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Trockenbau in weiblicher Hand: Zwei Frauen leisten Aufbauarbeit

Trockenbau in weiblicher Hand: Zwei Frauen leisten Aufbauarbeit

Eine halbe Stunde Pause muss reichen. Angela und Luisa Gaudigs genehmigen sich nach vier Stunden Schuften auf der Baustelle in Leipzig-Schleußig erstmal eine Zigarette.

Leipzig. Lässig gehen sie durch den leeren Raum im dritten Stock. Jeder Schritt auf dem Estrichboden hallt durch das zukünftige Sprechzimmer einer Arztpraxis. Der identische Nachname der zwei Frauen ist kein Zufall: Angela ist die Mutter, Luisa die Tochter. Damit sind die zwei Trockenbauerinnen auf deutschen Baustellen eine doppelte Rarität. „Da wird schon geguckt“, beschreibt die Mutter die Situation, wenn das Duo zum ersten Mal auf einer Baustelle erscheint. „Es hieß auch schon, wir seien Schwestern“, ergänzt die Tochter.

Doch auf ihr Geschlecht lassen sich die zwei nicht reduzieren: „Wir haben uns schon einen Namen gemacht in Leipzig. Wir arbeiten schnell und gut“, sagt Angela Gaudigs. Als Trockenbauerin übernimmt sie Tätigkeiten wie die Deckenbeplankung oder - wie jetzt - Spachtelarbeiten an den Innenwänden. Von einem großen Spachtel überträgt sie die weiße Masse auf einen kleinen Spachtel und zieht ihn über die Wand. „Für mich kommt nur was Handwerkliches in Frage“, sagt sie.

Bis 1993 hat Angela Gaudigs in der Landwirtschaft gearbeitet, dann kam die Umschulung. Heute ist sie 45 Jahre alt - „noch 45“, sagt sie. Die Arbeit auf dem Bau ist hart: „Man ist dann schon kaputt, aber das sind die männlichen Kollegen genauso.“ Tochter Luisa, 24 Jahre alt und eigentlich gelernte Köchin, will deshalb auch nicht ihr ganzes Leben auf dem Bau arbeiten.   

Dabei bedauert der Zentralverband des deutschen Baugewerbes, dass Frauen auf deutschen Baustellen so selten sind. In der gesamten Baubranche betrug der Frauenanteil 2009 nach Angaben des Verbands nur gut sechs Prozent - die kaufmännischen Angestellten in den Büros der Baufirmen mitgerechnet. Höchstens in der jüngeren Generation gebe es hier und da mal eine Frau, dafür dann sogar oft in der Unternehmensleitung.

Auch Angela Gaudigs stemmt ihr eigenes Unternehmen. „Die Zahlungsmoral ist schlecht“, beschreibt sie ihre Situation als Selbstständige und guckt etwas verkniffen zu Boden. Die Tochter hat sie als Angestellte bei einem früheren Auftraggeber untergebracht. Die mütterliche Firma will Luisa Gaudigs nicht übernehmen, obwohl es ihr in ihrem Beruf momentan gut gefällt. „Der Umgangston ist hier besser als in der Küche, wo ich vorher gearbeitet habe“, sagt sie. „Die männlichen Kollegen sind tipptopp und hilfsbereit, manchmal sogar ein bisschen überfreundlich“, ergänzt Mutter Angela.

Von unten schallen Rufe durchs Haus. Während die zwei Frauen spachteln, rufen sich die Männer zwei Etagen tiefer lautstark die Bestellungen für die Mittagspause zu. Auf die vermeintliche Besonderheit der weiblichen Kollegen angesprochen, fällt die Antwort kurz aus. „So lange sie arbeiten können...“, sagt einer der Bauarbeiter und zuckt mit den Schultern.

Björn Siebke, dpa

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