durch rechtsabbiegende Autos zu verhindern, spezielle Bereiche vor Ampeln für Fahrräder verbessern die Sichtbarkeit im Kreuzungsbereich“, so Gruner weiter.

Von LVZ/gap