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Lokales Trinkgelage und „Schlafgäste“ nerven Leipziger Banker
Leipzig Lokales Trinkgelage und „Schlafgäste“ nerven Leipziger Banker
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14:36 23.02.2018
Von dem erbettelten Geld wird häufig in Alkohol gekauft.  Quelle: Volkmar Heinz
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Leipzig

In Leipzig proben immer mehr Banken den Schulterschluss gegen Bettler und Trinker: Weil diese sich in der kalten Jahreszeit bevorzugt in den beheizten SB-Filialen der Kreditinstitute treffen, werden besonders stark heimgesuchte SB-Bereiche in einigen Stadtteilen zwischen 22 und 7 Uhr geschlossen. Am Lindenauer Markt hat dadurch zum Beispiel nachts keine einzige SB-Zone mehr geöffnet. Kunden fühlen sich dort belästigt, heißt es.

Verabredung zu „Saufgelagen“

Die Banken sind naturgemäß bei der Schilderung der Vorgänge in diesen Räumen zurückhaltend. Doch einzelne Mitarbeiter werden hinter vorgehaltener Hand deutlicher. „Ein besonders großes Thema sind stark alkoholisierte Personen“, schildert ein der LVZ namentlich bekannter Banker. „Diese Leute verabreden sich zu regelrechten Saufgelagen in den zugänglichen Bereichen. Irgendwann rückt dann die Polizei an und spricht Platzverweise aus. Aber sobald die Polizisten weg sind, treffen sich die Alkoholiker wieder.“ Aus diesem Grund sei auch keine Bank bereit, ein konkretes Datum für die zumeist für den Winter verfügten nächtlichen Schließzeiten zu nennen. „Sonst steht der Termin für die nächste Trinker-Party in einer unserer SB-Zonen gleich fest.“

Unsaubere „Schlafgäste“

Andere Banker erzählen von „Schlafgästen“, die sich im Winter regelmäßig in den gut geheizten SB-Räumen niederlegen. „Dabei gibt es Verunreinigungen ganz unangenehmster Art“, schildert ein Bankmitarbeiter. „Solche Bereiche können wir dann am Morgen nicht einfach öffnen. Da geht kein normaler Kunde rein.“ Auch Vandalismus sei ein Thema. „Es gibt auch relativ aggressive Bettler“, so ein Banker. Die sprechen unsere Kunden an. Wir haben solche Personen auch schon auf die nächste Obdachlosenunterkunft hingewiesen. Als Antwort bekommen wir zu hören: ,Da wirst Du doch nur beklaut.’“

Die Reaktion bei den Kunden sei verheerend. „Das Sicherheitsgefühl wird beeinträchtigt und es gibt Beschwerden“, erzählt der Mitarbeiter eines Instituts. Denn manche Bettler und Trinker würden gezielt Kunden ansprechen, die Geld abheben oder Kontoauszüge ausdrucken lassen. Überfälle oder Diebstähle habe es aber noch nicht gegeben.

Auch Deutsche Bank betroffen

Kein Banker ist öffentlich bereit, die Zustände so drastisch zu formulieren. „Wir wollen in unseren SB-Zonen einen größtmöglichen Service für unsere Kunden anbieten“, heißt es deshalb zum Beispiel in einer Erklärung der Deutschen Bank. „Dabei haben Sicherheit und Sauberkeit hohe Priorität. Wenn erforderlich, werden deshalb SB-Zonen zu bestimmten Zeiten vorübergehend geschlossen.“ Die Deutsche Bank hat neben ihrer SB-Zone am Lindenauer Markt (geschlossen von 22 bis 6 Uhr) auch die am Burgplatz (geschlossen 23 bis 6 Uhr) und die Filiale Leipzig-West (geschlossen 22 bis 7 Uhr) für bestimmte Stunden dicht gemacht – „voraussichtlich bis Ende März“.

Die Sparkasse betont, dass sie aktuell sechs Standorte nachts nicht mehr öffnet – die SB-Bereiche in der Schillerstraße, in Leutzsch, Böhlitz-Ehrenberg, Markkleeberg-Ost, Schönefeld und Möckern. „Das sind nur sechs von insgesamt 119 SB-Angeboten“, betont Sparkassen-Sprecher Frank Steinmeyer. Also vergleichsweise wenige. Es gebe noch keinen Termin, wann diese wieder rund um die Uhr öffnen werden. Aber dies sei beabsichtigt. „Wir haben für unsere Kunden auch an jedem geschlossenen SB-Bereich einen Hinweis angebracht, wo sich die nächste geöffnete SB-Zone befindet.“

Kunden haben Verständnis

Die Commerzbank erklärte, dass ihr SB-Bereich am Lindenauer Markt schon seit über einem Jahr nachts von 23 bis 5 Uhr geschlossen ist, die SB-Zone am Thomaskirchhof seit Mitte Januar. „Diese Schließzeiten bleiben bis auf Weiteres bestehen“, so Sprecherin Sabine Schanzmann-Wey. „Bei unseren Kunden stößt diese Entscheidung in der Regel auf Verständnis. In Leipzig verfügen wir insgesamt über sieben Filialen mit SB-Bereichen, von denen fünf derzeit auch nachts noch zugänglich sind.“

Die Volksbank Leipzig schließt schon seit einigen Jahren die SB-Zonen ihrer Geschäftsstellen nachts zwischen 23 und 4 Uhr. „Das betrifft nahezu alle Geschäftsstellen in Leipzig, dem Landkreis Leipzig sowie in Taucha“, so Pressesprecher Torsten Wünsche.

Von Andreas Tappert

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