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Lokales Trendsport Slacklinen schädigt Leipzigs Bäume – Stadt prüft Standorte für Sportareale
Leipzig Lokales Trendsport Slacklinen schädigt Leipzigs Bäume – Stadt prüft Standorte für Sportareale
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14:45 17.06.2013
Die Rinde der jungen Eiche ist durch die Befestigung von Slackline-Anlagen beschädigt. Quelle: Quelle Stadt Leipzig
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Leipzig

Am liebsten wird die „Leine“ an Baumstämmen befestigt. Das macht der Stadt jetzt Sorgen: Die Rinde kann so stark geschädigt werden, dass der Baum abstirbt. In Köln gibt es deshalb fest installierte Pfosten in Slackline-Parks. Wie LVZ-Online erfuhr, prüft auch Leipzig diese Möglichkeit.

Eine geschädigte junge Eiche im Clara-Zetkin-Park nahe dem Becken an der Bruckner-Allee ließ die Baumkontrolleure der Stadt Leipzig aufmerken: Tief hat sich eine Furche in die Baumrinde gegraben. Unter der äußeren Schicht verlaufen alle „Leitungen“, die den Baum mit Nährstoffen versorgen. Die Furche ist ein typischer Schaden, der durch die Befestigung der Slackline entstehen kann, wissen die Experten.

Leipzig. Immer mehr tun es. Mit den Füßen, den Händen, zwischen Himmel und Erde. Slacklinen heißt die Trendsportart, bei der sich die Anhänger auf einem mehr oder weniger straff gespannten Gurt bewegen. Am liebsten wird die „Leine“ an Baumstämmen befestigt. Das macht der Stadt jetzt Sorgen: Die Rinde kann so stark geschädigt werden, dass der Baum abstirbt. In Köln gibt es deshalb fest installierte Pfosten in Slackline-Parks. Auch Leipzig prüft jetzt diese Möglichkeit.

Langjährige Slackliner wie Matthias König (28) und Anselm Warmuth (29) kennen das Problem. Sie haben von Anfang an einen Baumschutz benutzt, selbstgebastelt aus Teppichresten und Tüchern. Die Idee mit den Slackline-Pfosten finden die beiden nicht schlecht, nur zu einem generellen Verbot ihres Lieblingssports in der freien Natur sollte das nicht führen, finden Sie. Doch davon ist in Leipzig nicht die Rede.

Weder örtlich noch zahlenmäßig sei bis jetzt eine Häufung der Schäden zu verzeichnen, teilte das Amt für Stadtgrün und Gewässer gegenüber LVZ-Online mit. Und wer die richtigen Bäume richtig behandelt, kann auch weiter den Trendsport im Grünen ausüben. Die Stadt setzt auf Information. In den Parkgaststätten, im Kletterturm Mockau, der Kletterhalle „No Limit“ und bei Bergsport-Ausrüstern liegen Info-Flyer.

Vor dem Slacklinen den Baum umarmen

Die Slackline sollte nur mit untergelegtem Baumschutz angebracht werden. Quelle: Regina Katzer

Praktischer Hinweis: Wer Slacklinen will, sollte vorher mal den Baum umarmen. Kann man den Stamm gerade noch umfassen, ist das ein gutes Zeichen. Weniger Umfang als 1,20 Meter darf das Gehölz nicht haben, denn beim Slacklinen wirken Kräfte von bis zu einer Tonne auf den Baumstamm. Außerdem: Unter die Befestigungsschlinge einen „Baumschutz“ anbringen. Die Matten gibt es in Sportgeschäften, die Slackline-Ausrüstungen verkaufen. Man kann aber ebenso einfach Teppichreste verwenden.

Dass die Sportart in Leipzig immer mehr Freunde findet, registriert auch  Sportwissenschaftlerin Sandra Reichardt. Die 26-jährige berät beim Ausrüster Tapir Slackline-Interessierte. Nicht nur als Freizeitvergnügen sei der Balance-Akt attraktiv. Tänzer oder Kletterer entdeckten die Slackline als Trainingsgerät. „Man schult die Reaktionsfähigkeit, das Gleichgewicht und die Koordination. Ohne Muskelanspannung hält man sich auch nicht lange auf der Slackline. Das ist ein super Ganzkörpertraining“, sagt sie.

In Köln hat die Bewegung bereits Ausmaße angenommen, die die Stadt handeln ließ. Seit September 2012 sind fünf Slackline-Sportparks entstanden. Gemeinsam mit der Sporthochschule habe man Plätze ausgewählt, die bei den Trendsportlern besonders beliebt seien. Dort wurden in optimalem Abstand für verschiedene Schwierigkeitsgrade Pfosten verankert, zwischen denen die Bänder gespannt werden können, erklärt Stadtsprecher Stefan Palm. 25.500 Euro hat Köln für die Anlagen, und damit auch für Baumschutz und Freizeitsport investiert.

Planungen für Slackline-Flächen ganz am Anfang

Auch Leipzig prüft jetzt mögliche Standorte, so Gerald Biehl vom Amt für Stadtgrün und Gewässer gegenüber LVZ-Online. Ins Visier genommen habe man ein Areal nahe dem AOK-Zentrum für Gesundheitssport in Schleußig. Ein bewaldeter Teil der Agra könnte ebenfalls in Frage kommen. Beliebt bei den Slacklinern sei unter anderem die Wiese am Musikpavillon. Die Planungen stehen am Anfang, und nicht nur die Finanzierung ist noch ungeklärt.

Während an der Pleiße unter anderem mit der Frage der Haftung gehadert wird, wählte man am Rhein eine pragmatische Lösung: Schilder weisen darauf hin, dass die Benutzung der Anlagen auf eigene Gefahr geschieht.

Info-Flyer zum Download

Evelyn ter Vehn

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