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Lokales Türkisches Jugendorchester mit Konzert über das Fremdsein
Leipzig Lokales Türkisches Jugendorchester mit Konzert über das Fremdsein
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00:18 20.03.2016
Volle Konzentration: Die Musiker von „Baris Icin Müzik“ bei der Probe an der Oper Leipzig. Quelle: André Kempner
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Leipzig

In sechs Tagen ein komplettes Konzertprogramm erarbeiten und auf die Bühne bringen: Dieses ehrgeizige Ziel verfolgen in dieser Woche rund 130 Kinder aus Leipzig und dem türkischen Istanbul.

Auf den Weg gebracht hat das Projekt die Oper Leipzig. Sophie Bauer, Leiterin des Kinder- und Jugendchors, reiste vor zwei Jahren in die Metropole am Bosporus, um sich dort die Proben des Jugendorchester „Baris Icin Müzik“ (Musik für den Frieden) anzusehen, war begeistert – und brachte die Idee einer Kooperation zurück nach Leipzig. „Das türkische Projekt zeichnet sich durch einen starken sozialen Charakter aus“, beschreibt Christian Geltinger, Chefdramaturg der Oper. „Das Ganze funktioniert fast wie ein Jugendzentrum, die Kinder erhalten dort neben dem Unterricht auch Essen und Betreuung.“ Vor allem das Unterrichtsprinzip hat es ihm angetan. Das Projekt sei völlig frei von politischer oder religiöser Einflussnahme, so Geltinger. „Es geht hier ausschließlich um die Musik.“

Derzeit umfasse „Baris Icin Müzik“ rund 300 aktive Mitglieder, die in drei Orchestern und einem Chor ihre musikalischen Fertigkeiten schulen, berichtet der 23-jährige Berker, der die Reise auf türkischer Seite als Koordinator begleitet. Und das mit wachsendem Erfolg: Mittlerweile sind die Jungmusiker in ganz Europa unterwegs, standen schon in zahlreichen Ländern auf der Bühne. In Leipzig widmen sie sich nun unter dem Titel „Weit, weit weg. Zu Hause“ dem Fremdsein und der Reise ins Unbekannte.

Die 65 türkischen Kinder und Jugendlichen sind in der Messestadt in Gastfamilien untergebracht. So sollen sie neben den gemeinsamen Proben mit dem Kinderchor der Oper auch die hiesige Kultur kennenlernen und die Stadt entdecken. Zusätzlich stehen Besuche im Zoo und im Grassi-Museum auf dem Programm.

„Hier ist alles ganz anders, vor allem die Architektur in den Straßen fasziniert mich“, beschreibt die 12-jährige Sude ihre Eindrücke. Gemeinsam mit der gleichaltrigen Derya ist die Violinistin bei Familie Kleinknecht im Waldstraßenviertel untergekommen. Die Kleinknechts haben sich mit einem kleinen Türkisch-Crashkurs auf die Gäste vorbereitet, wollen den Jugendlichen aber vor allem einen angenehmen Rückzugsraum bieten, in dem sie sich nach den straff strukturierten Proben entspannen können, wie Vater Niko erklärt. Das kommt gut an: „Alle hier lesen sehr viel, das ist bei uns zu Hause nicht so“, erklärt Sude. „Sie verbringen viel Zeit gemeinsam als Familie, führen viele Gespräche – und wir gehören jetzt für ein paar Tage dazu.“

Auch Ali und Muhammed freuen sich über ihre Zeit in Leipzig. Sie sind im Haus von Familie Mayer in Gohlis untergebracht. „Das Ganze war für uns schon ein bisschen wie eine Wundertüte“, gibt Vater Michael zu. „Aber dadurch, dass wir schon viele Austauschschüler aus ganz Europa zu Besuch hatten, sehen wir das eigentlich ziemlich entspannt“, so der 51-Jährige. Seine beiden Gäste freuen sich vor allem über die Gelegenheit, ein Konzert in einem fremden Land zu geben und neue Freunde kennenzulernen. „Ich kann hier eine neue Kultur aus der Nähe kennenlernen“, betont Ali. Tochter Magali jedenfalls freut sich schon darauf. „Ich möchte vor allem Spaß haben – und hoffe natürlich, dass das Konzert gut klappt.“

Davon können sich interessierte Besucher am Sonntag (20. März) in der Oper selbst ein Bild machen. Um 17 Uhr startet die Aufführung, Karten sind zum Preis von acht Euro erhältlich.

Von Bastian Fischer

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