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Trübe Pleiße besorgt Flussanrainer in Leipzig – Verschiedene Maßnahmen in Planung

Trübe Pleiße besorgt Flussanrainer in Leipzig – Verschiedene Maßnahmen in Planung

Eine Bootstour auf der Pleiße in Leipzig ist ein Naturerlebnis. Sattgrün erstreckt sich der urwüchsige Leipziger Auwald links und rechts des Ufers. Bloß auf das Wasser sollte man lieber nicht schauen.

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Bräunlich eingefärbt schlängelt sich die Pleiße am durch den Leipziger Auwald.

Quelle: dpa

Leipzig. Es ist hässlich braun, erinnert eher an Kaffee mit Milch als an Flusswasser. Pflanzen am Ufer, deren Blätter ins Wasser hineinragen, sind von einem ockerfarbenen Schlamm überzogen. „Alle reden über die braune Spree. Aber wir haben hier an der Pleiße ein Problem mit gleichem Gewicht“, sagt Andreas Berkner vom Regionalen Planungsverband Westsachsen.

Das Problem heißt Eisen- und Sulfatbelastung. „Das was wir jetzt an der Pleiße erleben, ist der Tribut an eine jahrzehntelange, intensive Bergbautätigkeit“, sagt Berkner. Aus der rund 60 Jahre alten, nicht besonders abgedichteten Witznitzkippe südlich von Leipzig gelangen Eisen und Sulfat über das wieder angestiegene Grundwasser in die Pleiße. Gefährlich im Sinne von giftig sei das nicht, erklärt Berkner. „Aber es beeinträchtigt die Gewässerökologie.“ In der braunen Brühe ist die Sicht eingeschränkt, Bakterien werden vom Schlamm erstickt.

Ähnlich wie im Spreewald wird auch in der Leipziger Region dringend nach Lösungen gesucht. Während für die Spree schon konkrete Pläne und Geld des Bergbausanierers LMBV auf dem Tisch liegen, wird in Leipzig noch abgewogen - vor allem zwischen Kosten und Nutzen. „Es steht vom Grundsatz her ein ganzes Bündel von Maßnahmen zur Verfügung“, sagt Berkner. Aber: „Alle Maßnahmen sind teuer.“ Berkner hofft, dass 2013 immerhin schon eine Grundaussage getroffen wird, wie die Belastung verringert werden kann.

Eine erste Idee nimmt Formen an. Rolf Schlottmann, Leiter Planung Mitteldeutschland bei der LBMV sagt: „Wir haben einen 250-Hektar-Großversuch in Vorbereitung, um in Zusammenarbeit mit einer Agrargenossenschaft Luzerne zu pflanzen.“ So soll die Grundwasserneubildung an der Witznitzkippe reduziert werden. Außerdem liefen technische Planungen, wie Sickerwasser sinnvoll aufgefangen werden könnte. Es tue sich einiges, heißt es bei der LMBV. Aber für die Lösung des Problems gibt es keine Blaupause, keine Erfahrungen aus anderen Gegenden, derer man sich einfach bedienen könnte.

An den Überlegungen sind neben der LMBV der Planungsverband, die Stadt und der Landkreis Leipzig und die Landesdirektion Sachsen beteiligt. Ein Plan soll möglichst schnell her, denn ähnlich wie in Brandenburg, wo die Tourismusanbieter im Spreewald Alarm geschlagen haben, steht auch in Leipzig Einiges auf dem Spiel. Die Pleiße ist Bestandteil des Gewässerverbundes im Leipziger Neuseenland, das aus gefluteten Braunkohletagebauen entstanden ist. Der Tourismus entwickelt sich. 2012 wurden in der Region mehr als eine halbe Million Übernachtungen gezählt, ein Plus von 19,1 Prozent im Vergleich zu 2011. Die positive Entwicklung soll nicht in braunem Pleißewasser untergehen.

Doch nicht nur die Tourismusanbieter sehen die Bergbau-Spätfolge mit Sorge, auch die Angler sind nicht begeistert. Noch zähle die Pleiße zu den 20 beliebsten Angelgewässern von rund 300 im Verbandsgebiet, sagt Matthias Kopp, Leiter Gewässerwirtschaft beim Leipziger Anglerverband. Man könne Barsche, Zander, Welse, Karpfen, Hechte und viele andere Fische fangen, die Wasserqualität sei den Umständen entsprechend gut. „Aber dort, wo sich der Ockerschlamm ablagert, erstickt alles andere Leben.“ Fischnährtierchen oder Laich - alles sei gefährdet, und damit langfristig auch der Fischbestand in der Pleiße.

Und noch eine andere latente Gefahr gehe von dem belasteten Wasser aus. „Bevor die Fische aussterben, werden in Leipzig Bauwerke zusammenbrechen“, sagt Kopp salopp. Regionalplaner Berkner formuliert es so: Sehr hohe Sulfatkonzentrationen seien „betonaggressiv“ - also problematisch für Brückenpfeiler und Mauern. Allerdings wolle er kein Katastrophenszenario entwerfen, betont Berkner. „Das ist ein Problem, von dem wir wussten, dass es irgendwann kommt. Nur kam es jetzt schneller und massiver als gedacht.“

dpa

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