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Lokales „Über 80 Prozent unserer Absolventen vermittelten wir in Arbeit“
Leipzig Lokales „Über 80 Prozent unserer Absolventen vermittelten wir in Arbeit“
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14:02 07.11.2018
Symbolische Schlüsselübergabe beim Berufsförderungswerk Leipzig: Der langjährige Geschäftsführer Alois Fischer (66, rechts) mit seinem Nachfolger Jörg Beenken (47). Quelle: Michael Lindner
Leipzig

Nach mehr als 22 Jahren ist Alois Fischer, Geschäftsführer des Berufsförderungswerkes Leipzig (BFW Leipzig), kürzlich in den Ruhestand getreten. Im Interview spricht der 66-Jährige über Millionen-Investitionen, Vermittlung von Arbeitssuchenden und künftige Aufgaben des BFW.

Seit mehr als 22 Jahren haben Sie das Berufsförderungswerk in Leipzig geführt. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Mit einem Wort: positiv. Am 1. April 1996 stand ich vor einer großen Baugrube. Was nicht heißen soll, dass wir damals ganz am Anfang standen. Es war für damalige Verhältnisse schon eine solide Basis vorhanden. Und wir haben darauf aufbauend das BFW in den vergangenen 22 Jahren zu einem sehr starken Bildungsträger entwickeln können. Wir zählen zu den besten Sieben unter den Berufsförderungswerken in ganz Deutschland.

Können Sie das in Zahlen festmachen? Etwa, wie viele Menschen beruflich weitergekommen sind durch die Hilfe des BFW?

Wir haben mehr als 10 000 Menschen durch unsere Angebote die Chance gegeben, wieder eine neue gesundheitsgerechte Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden. In 51 Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation in unserem Haus in Leipzig und unseren Außenstellen findet die Vorbereitung auf den neuen Arbeitsabschnitt statt. 1996 waren es nur drei angebotene Maßnahmen. Die Vermittlungsquote lag im Juni dieses Jahres durchschnittlich bei über 80 Prozent. Das ist vor allem die positive Bilanz, die ich für mich und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ziehen kann.

64 Millionen Euro investiert

Wie hat sich die Ausstattung im Laufe Ihrer Zeit verändert? Gab es Investitionen und in welcher Höhe?

Ich sagte ja schon, dass ich 1996 vor einem großen Bauloch stand. Hier entstand ein moderner Ausbildungskomplex samt Internat mit 296 Zimmern sowie einer Physiotherapie, Sport- und Gesundheitsbereich und nicht zu vergessen eine Küche, die täglich mittags über 800 Essen zubereitet. Auch wenn es sich damals um einen Neubau handelte, sind seit der Eröffnung 1999 fast 20 Jahre vergangen. Wir haben Modernisierungen in dem Gebäude in den vergangenen Jahren begonnen und führen die Sanierung der Ausbildungsräume auf einen modernen Standard fort. Im Laufe der Jahre wurden zudem die beiden alten Kasernengebäude an der Georg-Schumann-Straße saniert und auf Vordermann gebracht. Mit moderner Ausstattung, zukunftsweisender Umwelttechnik für das Raumklima und denkmalgerecht an der Fassade. Und, wir bauen immer noch, ein Erweiterungsbau entsteht für unser berufliches Trainingszentrum. Die Eröffnung der Trainings- und Ausbildungsräume für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen ist im nächsten Sommer. Summa summarum haben wir über 64 Millionen Euro in Bau und Sanierung von Gebäuden investiert.

Mussten Sie dafür hart streiten, um Unterstützung zu bekommen?

(Alois Fischer lacht). Wissen Sie, wir haben doch alle, also die Deutsche Rentenversicherung, die Agentur für Arbeit, das Jobcenter oder die Unfallkrankenkassen als Leistungsträger und wir als BFW Leipzig ein Ziel: Menschen auf den Weg zurück in Arbeit zu bringen. Wenn man sich an dem Ziel orientiert, dann kann man sich um wichtige Details streiten. Letztlich, und das zeigen unsere Zahlen, haben wir alle gemeinsam vielen Menschen eine Teilhabe am Arbeitsleben ermöglicht. Die Leistungsträger und wir als Leistungserbringer.

Wohin floss das Geld?

In erster Linie haben wir das Geld genommen, um den Teilnehmern eine hohe Qualität der Umschulungen und Qualifizierungen zu gewährleisten. Dazu zählte in erster Linie die Investition in gut geschulte Fachkräfte: Ausbilder, Psychologen, Assessmentmitarbeiter, Personalberater, Bildungsbegleiter und selbstverständlich Mitarbeiter der Dienstleistungsabteilungen im eigenen Haus und der Verwaltung. Ein weiterer wichtiger Punkt war die moderne Ausstattung unserer Ausbildung. Dafür werden wir von den Unternehmen, die unsere Absolventen einstellen, immer wieder gelobt. Wir sind technisch und technologisch auf Augenhöhe mit der Wirtschaft. Das ist eine gute Voraussetzung für alle Teilnehmer, nach ihrer Umschulung eine passende Arbeitsstelle zu finden. Ich wiederhole es nochmals: Wir haben sehr viel Geld für die Bauinvestitionen in die Hand genommen.

Solide Basis für die Zukunft

Wer hat die Finanzierung dieser Verbesserungen übernommen?

Am Anfang bekam das BFW Leipzig eine Anschubfinanzierung durch den Freistaat und den Bund. Von den Kostenträgern, also Rentenversicherung und Arbeitsverwaltung wurden an uns verzinsliche Darlehen ausgereicht – und die wir alle bereits zurückgezahlt haben. Darauf sind wir verständlicherweise ganz schön stolz. Mittlerweile können wir für unsere Investitionen eigenerwirtschaftete Mittel einsetzen. Wir haben uns damit für die Zukunft, was immer diese auch bringen mag, eine solide Basis geschaffen.

Was hat das BFW unter Ihrer Ägide dem Freistaat und der Stadt Leipzig konkret gebracht?

Oh, jetzt muss ich als Ökonom wieder ein paar Zahlen auf den Tisch legen. Da ist zum Ersten die Personalentwicklung: Mit 107 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern habe ich begonnen. Jetzt sind im BFW Leipzig 250 Menschen tätig. Dann als Zweites die erwähnten Teilnehmer, die durch eine unserer Umschulungen und Qualifizierungen wieder eine neue Arbeit aufnehmen konnten. Und Drittens sehe ich unser Betriebsergebnis, das wir durch unsere Arbeit erreichen. Ende 2017 waren es knapp 24 Millionen Euro. Zum Vergleich: 1996 schafften wir nur rund acht Millionen Euro. Das ist eine Verdreifachung. Und Viertens kommen noch die Investitionen dazu. Sage und schreibe haben wir allein im vorigen Jahr durch Gehälter der Mitarbeiter und Übergangsgelder unserer Teilnehmer, Einkauf und Investitionen eine Kaufkraft von über 30 Millionen Euro für die Region und die Stadt Leipzig erarbeitet.

Ist das BFW nur eine Art ABM?

Nein, überhaupt nicht. Ich erwähnte schon, dass wir über 80 Prozent unserer Absolventen in Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt vermitteln konnten. Die anderen Teilnehmer sind aus gesundheitlichen Gründen nicht in Arbeit gekommen oder haben eine Anschlussqualifizierung begonnen. Ziel unserer Arbeit ist, dass alle Teilnehmer wieder in Arbeit kommen.

Übernimmt das BFW letztlich nicht Aufgaben, die eigentlich die Arbeitsagentur erfüllen müsste?

Im Grunde genommen – als Partner der Agentur für Arbeit und der Deutschen Rentenversicherung – schon. Für die beiden Leistungsträger, die uns die größte Zahl an Teilnehmern empfehlen, übernehmen wir die Aufgabe der beruflichen Rehabilitation. Diese endet nicht nur mit einem Kammerabschluss oder einem Zertifikat. Nein, wir vermitteln die Menschen in Arbeit. Dabei sind wir auf die Wirtschaft angewiesen. Und diese weiß um die Qualität unserer Ausbildung. Also, ja, wir sind ein Teil des Systems, um Menschen am Arbeitsleben wieder teilhaben zu lassen. Das ist gerade in der Zeit eines wachsenden Fachkräftemangels ein entscheidender Beitrag, den das BFW Leipzig parallel zur Agentur für Arbeit leisten kann.

Starkes und motiviertes Team

Was ist in Ihrer Chef-Zeit nicht so gelaufen, wie Sie es sich vorgestellt hatten?

Bis auf Kleinigkeiten ist eigentlich alles ziemlich so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Und, worüber ich mich geärgert habe, wird mit zeitlichem Abstand immer mehr zur Nichtigkeit. Darum – passt schon!

Welchen Tipp geben Sie Ihrem Nachfolger Jörg Beenken mit auf den Weg?

In den Zügen gab es früher immer ein schönes Plakat: „Wer in die Fußstapfen eines Anderen tritt, hinterlässt keine eigenen Spuren.“ Auf alle Fälle kann sich Jörg Beenken auf ein starkes und motiviertes Team verlassen. Darauf kann er bauen in guten und in schlechten Zeiten.

Ziehen Sie sich nun gänzlich aus beruflichen Angelegenheiten zurück?

Bislang konnte ich mit Verweis, dass ich ja noch aktiv tätig bin, alle Anfragen abwehren. Ich befürchte aber, dass das mir in Zukunft nicht mehr möglich sein wird. Allerdings möchte ich eines: Von einem vollen Terminkalender zum nächsten übergehen – oder sagen wir es mal so, ich will es zumindest versuchen.

Kehren Sie Sachsen den Rücken?

Nein, ich bleibe ein Wossi. Sachsen ist über die 22 Jahre meine Heimat geworden. Ich fühle mich hier wohl, habe hier meinen Freundeskreis und werde auch zukünftig in Delitzsch wohnen bleiben.

Von Ulrich Langer

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