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Trotz Verspätungs-Frust: Chaos am Leipziger Hauptbahnhof bleibt aus

Nach Brandanschlägen Trotz Verspätungs-Frust: Chaos am Leipziger Hauptbahnhof bleibt aus

Nach den Brandanschlägen auf vier Signalanlagen am Montag rund um Leipzig standen am Hauptbahnhof etliche Bahnen still, fielen aus oder wurden umgeleitet. Hunderte Reisende waren von den Verspätungen und Zugausfällen betroffen – dennoch blieb das ganz große Chaos aus, weil viele Pendler und Ausflügler die langen Wartezeiten in Kauf nahmen.

Endstation Hauptbahnhof: Vor allem Schülergruppen, aber auch viele Pendler waren am Montag auf dem Querbahnsteig gestrandet.
 

Quelle: Regina Katzer

Leipzig.  Fünf, zehn, 15, 30, 60 Minuten Verspätung, der Zug fällt aus. Die große Anzeigetafel am Leipziger Hauptbahnhof schickt am Montagmorgen schlechte Nachrichten im Minuten-Rhythmus als Laufschrift übers Display. Lina (32) und Robin (27) recken ihre Köpfe zum Bildschirm. Nach entspannten Tagen in der Messestadt wollten die beiden wieder zurück nach Hause – sie nach Berlin, er nach Hannover. „Jetzt müssen wir erst mal schauen, wie’s weitergeht.“ Da ist es 10.45 Uhr.

Ratlose Touristen und Pendler, Wirrwarr auf den Schienen und am Bahnsteig, viele Reisende und Schulklassen sitzen auf gepackten Koffern am Querbahnsteig – und warten auf Weiterfahrt. Die Brandanschläge auf vier Signalanlagen rund um Leipzig haben die mitteldeutsche S-Bahn aus dem Takt gebracht, dutzende Regionalbahnen und Fernverkehrszüge rollen nicht mehr, werden umgeleitet oder müssen eine Zwangspause einlegen.

Lange Schlangen – wenig Informationen

Die Stimmung in der Wartehalle? Trotz alledem entspannt. Das Service-Personal am Leipziger Bahnhofs-Drehkreuz ist ausgeschwärmt, vorm Info-Punkt haben sich lange Schlangen gebildet, die Auskünfte fließen dennoch spärlich. „Wegen Vandalismusschäden kommt es zu Beeinträchtigungen im Zugverkehr“, tönt es aus den Bahnhofs-Lautsprechern. Viele wissen zu dem Zeitpunkt noch nichts von den Attacken auf Bahnanlagen, die viele Strecken im Bundesgebiet lahmlegten.

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Ratlose Touristen und Pendler, viele Reisende und Schulklassen sitzen auf gepackten Koffern am Querbahnsteig – und warten auf Weiterfahrt. Wir haben uns unter den Gestrandeten am Leipziger Hauptbahnhof umgehört.

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„Bis die Schäden behoben sind, kann es wohl noch etwas dauern“, meint Andreas Krehl (54). Mit dem Rücken ans Geländer gelehnt, blättert er in der Tageszeitung, blickt kurz hoch: „Das ist natürlich bitter für Berufspendler“, sagt er. Wochentags fährt der Physiker mit dem Zug von Erfurt über Leipzig zur Arbeit nach Dresden. „Es bleibt wohl nicht anderes übrig, als zu warten“, beurteilt er die Situation stoisch. „Die Bahn kann nichts dafür, dass kein Ersatzverkehr eingerichtet wurde, ist dennoch ärgerlich.“

Laut Plan soll der IC 2445 nach Dresden um 11.32 Uhr am Gleis 14 losfahren. Ein Gruppe von 40 Schülern vom Burgenland-Gymnasium Laucha aus Sachsen-Anhalt harrt am Bahnsteig aus. Mittendrin: Olaf Kluge (44), der die quirligen Fünftklässer auf Abschlussfahrt begleitet. „Vielleicht haben wir Glück, noch ist nichts angezeigt“, sagt er, „denn eigentlich haben wir heute einen Ausflug zur Festung Königstein geplant.“ Laut Online-Fahrplanauskunft wird der Zug allerdings 62 Minuten zu spät in der sächsischen Landeshauptstadt eintreffen.

Urlauber müssen umplanen

Draußen sind es sommerliche 30 Grad Celsius, das erfrischende Lüftchen im Citytunnel kühlt anscheinend ein wenig die Gemüter, an Gleis 1 und 2 stehen die Fahrgäste dennoch dicht an dicht, die Züge sind voll. Tim (27) aus Lindenau ist Student in Halle, „seine“ S3 nach Trotha hat 15 Minuten Verspätung. „Das geht noch“, sagt er.

Zahlreiche Verspätungen am Hauptbahnhof

Zahlreiche Verspätungen am Hauptbahnhof.

Quelle: Regina Katzer

Bei Marcel Pötzsch (33) zerrt das Warten allerdings gehörig an den Nerven, Frust hat sich angestaut. Drei Stunden zuvor ist er am Airport Leipzig/Halle aus der Türkei gelandet. „Mir wurde gesagt, dass ich mit der S3 nach Markkleeberg und dann umsteigen soll, wenn ich nach Altenburg will“, so Pötzsch. „Ich habe nur zwei Stunden geschlafen, eigentlich wollte ich schnell nach Hause“, sagt er, als sein Telefon klingelt: „Hier herrscht Chaos, ich will heim“, erzählt er dem Anrufer.

Sie hingegen zieht es in die Ferne: „Das geht ja gut los“, sagen die beiden Schwestern Doris Schröder (76) und Bärbel Weber (75) fast unisono – und lassen sich dennoch die Ferienlaune nicht vermiesen. „Die S-Bahn um 11.14 Uhr ist ausgefallen, die um 11.44 Uhr wird über Delitzsch umgeleitet“, sagt Schröder. „Wir nehmen jetzt das Taxi zum Flughafen, da sind wir auf der sicheren Seite.“ Einen Zeitpuffer hatten die beiden eh eingeplant. „Es kann ja immer was passieren.“ Schließlich soll der Flieger um 14.05 Uhr zu ihrem Griechenland-Urlaub auf Kreta nicht ohne sie abheben.

Situation beruhigt sich

Inzwischen ist es Mittag, vieles geht trotz zahlreicher Verspätungen schon wieder seinen gewohnten Gang. Gabi Pruchnik (51) verkauft am Querbahnsteig in ihrem kleinen Büdchen XXL-Pommes, fährt selbst immer mit der S-Bahn von Rackwitz nach Leipzig und zurück. „Es sind schon mehr Leute, als sonst zu sehen“, sagt sie. „Aber die Geschäfte sind nicht unbedingt diejenigen, die davon profitieren.“ Viele Reisende seien im Stress, müssten schauen, wie sie jetzt von A nach B kommen.

An der Bahnhofs-Anzeige am Gleis nebenan steht: „RB 110 von Döbeln fällt aus“ – es fährt ein Zug nach nirgendwo, wie so viele an diesem Tag.

Von Benjamin Winkler

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