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Trotz spektakulärer Ideen: Leipziger IHK bläst Verfahren für Hochhaus ab

Musikalischer Wolkenkratzer Trotz spektakulärer Ideen: Leipziger IHK bläst Verfahren für Hochhaus ab

Hin und her macht Taschen leer, lautet eine alte Börsenweisheit. Dennoch hat die Leipziger IHK jetzt ein Verfahren am Goerdelerring genauso überraschend abgeblasen wie sie es im November 2016 begonnen hatte.

Für die Grünfläche vor dem Plakat mit dem Bach-Portrait gibt es schon lange Überlegungen, ein weiteres Hochhaus am Leipziger City-Ring zu errichten. In den letzten Wochen brachte die IHK, der ein Teil des Grundstücks gehört, viel Schwung in die Debatte.

Quelle: LVZ

Leipzig. Hin und her macht Taschen leer, lautet eine alte Weisheit bei Aktienhändlern. Auch geübte Schachspieler wissen, dass sie das Spiel am Ende meist verlieren, wenn sie am Anfang einen Bauern erst vor und dann wieder zurückziehen. Dennoch hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig jetzt ein Verfahren genauso überraschend abgeblasen wie sie es im vergangenen November begonnen hatte. Es ging dabei um den Verkauf zweier Grundstücke gleich neben dem IHK-Sitz am Goerdelerring (die LVZ berichtete exklusiv).

Die insgesamt nur 730 Quadratmeter Land werden bisher teilweise als Parkplatz genutzt. Für Investoren ist die Mini-Fläche dennoch sehr attraktiv, weil die Stadt Leipzig schon vor sechs Jahren beschlossen hatte, einen Bebauungsplan für ein Hochhaus an diesem Standort zu erstellen. Mit etwa 100 Metern soll der neue Riese am City-Rand noch größer als das Westin-Hotel werden. Außer der IHK-Fläche bräuchte der künftige Bauherr dafür aber noch 4900 Quadratmeter Land, die der Stadt gehören.

Im November-Heft des Magazins „Wirtschaft“ bot die Kammer mit einer ganzseitigen „Bekanntmachung“ ihre 730 Quadratmeter „hiermit interessierten Investoren zum Kauf an“. Nach dem ersten von zwei geplanten Schritten wurde jedoch „das Verfahren nicht weiterverfolgt, da nur eine einzige Interessenbekundung bei uns eingegangen ist“, sagte IHK-Präsident Kristian Kirpal nun auf LVZ-Anfrage. „Ziel war es, mit mehreren Bietern ins Gespräch zu kommen und so einen Wettbewerb entstehen zu lassen.“

Vielleicht klappte das nicht ganz, weil die Bewerbungsfrist für solch ein Mega-Projekt von über 100 Millionen Euro eher kurz gewählt war. Bis zum 15. Dezember durften Investoren ihr Interesse schriftlich bei einem Anwalt in Halle bekunden. Im zweiten Schritt sollten sie alle nötigen Unterlagen für ihre Entscheidungsfindung sowie einen Entwurf für den Kaufvertrag erhalten. Auf der Grundlage hätten die Investoren dem IHK-Anwalt in Halle bis 30. Januar ein Kaufangebot unterbreiten können, das durch eine „substantiierte Projektbeschreibung“ glaubhaft zu machen sei. Die Beschreibung hätte komplexe „planerische Darstellungen im Grundriss sowie Ansichten mit Höhenangaben des geplanten Gebäudes“ enthalten müssen. Die Kosten dafür (über 200 000 Euro) wollte die Kammer den Interessenten nicht erstatten.

In der Immobilienbranche herrschte daraufhin Kopfschütteln zu der Frage, wie ein unvorbereiteter Kaufmann solche Anforderungen in so kurzer Zeit seriös erfüllen soll. Entgegen anders lautenden Gerüchten erklärte Präsident Kirpal jetzt aber: „In den letzten Jahren gab es immer wieder Anfragen von Interessenten, die das Gespräch mit der IHK gesucht haben. Zu konkreten Präsentationen ist es in diesem Zusammenhang nicht gekommen.“ Auch wenn in der Magazin-Bekanntmachung siebenmal die Worte Kauf oder Erwerb standen, habe es sich nicht um eine formale Ausschreibung gehandelt, betonte er. „Im ersten Schritt war nur eine einfache Interessenbekundung gefragt.“

Nach LVZ-Informationen gibt es allein in der Messestadt mindestens vier Immobilienfirmen, die gegenüber einem Hochhaus-Projekt am Goerdelerring nicht abgeneigt wären. Weshalb nur einer davon den Hut in den Ring warf, dafür sind verschiedene Gründe denkbar. Zum Beispiel hatte die Kommune stets betont, dass für den prominenten Standort in jedem Fall ein internationaler Architekten-Wettbewerb durchzuführen sei. Wozu also schon heute – wenn noch nicht mal der Entwurf des Bebauungsplans vorliegt – viel Geld für die von der IHK erwünschten Gebäude-Planungen ausgeben?

Da Träumen aber immer erlaubt ist, hat etwa die Leipziger Vicus Group mit Bettina Puls und Johannes Fahrenholz zwei junge Architekten an das Thema gesetzt. Sie entwarfen ein 23 Etagen zählendes Gebäude, dessen Form an einen auf den Kopf gestellten Konzertflügel erinnert – als Reminiszenz an die Musikstadt Leipzig. Eine „harmonische Rundfassadenvariante“ sei am Ring öfter zu sehen – nicht nur bei der Blechbüchse gegenüber, teilte Vicus dazu mit. 30 000 Quadratmeter Nutzfläche für Wohnungen, Büros, Läden und Gastronomie könne der musikalische Wolkenkratzer bieten – dazu gehörten auch Hochgaragendecks im ersten bis dritten Stock. Um die IHK-Flächen beworben hat sich Vicus allerdings nicht.

Laut Präsident Kirpal sollen die IHK-Flächen in Zukunft „nur in Zusammenhang mit einer konkreten Entwicklung auf dem Grundstück und in Einklang mit den Plänen der Stadt veräußert werden“. Die Kommune will in den nächsten Wochen drei Varianten für den Verlauf des Pleißemühlgrabens in dem Bereich vorstellen und sie mit den Bürgern diskutieren, so Umweltbürgermeister Heiko Rosental (Linke). Danach könne die Arbeit am Bebauungsplan zielführender erfolgen.

Von Jens Rometsch

Leipzig Goerdelerring 51.3433199 12.3704204
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