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Trotz Finanzskandal bei den KWL: Leipzigs Stadtkonzern LVV "unglaublich erfolgreich"

Trotz Finanzskandal bei den KWL: Leipzigs Stadtkonzern LVV "unglaublich erfolgreich"

"Wir blicken auf ein unglaublich erfolgreiches Jahr zurück", sagte Detlev Kruse, Geschäftsführer der Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (LVV).

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Oberbürgermeister Jung ehrt sieben Leipziger, die sich im Ehrenamt engagieren

Die LVV stellte ihre Jahresbilanz 2010 im Neuen Rathaus der Öffentlichkeit vor: "Unglaublich erfolgreiches Jahr."

Quelle: André Kempner

Leipzig. Erstmals stellten die Töchter der Holding, Stadtwerke Leipzig, Kommunale Wasserwerke (KWL) und Leipziger Verkehrsbetriebe, gemeinsam ihre Jahresbilanz vor. Der Konzern präsentierte einen Jahresüberschuss von 2,5 Millionen Euro, das beste Ergebnis seit Gründung 1997. Dabei war das Geschäftsjahr 2010 geprägt vom KWL-Finanzskandal, und noch immer drücken 684 Millionen Euro Schulden

Die LVV ist mit seinen mehr als 5000 Mitarbeitern das fünftgrößte Unternehmen Mitteldeutschlands. Im letzten Jahr investierte die Holding 230 Millionen Euro, resümierte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) zur Bilanz-Pressekonferenz. Die Aufträge dazu würden überwiegend regional vergeben. "Damit ist die LVV als Versorger für Energie, Wasser und Mobilität das stabilisierende Rückgrat in der regionalen Wirtschaft", so Jung.

Keine Selbstverständlichkeit, denn die kriminellen Machenschaften zweier ehemaliger KWL-Geschäftsführer aufzudecken und den Konzern auf Kurs zu halten, habe im ersten Quartal einen Großteil der Arbeit der Holding in Anspruch genommen. Hochriskante Finanzwetten (CDO), heimlich von den damaligen Managern Klaus Heininger und Andreas Schirmer abgeschlossen, platzten und führten die Wasserwerke finanziell aufs Glatteis.

Finanzskandal: KWL sieht beste Chancen für Prozessgewinn

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Der Finanzskandal erschütterte 2010 die Wasserwerke.

Quelle: Volkmar Heinz

KWL-Geschäftsführer Volkmar Müller zeigte sich "sehr zuversichtlich", dass man die finanziellen Folgen "juristisch abwehren" könne. In den nächsten Wochen wird sich voraussichtlich entscheiden, ob in Leipzig oder London vor Gericht darüber gestritten wird, ob die Finanzdeals überhaupt rechtens waren. Müller betonte, man sei gewappnet, alle Unterlagen vorzulegen und als Sieger aus dem Rechtsstreit hervorzugehen. "Wir gehen davon aus, weiterhin keine Rückstellungen bilden zu müssen." In der Schwebe sind Banken-Forderungen an die KWL von rund 300 Millionen Euro.

Ansonsten herrscht bei den Wasserwerken aber eitel Sonnenschein: Das Sorgenkind der LVV steht mit einem Jahresüberschuss von 16,7 Millionen Euro da, "ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann", sagte Müller. Die Wasserwerke setzen aufs Kerngeschäft, modernisierten ihr Trink- und Abwassernetz mit 33,8 Millionen Euro. "Die Rohrbrüche konnten wir um 15 Prozent reduzieren", so Müller.

Bei der Netzplanung müssten sich die KWL darauf einrichten, dass immer weniger Trinkwasser verbraucht werde. Mit 86,5 Liter pro Person und Tag liege Leipzig rund 50 Prozent unter Bundesdurchschnitt. Wassersparende Toilettenspülungen und Haushaltsgeräte seien offenbar in den neuen Ländern sehr viel stärker verbreitet als in den alten. Gleichzeitig steigt das Abwasseraufkommen: Die Grundwasserpegel steigen, heftige Regenperioden gibt es immer öfter. "Das nimmt der Boden nicht mehr auf. Dann fließt das Wasser in unsere Kanäle", erklärte Müller.

Kaltes Jahr 2010 beschert Stadtwerken Umsatzplus

Von außergewöhnlichen Wetterbedingungen profitierten die Stadtwerke Leipzig (SWL). Es war kalt im Jahr 2010, rund 1,5 Grad kälter im Jahresmittel als 2009, so SWL-Geschäftsführer Thomas Prauße. Bei der Fernwärme setzten die Stadtwerke Leipzig daher 18 Prozent mehr ab als im Vorjahr. Gleichzeitig bauen die SWL ihr Geschäft in Polen über einen Beteiligungsgesellschaft aus. Der Umsatz stieg, nämlich um zwölf Prozent auf 3,15 Milliarden Euro. Der Gewinn kletterte um sechs Prozent auf 63,8 Millionen Euro.

Das beste Geschäftsergebnis der Unternehmensgeschichte verdanken die Stadtwerke zu einem guten Teil dem europaweiten Handel mit Strom, Gas und CO2 an der Leipziger Strombörse EEX. Bei der Kundenbelieferung mit Strom und Gas geht der Absatz zurück: Nicht profitable Kundenverträge hätte man aufgegeben, so Prauße. Außerdem wollen die Stadtwerke im Wettbewerb "mit intelligenten Produkten und viel Service" bei den Kunden punkten: "Wir sind kein Billiganbieter, wir sind preis-wert."

LVB zählten 7,6 Millionen mehr Fahrgäste

Vom harten Winter profitierten auch die Verkehrsbetriebe. 7,6 Millionen mehr Fahrgäste nutzten Bus und Bahn und bescherten den Verkehrsbetrieben Mehreinnahmen von 2,8 Millionen Euro, durch Fahrgeld insgesamt also 73,1 Millionen Euro. Bezuschusst wurde das Unternehmen mit 50 Millionen Euro, zwei Millionen Euro weniger als im Vorjahr. "Wir sind auch attraktiver geworden. Das neue Busnetz zeigt, dass attraktive Angebote auch mehr Nachfrage generieren", freute sich LVB-Geschäftsführer Ulf Middelberg. In diesem Zusammenhang stellten die LVB auch 76 neue Fahrer ein.

Das ÖPNV-Unternehmen verzeichnet für 2010 einen Überschuss von 900.000 Euro. In neue Fahrzeuge, Haltestellen und die Planung des Technischen Zentrums Heiterblick sind ein Großteil der 48,1 Millionen Euro Investitionen der LVB geflossen. Den Kurs wollen die Verkehrsbetriebe halten, mit XXL-Wagen und Leolinern die Flotte ausbauen oder Großprojekte wie den Ausbau der Lützner Straße stemmen. Außerdem gelte es, finanzielle Risiken abzubauen. Dazu gehörte die vorzeitige Auflösung der Cross-Border-Leasing-Geschäfte, so Middelberg.

684 Millionen Euro Schulden – Verkauf von Anteilen notwendig

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Der Firmensitz von Perdata in Leipzig.

Quelle: André Kempner

Für LVV-Geschäftsführer Detlev Kruse hat eine andere Nachricht Priorität: "Wir konnten die Fremdverschuldung um 75 Millionen Euro senken", sagte er. Damit belaufen sich die Verbindlichkeiten der drei LVV-Unternehmen gegenüber Banken immer noch auf 684 Millionen Euro. Wenn die LVV das Gesellschafterdarlehen der Stadt planmäßig bedienen solle, müssten Beteiligungsverkäufe von HL Komm und Perdata bis Ende 2011 angeschoben werden, so Kruse.

Evelyn ter Vehn

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