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Lokales US-Botschafter Richard Grenell zu Gast in Leipzig
Leipzig Lokales US-Botschafter Richard Grenell zu Gast in Leipzig
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09:36 09.06.2018
US-Botschafter Richard A. Grenell besucht Leipzig und eröffnet in der Thomaskirche das Bachfest: Peter Wollny, Michael Maul, Richard A. Grenell und Timothy Eydelnant (v.l.). Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Der umstrittene neue Botschafter hat ein straffes Besuchsprogramm zu absolvieren. Los geht es morgens im US-Generalkonsulat. Dort trifft sich Grenell mit Vertretern mehrerer Unternehmen zu einem 90-minütigen Austausch. Dabei sind unter anderem Joachim Lamla (kaufmännischer Geschäftsführer des Leipziger Porsche-Werks), der Leipziger Mariott-Hotel-Chef Peter Lorenz, Michael Heinz (Bell Flavors) und Ulrich Krauss (Analytik Jena).

Porsche-Chef äußert sich zurückhaltend

Lamla äußert sich im Anschluss zurückhaltend; schließlich sind die Drohungen von US-Präsident Donald Trump mit Strafzöllen für in die Staaten importierte Autos nicht vom Tisch. Gut ein Fünftel der hier produzierten flotten Flitzer werden in die Staaten exportiert. Lamla sagt, sein Unternehmen beobachte die laufenden Diskussionen „sehr aufmerksam“. Porsche insgesamt erziele rund ein Drittel des Absatzes in den USA. „Da wir dort nicht selbst produzieren, müssen wir die Situation ernst nehmen.“ Aber Porsche überstürze nichts und mache den zweiten Schritt nicht vor dem ersten. Unabhängig davon haben „wir großes Vertrauen in den Markt, der unverändert einer der wichtigsten für uns ist“. Nicht zuletzt, weil die Sportwagen-Schmiede dort mit die treuesten Kunden habe. So sei der Porsche Club of America mit 115 000 Mitgliedern – organisiert in 143 Regionen – der weltgrößte Club der Marke Porsche.

Der neue US-Botschafter Richard Grenell war am Freitag in Leipzig zu Gast. Sein Besuch in Bildern.

BMW-Chef sagt Gespräch mit Grenell ab

Seine Teilnahme am Gespräch abgesagt hat Hans-Peter Kemser, der Chef des Leipziger BMW-Werks. Er begründet das mit anderen, nicht aufschiebbaren Terminen. Acht Prozent der hiesigen Autos gehen in die USA. Beim Hybrid-Supersportwagen i8 liegt die Quote allerdings bei 24 Prozent. BMW hat in den USA seit 1994 in Spartanburg (South Carolina) eine Fabrik mit 100.00 Beschäftigten.

Mariott-Chef legt Wert auf problemlosen Tourismus

Peter Lorenz, Chef des Leipziger Mariott-Hotels, sagt, ihm komme es darauf an, dass die Menschen möglichst problemlos von einem Land ins andere reisen könnten. Das stärke den Tourismus, der auch für Leipzig wichtig sei. Mariott ist die größte Hotelkette der Welt mit Sitz in Bethesda im US-Staat Maryland an der Atlantikküste. Lorenz sagte, Konzernchef Arne Sorensen unterhalte enge Kontakte zur amerikanischen Regierung.

Beobachter: Chemie zwischen Grenell und OBM Jung stimmt

Im Anschluss an die Runde mit den Wirtschaftsvertretern geht es ins Neue Rathaus. OBM Burkhard Jung (SPD) hat Grenell eingeladen, sich ins Goldene Buch einzutragen. Er schreibt: „Vielen Dank für den Empfang in dieser wunderschönen Stadt.“ Jung begrüßt ihn im Protokollzimmer. Der Botschafter nutzt seine Zeilen im Goldenen Buch auch für eine Hommage an Leipzigs amerikanische Partnerstadt Houston, die dem Hundefreund Grenell einst eine Hündin geschenkt hat. „Der Botschafter will bald nach Leipzig zurückkehren“, verkündet OBM Jung. „Er interessiert sich auch für die Architektur unserer Stadt.“

Anschließend sprechen beide eine Dreiviertelstunde hinter verschlossenen Türen. Teilnehmer berichten, dass die Chemie zwischen Jung und Grenell stimme: Der OBM sei hoch erfreut, dass der US-Botschafter gleich zu Beginn seiner Amtszeit nach Leipzig gekommen ist; und Generell lässt wissen, dass er die Stadt als Zentrum Ostdeutschlands sieht und schätzt. Ähnlich wie Präsident Trump habe Grenell viel über Wirtschaft gesprochen, heißt es im Anschluss von Leipziger Seite. Es bahne sich eine intensivere Zusammenarbeit mit amerikanischen Firmen an. Leipzig hoffe auf neue Aufträge aus Amerika und wolle alles tun, um die Kontakte der hiesigen Firmen mit denen in Übersee zu vertiefen. Über Politik sei nicht gesprochen worden.

Grenell eröffnet Bachfest

Abends eröffnet der Diplomat das Bachfest. Hintergrund: das 25-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Leipzig und Houston. „Wir sind zwei große Länder – miteinander verbunden durch unzerbrechliche kulturelle und historische Bande“, erklärt Grenell. „Amerika liebt Johann Sebastian Bach! Danke für dieses Geschenk! Die Deutschen haben die amerikanische Kultur und Gesellschaft in vielerlei Hinsicht geprägt. Danke auch dafür!“

Schon nach kurzer Zeit umstritten

Grenell eckte während seiner kurzen Amtszeit schon häufiger an. Kurz nach Dienstantritt vor einem Monat forderte er deutsche Unternehmen via Twitter dazu auf, ihre Geschäfte im Iran „sofort herunterzufahren“. Anfang der Woche kündigte der Diplomat in einem Interview mit dem ultrakonservativen Onlineportal „Breitbart“ in London an, „konservativer Kräfte in Europa“ stärken zu wollen. Grenell outete sich dabei auch als Fan von Österreichs Kanzler Sebastian Kurz, den er als „Rockstar“ bezeichnete. Später ergänzte der Botschafter „Ich bleibe bei meinem Kommentaren, dass wir das Erwachen der schweigenden Mehrheit erleben – derjenigen, die die Eliten und deren Blase ablehnen. Und von Trump angeführt werden.“

Von mi/A.T./kfm

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