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Lokales Training, Massage, Kostümwäsche: So sieht der Alltag in der magischen Welt aus
Leipzig Lokales Training, Massage, Kostümwäsche: So sieht der Alltag in der magischen Welt aus
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18:33 14.10.2015
Marilou Gagné aus Montreal richtet die Hüte und Masken für jeden Künstler. In der Show hilft sie dann auch beim schnellen Umkleiden. Quelle: Fotos: André Kempner
Leipzig

Nach großer Show sieht das gerade nicht aus, eher nach Sportler-Training. Ohne Schminke, ohne Kostüm, in schlichten Fitnessklamotten hängt eine Artistin in einem Reifen von der Decke herab. Mit betont langsamen Bewegungen verbiegt sie ihren Körper. Die 19-jährige Britin Emily Mc Carthy war wirklich Sportakrobatin, bevor sie beim kanadischen Cirque du Soleil engagiert wurde. 2012 ging sie bei der Weltmeisterschaft an den Start und gewann mit der Mannschaft Großbritanniens die Silbermedaille. Und nun gehört sie zu jenen 50 Künstlern aus 19 Ländern, die mit der Show „Varekai“ bis Sonntag in der Arena Leipzig gastieren.

Emily ist nicht die Einzige, die am Mittwoch Nachmittag im Backstagebereich der Arena trainiert und sich auf die Premiere vorbereitet. Ihr britischer Landsmann Sam Sturt liegt neben seinem russischen Kollegen Vitali Alexeev auf der Matte: Nebeneinander machen sie Situps mit Gewichten in den Händen, später werfen sie sich Bälle zu. Und schlagen mit den Fäusten auf „Bob“ ein, eine Gummipuppe für Boxübungen. Jeder Artist trainiert etwa zwei Stunden am Tag individuell an den Fitnessgeräten im Backstagebereich. Hantelbank und Crosstrainer, Spinning-Fahrräder und eine Multi-Kraftstation stehen dafür bereit. Freitags fällt das Training kürzer aus, weil dann zwei Shows auf dem Spielplan stehen.

Während des Leipzig-Gastspiels wohnen die Akteure in einem Hotel in der Nähe des Völkerschlachtdenkmals. Jeden Nachmittag so gegen zwei, halb drei treffen sie in der Arena ein und bereiten sich auf die abendliche Show vor. Sie haben Coaches und Fitnesskoordinatoren mit. Außerdem wird in jeder Stadt ein Masseur angeheuert, der mit tiefenentspannenden Behandlungen ihre Körper wieder ins Gleichgewicht bringt.

Durch schwarze Kostümcontainer von den Künstlern abgeschirmt, sitzt Gaya Mugnai derweil am Nähtisch. Mit Nadel, Faden und einem Fingerhut auf rechten Mittelfinger. Die Italienerin bessert Kostüme aus, befestigt gerade ein locker gewordenes Gummiband. „Das mache ich wieder sicher“, erklärt die Frau aus Florenz. Seit sechs Jahren reist sie mit dem Cirque du Soleil durch die Welt, gehört zum Garderobenteam der Show „Varekei“: Vier Leute kümmern sich ständig um die maßgefertigten opulenten Bühnenoutfits, reinigen und bügeln sie, reparieren Schuhe, bringen Hüte wieder in Form. Jedes Kostüm wird nach jeder Show in einer der sechs mitreisenden Waschmaschinen gewaschen und in einem der beiden Trockner getrocknet. Mehr als 600 Kostüme – sie halten im Schnitt drei Monate -, Schuhe, Perücken, Hüte und Accessoires kommen in der Show zum Einsatz.

Auf der Bühne glänzt es gülden: 330 Kunststoffstangen bilden den magischen goldenen Wald, in dem die Bewohner von „Varekei“ leben. 20 Bäume sind Kletterbäume, die die Waldbewohner erklimmen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Über allem schwebt eine 30 Meter lange Wendeltreppe, die den Waldbewohnern den Zugang zur Außenwelt ermöglicht. Zwölf Stunden dauert es, bis in jeder Stadt die Bühne gebaut ist. 25 Techniker gehören fest zur Show, dazu werden vor Ort jeweils 80 bis 100 Helfer engagiert. Auf dem Parkplatz hinter der Arena reicht der Platz kaum aus für die 22 großen Sattelauflieger plus einen kleinen.

Gastspiel bis Sonntag, 18. Oktober. Tickets: gebührenfreie LVZ-Ticket-Hotline 0800 2181 050, Preise: 58,80 bis 98,15 Euro.

Von Kerstin Decker

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