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Lokales Tunnel unterm Ring: Leipzigs Ex-Baubürgermeister findet Idee „faszinierend“
Leipzig Lokales Tunnel unterm Ring: Leipzigs Ex-Baubürgermeister findet Idee „faszinierend“
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00:18 21.11.2016
Niels Gormsen. Quelle: André Kempner
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Leipzig

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„Dieser Vorschlag war auch schon zu meiner Zeit als Bau-Bürgermeister im Gespräch“, berichtet Gormsen. Zu seiner Zeit hätten sich aber letztlich mehr Planer dafür ausgesprochen, die Straßenbahn unter die Erde zu verbannen. „Das war in Hannover so und deshalb wollten sie es auch hier in Leipzig verwirklichen“, erzählt der Städteplaner, der von 1990 bis 1995 im Rathaus arbeitete und nach seiner Pensionierung in der Stadt geblieben ist. „Aber ich war immer gegen eine Unterpflasterstraßenbahn. Denn eine Straßenbahn ist für Fußgänger gedacht und muss deshalb ebenerdig erreichbar sein. Alles andere hat keine Zukunft. Im Alter merke ich jetzt auch, wie beschwerlich das Steigen von Treppen oder das Gehen von Steigungen ist.“

Gormsen räumt aber auch ein, dass unter den Ring-Fahrbahnen viele Überraschungen lauern werden, sollte die Idee umgesetzt werden. „Dort verlaufen viele Leitungen, sogar Abwasserstränge“, sagt er. Fast alle müssten verlegt werden. „Man sollte diesen Aufwand nicht unterschätzen.“

Das größte Problem sieht der Bürgermeister a.D. aber in den Rampen, durch die die Autofahrer zu den angedachten unterirdischen Ring-Fahrbahnen kommen müssten. Diese hätten eine erhebliche Länge und würden deshalb viel Platz beanspruchen. „Wir haben das schon einmal untersucht, als wir den Innenstadtring vor dem Hauptbahnhof untertunneln wollten“, erzählt Gormsen. „Das hat nicht funktioniert, weil die Rampen zu groß geworden wären.“ Aber auch in München verlaufe ein Teil des Innenstadtringes ziemlich lange unter der Erde.

Bei der jetzt von dem Leipziger Wolfgang Günthel ins Gespräch gebrachten Untertunnelung des gesamten Ringes müssten keine Rampen auf dem Ring entstehen, sondern an dessen Zufahrtsstraßen. „Diese Probleme ließen sich sicher an den potenziellen Tunnel-Zufahrten im Ranstädter Steinweg, in der Gerberstraße, im Grimmaischen Steinweg und am Peterssteinweg lösen, weil dort ausreichen Platz vorhanden ist oder geschaffen werden kann“, sagt er. „Aber in kleineren Straßen wie der Goethe- oder der Pfaffendorfer Straße ginge das wahrscheinlich gar nicht, selbst in der Käthe-Kollwitz-Straße wäre es schwierig.“

Trotzdem appelliert der Ex-Bürgermeister an seine Nachfolger, die Idee nicht ungeprüft zu lassen und mutig weiterzuverfolgen. „Man sollte diesen Gedanken nicht gleich ablehnen“, sagt er. „Ich könnte mir gut vorstellen, dass ich mich mit Herrn Günthel und anderen Interessierten zusammensetze und den Gedanken aus allen Richtungen untersuche – städtebaulich und verkehrlich. Dafür ist es noch nicht zu spät.“ Anschließend seien auch erste Aussagen über Kosten möglich.

Aus Gormsens Sicht gibt es viele nicht leicht lösbare Probleme, die geklärt werden müssen. Unter anderem die Frage, wie Lieferfahrzeuge künftig in die Innenstadt gelangen können. „Anfang der 90er Jahre hat Leipzig ja auch schon mal ernsthaft einen Anlieferungstunnel für die Innenstadt untersucht, der unter dem Neumarkt und unter der Reichsstraße verlaufen sollten“, regt er an.

Umfangreiche Untersuchungen wie diese seien auch sinnvoll, um Planungsfehler zu vermeiden, die es leider in und um Leipzig gebe. So fehle zum Beispiel eine direkte Verbindung vom Haltestellenkomplex Wilhelm-Leuschner-Platz zur darunter befindlichen S-Bahn-Station. „Da hat sich die Stadt wohl von der Bahn austricksen lassen“, meint der Senior. Auch die Schleuse vom Markkleeberg zum Störmthaler See sei eindeutig zu schmal ausgefallen. Ein großer vorhandener Ausflugsdampfer könne jetzt die Schleuse nicht passieren, weil sie zu knapp bemessen ist. „Das ist Unsinn – wer immer das entschieden hat.“

Nichts hält der Bürgermeister im Ruhestand von der Idee, den Leipziger Ring komplett von Autos zu befreien. Dies werde nicht funktionieren, glaubt er. „Eine Stadt ist eine Stadt – die vielen Autos gibt es nun mal schon“, so Gormsen.

Von Andreas Tappert

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