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Treffen geplatzt: Dissonanzen zwischen Hochschulrat und Senat der Alma mater

Uni-Rektorwahl Treffen geplatzt: Dissonanzen zwischen Hochschulrat und Senat der Alma mater

Es sollte ein offener Gedankenaustausch zum brisanten Thema der Rektorwahl an Leipzigs Uni werden: Doch das letzten Dienstag geplante Gespräch zwischen Mitgliedern des Hochschulrates und Senates fiel dem Streit um die Tagesordnung zum Opfer.

Campus der Uni am Augustusplatz.
 

Quelle: André Kempner

LEIPZIG.  Hinter den Kulissen der Leipziger Uni geht es in Sachen Rektorwahl weiter turbulent zu. Nach LVZ-Informationen sollte es am vergangenen Dienstag eigentlich zu einem als informell deklarierten Treffen von Mitgliedern des Hochschulrates und des akademischen Senates kommen. Doch das Vorhaben platzte, weil es massive Dissonanzen über den Ablauf des „freimütigen Gedankenaustausches“ gab.

Wie berichtet, hatte der von Professor Reinhold Grimm geleitete neunköpfige Rat weder Amtsinhaberin Professorin Beate Schücking, noch den Dekan der Fakultät für Physik und Geowissenschaften, Professor Jürgen Haase, auf die Vorschlagsliste für die Rektorwahl gesetzt. Stattdessen gab er nur der Kandidatur von zwei externen Bewerbern seinen Segen, deren Namen bisher geheim gehalten werden. Seitdem schlagen die Wellen hoch, diverse Verschwörungstheorien kursieren.

 Schücking, die der Alma mater seit Februar 2011 vorsteht, verstand die Welt nicht mehr und zeigte sich fassungslos, weil sie – nach eigener Darstellung – vom Rat zu einer Bewerbung ermuntert worden sei und nach ihrer Anhörung zunächst ein positives Echo bekommen hätte. In der Stellenausschreibung für den Spitzenposten vom März dieses Jahres war auch expliziert vermerkt, dass „die amtierende Rektorin in Aussicht gestellt hat, sich für eine zweite Amtszeit zu bewerben“.

Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) ließ zwischenzeitlich durchblicken, dass sie Schücking gerne auf der Kandidatenliste gesehen hätte, auf der bis zu drei Personen stehen können. Und sie mahnte für den Fall, dass der Senat den Vorschlag des Hochschulrates nicht mitträgt an, eine Kompromisslinie zu suchen, obwohl der Senat kein Vetorecht bei der Kandidaten-Nominierung hat. Grimm hatte erklärt, er wolle erst Anfang Oktober die zwei verbliebenen Bewerber bei einer Senatssitzung vorstellen und dann auch die Beweggründe nennen, warum Schücking und/oder Haase kein Listenplatz eingeräumt wurde.

Als Grund, bis dahin mit der Offenbarung zu warten, gab er an, der Senat müsse sich erst in seiner neuen Zusammensetzung formieren. Unabhängig davon sollte es offenbar am vergangenen Dienstag auf Betreiben von Senatoren zu einer Sondierungsrunde zu dem brisanten Thema kommen. Nach LVZ-Informationen hatten Grimm und sein Stellvertreter Josef Lange zunächst zugesagt. Die Zeichen schienen damit auf Diskurs und nicht auf Konfrontation zu stehen. Aber das Diskussionsprojekt ging nach hinten los, als die Hochschulräte erfuhren, was an diesem Tag sonst noch auf der Agenda der Senatoren stehen sollte: Mit Schücking und Haase wollten sie sich unterhalten, ebenso mit Professorin Charlotte Schubert und Bert Klages, die beide der Findungskommission für geeignete Rektoranwärter angehörten. Grimm und Lange fühlten sich übergangen und ließen die Senatoren in deutlichem Ton wissen, dass sich der Termin für sie erledigt habe.

Damit hängt der Haussegen zwischen beiden Gremien derzeit schief. Grimm betonte in dem absagenden Schreiben jedenfalls, dass er definitiv erst Anfang Oktober dem Senat Rede und Antwort stehe. Voraussichtlich wird dieser dann aber immer noch nicht seine endgültige neue personelle Besetzung haben – ebenso wie der erweiterte Senat, dem letztlich die Rektorwahl obliegt. Wie berichtet, hatte das Leipziger Verwaltungsgericht per Eilentscheidung am 3. September einer Anfechtung der Wahl für die künftigen studentischen Senatoren mit aufschiebender Wirkung stattgegeben und vorläufigen Rechtsschutz für den Kläger gewährt. Der hatte eine Unregelmäßigkeit bei der Wiederholungswahl am zur Uni gehörenden Studienkolleg Sachsen moniert. Absehbar ist durch den Gerichtsbeschluss, dass im Oktober die Senatsgremien von studentischer Seite noch nicht personell so aufgestellt sind, wie es eigentlich geplant war. Von den 21 Sitzen im Senat stehen den Kommilitonen vier zu. Im erweiterten Senat mit seinen 91 Mitgliedern haben die 18 Studenten Sitz und Stimme.

 

 

 

Von Mario Beck

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