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Lokales Tourismuschef Bremer: Ruhigeres Fahrwasser in Sachsen nötig
Leipzig Lokales Tourismuschef Bremer: Ruhigeres Fahrwasser in Sachsen nötig
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00:24 06.01.2016
Will mehr Ausländer nach Leipzig holen: Volker Bremer, der Geschäftsführer der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH.  Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

 In Sachsen ist der Tourismus leicht rückläufig. Leipzig ist davon derzeit nicht betroffen. Dennoch macht sich Volker Bremer, der Geschäftsführer der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM), durchaus Sorgen. Im Interview äußert er sich zu den Herausforderungen des Jahres 2016.

Sie wollten 2015 die berühmte Drei-Millionen-Marke an Übernachtungen knacken. Das ist trotz „1000 Jahre Leipzig“ nicht gelungen. Woran hat es gelegen?

2015 war dennoch ein erfolgreiches Jahr für Leipzig. Die Eröffnung der sanierten Kongreßhalle führte im ersten halben Jahr des Betreibens eher zu lokalen und regionalen Buchungen und ab Sommer ging die Wachstumsdynamik aus dem deutschen Markt spürbar zurück. Hinzu kommt, dass wir in den touristischen Spitzenmonaten kaum noch wachsen können. Es gibt Monate, in denen wir knapp an die 300 000 Übernachtungen herankommen, vor einigen Jahren noch undenkbar. Nehmen wir den Weihnachtsmarkt: Von Donnerstag bis Sonntag ist da die komplette Innenstadt-Hotellerie über Wochen nahezu ausgebucht. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir mit den geplanten oder vor der Eröffnung stehenden neuen Hotels die Marke von drei Millionen Übernachtungen reißen. Es ist aber noch gar nicht so lange her, dass wir die Zwei-Millionen-Marke bei den Übernachtungen durchbrochen haben. Man muss also auch das hohe Wachstum der vergangenen Jahre sehen. Mit einem Plus von drei Prozent  haben wir 2015 ein sehr gutes Ergebnis.

Bilder von Pegida-Demonstrationen und Übergriffe auf Asylbewerberheime haben in Sachsen zu einem Rückgang bei den Touristen geführt. Was merken Sie davon?

Zum Glück noch wenig. Wer sich die drei Großstädte und die sechs Tourismusregionen in Sachsen anschaut, wird feststellen können: Nur Leipzig und das ehemalige sächsische Burgen- und Heideland, das wir als Region mit vermarkten, nehmen bei den Touristenzahlen deutlich zu. Dresden hat da größere Probleme. Allerdings merken auch wir mittlerweile eine Stagnation auf dem deutschen Markt, unser Zuwachs kommt vor allem durch ausländische Gäste. Sachsen ist leider in eine Situation geraten, in der es als eher unsympathisches Bundesland angesehen wird. Viele potenzielle Gäste haben derzeit keine Lust, hierher zu reisen.

Was kann Leipzig dagegen tun?

 Als LTM können wir nur unsere Stärken und Vorzüge herausstellen. Es ist Aufgabe von Politik und Polizei, wieder für ein ruhigeres Fahrwasser zu sorgen und zum Beispiel Übergriffe auf Flüchtlingsheime in Sachsen zu unterbinden. Es besteht die Gefahr, dass Firmen oder Institutionen, die für die nächsten Jahre Kongresse und Tagungen in Leipzig planen, dann lieber in Regionen fahren, in denen es keine montäglichen Demonstrationen und Angst vor Übergriffen gibt. Belastbare Zahlen gibt es dafür aber nicht.

Tourismus gilt dennoch – zumindest im Inland – als recht krisensicher. Wo sehen Sie das größte Wachstumspotenzial für Leipzig?

Vor allem in der Verbindung von Stadt und Region. Bisher haben wir neben den Geschäftsreisenden vorrangig die klassischen Kurzurlauber mit der Motivation, Kultur oder Freizeit in Leipzig zu erleben, angesprochen. Es gibt aber noch zu wenige Gäste, die auch mal ein paar Tage hier übernachten und Leipzig sowie das Umland entdecken. Da müssen wir neue Angebote entwickeln. Luther, die Seen, die Heidelandschaft, die Burgen und Leipzigs Kultur- und Shoppingmöglichkeiten – da kann vieles kombiniert werden.

Zulegen will Leipzig bei den Privatreisenden. Doch nicht alle kommen wegen Bach. Wie kann Leipzig für Familien attraktiver werden?

 Als Ziel für Geschäftsreisende hat Leipzig sich einen starken Namen gemacht. An ihren Bedürfnissen orientierten sich die Angebote in vielen Hotels. Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Die etablierten Hotels entwickelten neue Angebote, neue Hotels, z.B. im Low-Budget-Bereich, Boutique Hotels oder Hostels sind dazu gekommen. Inzwischen gibt es mehr Angebote für Paare und Singles, aber auch die ersten Familienzimmer und Apartments. Über das „verborgene Leipzig“ mit seinen coolen Plätzen entwickeln wir Angebote für junge Leute, die eine sehr interessante Zielgruppe sind. Plagwitz mit dem Klassiker Spinnerei oder den Möglichkeiten, am Karl-Heine-Kanal Boot zu fahren, in Clubs zu gehen oder an die Seen zu radeln, sind Beispiele dafür. Eine neue große Jugendherberge – etwa für Klassenfahren und Jugendgruppenreisen – könnte Leipzig ebenfalls noch gut gebrauchen. Ebenso einen großen Campingplatz oder Ferienpark in der Region. Als LTM müssten wir sicher noch mehr Werbung machen, aber das gibt unser Budget leider nicht her.

Es gibt ja jetzt ein Tourismuskonzept, das 2016 mit konkreten Maßnahmen untersetzt werden muss. In der Analyse heißt es, dass der Anteil der ausländischen Touristen zu gering sei. Wie wollen Sie das ändern?

Im Vergleich mit den westdeutschen Großstädten gibt es in Dresden und Leipzig noch ein hohes Wachstumspotenzial an ausländischen Gästen. Der Anteil an den Übernachtungen ist hier auf Grund fehlender internationaler Unternehmen oder großer Weltleitmessen deutlich geringer. Wir wollen auf den wichtigsten Auslandsmärkten auch mit Hilfe von Kooperationen noch präsenter sein und über gezielte PR-Maßnahmen internationale Gäste gewinnen. Wir sind hier schon auf einem guten Weg. Es kommen bereits elf Prozent mehr internationale Touristen als 2014, vor allem aus den USA, Großbritannien, aus Österreich und der Schweiz. Natürlich profitieren wir auch von Flugverbindungen. Gibt es einen Direktflug, merken wir das spürbar an den Übernachtungszahlen. Die Schweizer beispielsweise können hier gut einkaufen und preiswert Urlaub machen. Leipzig kommt diesen Schweizer Wünschen mit vielen Kulturangeboten und einem günstigen Preis-Leistungsverhältnis gut nach. Da ist das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft

Was sind für Sie die Herausforderungen 2016?

Es gibt sehr viele Kongresse und Tagungen, auch in der neu eröffneten Kongreßhalle, die sehr gut angenommen wird. Bei einem steigenden Bettenangebot können wir nun auch die Nachfrage noch besser bedienen. 25 Jahre Wave Gotik und der Deutsche Katholikentag liegen an, um zwei Höhepunkte herauszuheben. Mit Klassik airleben und dem Bachfest haben wir es 2015 geschafft, viele Gäste von außerhalb in Leipzig zu begrüßen. Diesen Weg setzen wir fort. Es gibt die Herbstfestivals, die für diese junge, kreative Stadt stehen. Auch die Buchmesse, OTWorld, viele Konzerte, zum Beispiel mit AC/DC oder Udo Lindenberg – es wird ein spannendes Jahr.

Von Mathias Orbeck

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