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Lokales Trotz Kita-Krise: Tageseltern finden in Leipzig kaum Wohnungen
Leipzig Lokales Trotz Kita-Krise: Tageseltern finden in Leipzig kaum Wohnungen
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00:19 17.07.2017
Christopher Müller möchte als Tagesvater arbeiten. Bei Carmen Esser (links) und Romy Capelle vom Verein Fröbel findet er tatkräftige Hilfe. Was fehlt, ist eine geeignete Wohnung.  Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

 
 

Müller hat einen starken Träger im Rücken, den Verein Fröbel. Der betreut 60 Tagesmütter und Tagesväter in ganz Leipzig und würde sein Netzwerk gerne ausweiten. „Der Bedarf ist groß. Immer mehr Eltern suchen dringend einen Betreuungsplatz für ihr Kind“, erzählt Romy Capelle, die die Tagespflege bei Fröbel koordiniert und die vier Fachbetreuer anleitet.

Müller könnte sofort loslegen, doch so einfach ist das nicht: „Mir fehlt eine geeignete Wohnung. Seit über einem halben Jahr suche ich, habe viele Telefonate geführt und Briefe geschrieben, bei Vermietern und Genossenschaften vorgesprochen“, sagt er. Doch von den meisten gab es nicht mal eine Reaktion. Ihm sei klar, dass die Mietsituation in Leipzig kompliziert ist, der Wohnraum angesichts der wachsenden Stadt immer knapper wird. „Auf der anderen Seite werden aber Tagesmütter- und -väter dringend gebraucht“. Hinzu kommt: Es gibt konkrete Kriterien durch das Amt, wie die Wohnung auszusehen hat. Sie muss im Erdgeschoss liegen, mindestens zwei große Zimmer sowie einen Innenhof haben, der für den Durchgangsverkehr für Autos gesperrt ist. „Es wird immer schwieriger, geeigneten Wohnraum zu finden“, konstatiert Fröbel-Mitarbeiterin Carmen Esser.

 Einige Vermieter seien zwar bereit, an Tagespflegepersonen zu vermieten. Andere wiederum nicht, weil sie die Lautstärke der Kinder oder Kinderwagen in den Hauseingängen fürchten. Dabei sind die Steppkes eigentlich unproblematisch, schlafen unter Mittag, am Wochenende ist ohnehin zu. „Wir haben fast jeden Tag Anfragen von Eltern, die eine Tagesmutter oder einen Tagesvater suchen. Viele legen Wert auf eine individuelle Betreuung ihrer Kinder“, betont Fachfrau Capelle und erzählt, dass sich bei ihr nicht wenige Eltern melden, die die überfüllten Gruppen in den Kitas satt haben und wechseln wollen. Ziel sei es, mindestens 15 neue Tagespflegepersonen ins Fröbel-Netzwerk aufzunehmen. „Genügend Bewerber, die auch die notwendige Qualifikation erfüllen, sind da.“ Darunter sind übrigens auch Erzieherinnen, die in Kitas arbeiten und frustriert sind, weil sie in überfüllten Gruppen ihre Ideale nicht mehr erfüllen könnten.

Wie kann die Stadt helfen? „Wir können natürlich keine Wohnungen vermitteln“, sagt Martina Menge-Buhk, die Sprecherin des Jugenddezernates. Es gebe aber enge Kontakte zur Leipziger Wohnungsbaugesellschaft (LWB) sowie Genossenschaften Wogetra und Unitas. Das bestätigt LWB-Sprecherin Samira Sachse. „Aktuell verfügt die LWB aber nicht über geeignete Wohnungen für Tagespflege.“ Die LWB habe seit 2004 mehr als 50 Projekte mit einer Anschubfinanzierung im 1. Jahr von jeweils 1000 Euro unterstützt. Dies entspreche etwa der Kapazität von zwei Kindertagesstätten. „Diese Unterstützung der Tagesmütter oder -väter durch die LWB gibt es auch heute noch. Allerdings ist die Nachfrage rückläufig.“ Die letzte Vermietung an eine Tagespflegeperson fand im Frühjahr 2017 statt. Müller kann darüber nur den Kopf schütteln. Auf seine Anfrage hin habe er von der LWB nicht mal eine Antwort bekommen.

 . So sind beispielsweise kleinere Toiletten vonnöten. In Leipzig arbeiten derzeit 582 Tagespflegepersonen, die 2705 Plätze anbieten.

Von Mathias Orbeck

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