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Lokales US-Generalkonsul Eydelnant will neues Institut in Leipzig aufbauen
Leipzig Lokales US-Generalkonsul Eydelnant will neues Institut in Leipzig aufbauen
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00:27 02.08.2018
Timothy Eydelnant auf dem Balkon des US-Generalkonsulats in der Wilhelm-Seyfferth-Straße. Eydelnant zog 1989 als 16-Jähriger mit seinen Eltern aus Minsk in Weißrussland in die USA. Er arbeitet seit 2002 im US-Außenministerium und hat in Wien, im Irak, in Brasilien, Finnland, Russland und Israel als Diplomat gearbeitet. Neben Englisch spricht er fließend Russisch, Deutsch und Portugiesisch. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Vor welchen Herausforderungen steht die amerikanische Diplomatie vor Ort? Was treibt den US-Generalkonsul Timothy Eydelnant um, der seit einem Jahr im Amt ist?

Kleinere Standorte diplomatischer Vertretungen stehen immer mal wieder zur Disposition. Wie ist es um den Standort des US-Generalkonsulats in Leipzig bestellt?

Es gibt dieses Generalkonsulat seit 1826; es ist damit eines der ältesten der Welt, trotz der Pause zwischen 1941 und 1991. Unsere Präsenz hier in Leipzig, im Osten Deutschlands, ist extrem wichtig. Es ist das einzige Generalkonsulat des Westens in der Region, es ist das einzige US-Generalkonsulat in diesem Teil Deutschlands. Wir repräsentieren hier auch die westlichen Werte, nicht nur die der USA. Unsere diplomatische Arbeit hier ist vergleichbar mit dem, was wir in den 50er- und 60er-Jahren in Westdeutschland gemacht haben. Ich verdeutliche das meinen Kollegen in Berlin und Washington immer wieder, weil die Zukunft Deutschlands zu einem guten Teil im Osten liegt. Wir sind hier derzeit nur mit zwei Diplomaten und sechs Mitarbeitern vertreten. Ich hoffe, es werden in Zukunft wieder mehr.

Sie arbeiten auf eine Stärkung des Standorts hin.

Ja, und wir wollen noch mehr erreichen: ein deutsch-amerikanisches Institut in Leipzig. Es wäre das erste Institut dieser Art in Ostdeutschland; im Westen gibt es elf davon. Auch Kollegen aus amerikanischen Nachbarländern, aus Mexiko und Kanada, könnten dort mitarbeiten – die sind derzeit nur mit Botschaften in Berlin vertreten, haben aber keine Präsenz hier in der Region. Ich glaube, dass das gut wäre für Leipzig, für Sachsen und für ganz Mitteldeutschland. Übrigens rege ich andere amerikanische Institute und Organisationen immer wieder an, Veranstaltungen nach Mitteldeutschland zu bringen. Das ist auch wichtig für das Gefühl der Menschen: Sie sind ein Teil der Welt, ein Teil Europas, ein Teil Deutschlands.

Wer steht hinter der Einrichtung eines deutsch-amerikanischen Instituts?

Das Generalkonsulat, die Botschaft und die Universität Leipzig, die sächsische Staatsregierung: Ministerpräsident Michael Kretschmer hat mir gegenüber geäußert, dass das eine großartige Idee sei. Ich hoffe auch auf private Investoren und die Unterstützung der Stadt.

Wann könnte das Institut eröffnen?

Ich hoffe, im kommenden Jahr.

Wozu das alles, was soll da passieren?

Als Generalkonsulat können wir nur eine begrenzte Anzahl von Programmen und Projekten stemmen. Mit Hilfe dieses Instituts wäre viel mehr möglich. Wir würden uns an den erfolgreichen bestehenden Instituten im Westen orientieren. Es wäre unabhängig von der Regierung, es bietet Platz für Gespräche und Austausch, um die transatlantischen Beziehungen zu stärken.

Um die transatlantischen Beziehungen ist es ja gerade nicht so gut bestellt. Was können Sie da auf Ihrer Ebene noch tun?

Man muss sich mit Leuten treffen, mit den Menschen sprechen. Ein Beispiel: Wir haben seit letztem Jahr die Nato-Kolonnen in Richtung Polen, Litauen und Estland, die auch durch unsere Region führen. Vor allem auf dem Land höre ich immer wieder Fragen dazu: Was bedeutet das? Sind jetzt die Amis hier? Wir müssen da aktiver sein und mehr erklären – zum Beispiel mit öffentlichen Foren zu solchen Themen. Wir unterstützen zudem den kulturellen und gesellschaftlichen Austausch. Ich hoffe, dass es mehr Austausch gibt zwischen Red Bull Leipzig und den New York Red Bulls. Das wäre dann eine Art sportliche Diplomatie.

Dennoch: Die Situation der deutsch-amerikanischen und der europäisch-amerikanischen Beziehungen ist schwierig. Wie kann man das wieder aufbrechen und zu einem normalen Verhältnis kommen – auch mit einem US-Präsidenten, der schwer berechenbar ist?

Ich sehe zwei Arten von Beziehungen. Die von Hauptstadt zu Hauptstadt. Und die von Mensch zu Mensch. Diese subnationalen Beziehungen existieren, und sie sind richtig stark. Es gibt heute mehr Leute, die fragen: Was passiert in der Welt? Was bedeutet das für die internationalen Beziehungen? Gerade junge Leute interessieren sich für Amerika. In Leipzig und auch in Jena gibt es eine zunehmende Zahl an Amerikanistik-Studenten. Deshalb ist es für mich so wichtig, mich viel mit jungen Leuten zu treffen – zum Beispiel in Schulen, von Apolda bis Zwickau, von Sömmerda bis Wernigerode. In diesen Städten gibt es oft nicht viele Möglichkeiten, Amerikaner zu treffen. Ich versuche, Amerika zu erklären, Fragen zu beantworten. Ich treffe mich mit sehr vielen Menschen, natürlich auch mit Politikern, Unternehmern, Pressevertretern. Ich möchte für die Menschen das freundliche Gesicht der USA sein. Zu dieser Repräsentanz in den drei mitteldeutschen Bundesländern gehört auch unser Projekt „Consulate on wheels“ (Konsulat auf Rädern); meine Mitarbeiter und ich bringen unser Konsulat für einen Tag in andere Städte, wir waren schon in Magdeburg und Erfurt. Auf der anderen Seite: Im Oktober haben wir die Houston-Wochen in Leipzig mit vielen Veranstaltungen, das Boston-Symphonie-Orchestra kommt im September zu uns.

Aber bei all Ihren Gesprächen werden Sie sicher immer wieder angesprochen auf Ihren Präsidenten, auf seine Äußerungen, auf seine Isolationspolitik. Was sagen Sie dann?

Ja, natürlich gibt es diese Fragen. Die USA sind ein Mosaik verschiedener Meinungen und Kulturen. Amerika ist eine Demokratie, und er ist der demokratisch gewählte Präsident. Ein Teil unserer Aufgaben als Diplomaten ist es, unsere Regierung zu unterstützen. Der andere Teil ist es, unsere Werte zu repräsentieren: Gleichheit, Demokratie. Das ist für unsere beiden Länder ganz wichtig – und auch für mich persönlich.

Was machen Sie bei Ihren Gesprächen noch für Erfahrungen?

Man spürt, nicht so sehr hier in der Stadt, aber draußen auf dem Land, manchmal eine „alte Mentalität“: eine gewisse Ostalgie, die ganz starke Orientierung auf Absicherung. Das ist hier stärker verbreitet als im Westen. Aber ich denke, es ist auch eine Generationenfrage.

Wie ist die Zusammenarbeit mit dem russischen Generalkonsulat?

Die Beziehungen zwischen den Ländern waren in den vergangenen Jahren nicht einfach. Ich habe großen Respekt vor meinem russischen Kollegen Andrey Y. Dronov. Leipzig ist eine Stadt, in der wir offene Beziehungen brauchen. Ich war zum russischen Nationalfeiertag, und mein russischer Kollege war hier zu unserem Empfang zum 4. Juli. Wir brauchen immer einen Dialog, diese Beziehung ist wichtig. Wir müssen zusammenarbeiten, es gibt kein Kalter-Krieg-Szenario.

Wie fühlen Sie sich
nach einem Jahr in Leipzig
?

Vielleicht verläuft die Entwicklung manchem nicht schnell genug. Aber zu meiner Amtseinführung hat mir Oberbürgermeister Burkhard Jung einen Bildband geschenkt: Leipzig im Jahr 1991 und heute. Es ist einfach nur Wahnsinn, wenn man sich ansieht, was sich in dieser Zeit entwickelt hat. Die Stadt ist jung, hat eine Menge an positiver Energie und positivem Gefühl. Ich sehe für diese Stadt eine gute Zukunft. Leider bin ich als Diplomat nur drei Jahre hier. Das ist nicht genug Zeit, um ein Leipziger zu werden. Aber ich freue mich, hier zu sein. Ich habe in diesem einen Jahr mehr klassische Konzerte besucht als in meinem ganzen Leben, ich mag das „C’est la vie“ – wunderbare französische Küche oder auf ein kühles Ur-Krostitzer im Sommer. Die Stadt vermittelt ein Zuhause-Gefühl. Auch, weil alles in 15, 20 Minuten erreichbar ist.

Wie international ist die Stadt?

Schon sehr. Es gibt viele Städtepartnerschaften – aus meiner Sicht sind die Beziehungen nach Boston und Houston großartig. Es ist auch ein Teil meiner Arbeit, diese Beziehungen weiterzuentwickeln und zu unterstützen. Aber auch die Beziehungen und der Austausch mit Griechenland, Israel oder China sind gut; da gibt es eine Menge Bewegung. Das alles sorgt für ein Gefühl in dieser Stadt, das ich in anderen Städten der Region so nicht gespürt habe. Das macht Leipzig besonders und anders. Übrigens sorgt Red Bull Leipzig mit dafür – mit Spielern aus verschiedenen Ländern. Es freut mich, dass wir mit Jesse Marsch einen US-Trainer bei Red Bull haben. Es ist wichtig für die Entwicklung der Stadt, internationale Kontakte weiter auszubauen. Es müssen noch mehr Leute aus verschiedenen Ländern hierher kommen – davon wird die Stadt profitieren. Ich sehe meine Aufgabe als Generalkonsul auch darin, Botschafter der Stadt in der Welt zu sein. In den USA spreche ich mit Leuten, die noch nicht so viel von Leipzig gehört haben. Alle kennen München und Hamburg, aber Leipzig ist für viele immer noch relativ neu. Wir hatten übrigens im vergangenen Jahr mehr Touristen aus den USA in Leipzig als aus allen anderen Ländern.

Von Björn Meine

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