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Lokales Tüftler aus Leipzig nutzte Flutlichtmast des Zentralstadions für Westfernseh-Empfang
Leipzig Lokales Tüftler aus Leipzig nutzte Flutlichtmast des Zentralstadions für Westfernseh-Empfang
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00:18 28.05.2017
Wolfgang Arnold hält sich heute noch mit Schachspielen fit.  Quelle: Christian Modla
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Leipzig

 Die riesigen Lichtmasten des alten Zentralstadions haben nicht nur für fernsehgerechte Bilder gesorgt (die LVZ berichtete), sondern Tüftler wie den heutigen Markkleeberger Wolfgang Arnold geholfen, in Leipzig das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) zu sehen. „Ich war 1969 Student und hatte mit unserem Mathematik-Dozenten, der in seiner Jugend in den Zwanzigerjahren ein leidenschaftlicher Rundfunkbastler war, auf privater Ebene allerlei elektronischen Schnickschnack“ gebaut, mailte der heute 72-Jährige an die LVZ, nachdem er den Beitrag „Vier Riesenmasten für das Stadion der Hunderttausend“ gelesen hatte. „Eines Tages machte er mir ein überaus verlockendes Angebot: Ich sollte ihm das ZDF auf sein heimisches TV-Gerät zaubern, was damals nur unter erheblichem materiellen Aufwand – riesige Antennenkonstruktionen, aufwendige Signalverstärker, Frequenzumsetzer und anderes – in Leipzig möglich war. Als Gegenleistung versprach er mir die Befreiung von der Mathematik-Abschlussprüfung, sowohl der schriftlichen wie auch der mündlichen. Zur Bedingung machte er eine weitgehend unauffällige Antenne, da der Empfang der Sender des ,Klassenfeindes‘ zwar nicht ausdrücklich verboten, aber in höchstem Grade unerwünscht war.“

Arnold grübelte tagelang nach einer Lösung, bis ihm eine Idee kam. „Der Dozent wohnte gegenüber dem Zentralstadion in der Max-Planck-Straße“, erinnert er sich. „Ich ging davon aus, dass es möglich sein müsste, einen der Flutlichtmasten als Reflektor und durch seine Höhe und große Oberfläche auch als Verstärker der schwach einfallenden Signale zu nutzen.“

Nach einigen Besuchen in der damaligen Deutschen Bücherei, in der man Zugang zu aller technischen Literatur auch des westlichen Auslandes hatte, baute Arnold als erstes einen Konverter, der das UHF-Signal in das VHF-Band umsetzen sollte, da das vorhandene Fernsehgerät nur in diesem Frequenzbereich arbeitete. „Die Bauteile dazu bekam ich im ,RFT-Amateur‘ in der Grimmaischen Straße – außer dem Herzstück, einem speziellen Transistor vom Typ AF 139. Den gab es nur im Ausland“, schildert der Diplom-Ingenieur für Polygrafie. „Ein Studienfreund aus dem damaligen Jugoslawien konnte ohne Probleme von Ljubljana nach Triest reisen und brachte mir zwei Exemplare von dort mit. Dann wurde noch ein Stehwellenmesser – ein über zwei Meter langes Ungetüm – zum exakten Einstellen der Frequenz des Konverters gebaut. Mit einer aus nur vier Elementen bestehenden Yagi-Antenne, die vor das Wohnzimmerfenster gehängt und auf einen Flutlichtstrahler ausgerichtet wurde, konnte es losgehen. Es hat zur allgemeinen Überraschung auf Anhieb geklappt und ich hatte die Mathe-Prüfung vom Hals. Wäre die ganze Sache ruchbar geworden, wäre ich wahrscheinlich exmatrikuliert worden. Dazu genügten schon geringere Verfehlungen. Aber alle Mitwisser haben dicht gehalten. Die Anlage funktionierte mehrere Jahre tadellos.“

Von Andreas Tappert

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