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Übergriffe von Ausländern zu Silvester auch in Leipzig

Ermittlungen gegen Antänzer Übergriffe von Ausländern zu Silvester auch in Leipzig

Es erinnert an die schlimmen Ereignisse von Köln: Arabischstämmige Männer tanzen in der Silvesternacht mitten in Leipzig mehrere Mädchen an. Ein Zeuge wählt den Notruf 110, niemand geht ran. Die Täter stehlen Portemonnaie und Handy, ziehen weiter. Es war nicht der einzige Vorfall mit Antänzern in dieser Silvesternacht, wie Recherchen der LVZ zeigen.

Die Polizei ermittelt nach Übergriffen in der Silvesternacht in Leipzig.
 

Quelle: dpa

Leipzig. Arabischstämmige Männer bedrängen in der Silvesternacht mitten in der Leipziger Innenstadt mehrere Mädchen. Ein Zeuge wählt den Notruf 110, doch niemand geht ran. Die Täter stehlen Portemonnaie und Handy, ziehen weiter. „Was aber wäre gewesen, wenn es sich wie in anderen aktuellen Fällen um ein Sexualdelikt gehandelt hätte?“, fragt der Zeuge vor dem Hintergrund der schlimmen Ereignisse in Köln. Wäre eine solche schwere Straftat womöglich auch hier nicht zu verhindern gewesen? Die Polizei will den Fall prüfen – und räumte auf Nachfrage der LVZ ein: Es kam in dieser Nacht zu weiteren Übergriffen.

Marcel J. (33) feierte den Jahreswechsel mit seiner ägyptischen Freundin und deren Bruder auf dem Augustusplatz. Es war gegen 0.30 Uhr, als sich die Menge allmählich lichtete. „Die allgemeine Stimmung war zu dieser Zeit ziemlich aufgeladen“, berichtete der Doktorand. „Wir haben einige Auseinandersetzungen mit arabischen Männern in der näheren Umgebung gesehen.“ Gegen 0.40 Uhr beobachtete er drei arabischstämmige Männer, etwa Mitte 20, die sich auffällig dicht neben vier junge Mädchen stellten. „Plötzlich sah ich dann, dass einer der Männer etwas, was wie ein Portemonnaie aussah, mit der linken Hand aus Richtung des Mädchens holte, es hinter seinem Rücken in die rechte Hand nahm und an einen anderen Mann weitergab.“

Marcel J. folgte dem Dieb, hielt ihn am Arm fest, verletzte sich bei der Rangelei. Der Tatverdächtige – ein Marokkaner, wie sich herausstellte – leerte seine Taschen und beteuerte seine Unschuld. „Leider ging alles so schnell, dass das Diebesgut bis dahin schon mehrfach von einer Person an eine andere weitergereicht wurde und er natürlich nichts mehr in den Taschen hatte“, so Marcel J. Auf einmal war er von sieben, acht Arabern umringt, die auf ihn einredeten. „Die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf mich losgehen könnten, war nicht unbedingt klein.“ Der 33-Jährige trainiert zwar seit vielen Jahren Kampfsport, rief aber sicherheitshalber den Polizeinotruf 110 an. Weil er niemanden erreichen konnte, musste er den Dieb wieder laufen lassen. „Wenn die Polizei schnell gekommen wäre, hätte sie wenigstens einen Ermittlungsansatz gehabt, um an die anderen Mitglieder der offenbar organisierten Bande heranzukommen“, sagte Marcel J. „Ich bin sehr enttäuscht, dass man so im Stich gelassen wird.“

Polizeisprecher Andreas Loepki räumte Versäumnisse ein. „Dass der Anruf des Herrn J. verpasst wurde, ist natürlich und ohne Zweifel ein nicht zufriedenstellender Fakt.“ Um 0.43 Uhr habe der Zeuge die 110 gewählt, Verbindungsdauer 46 Sekunden. „Währenddessen waren alle elf Arbeitsplätze des Führungs- und Lagezentrums besetzt“, so der Behördensprecher. Fünf Mitarbeiter seien mit anderen Notrufgesprächen befasst gewesen, einer habe Rücksprache mit der Rettungsleitstelle geführt, zwei seien mit der funktechnischen Führung von Einsatzfahrzeugen beschäftigt gewesen, drei mit der telefonischen Koordinierung von Einsatzmaßnahmen mit unterstellten Organisationseinheiten.

Allerdings seien zum Zeitpunkt des Anrufs schon spezielle Einsatzkräfte zum Augustusplatz ausgerückt. Denn bereits um 0.41 Uhr wurde eine Massenschlägerei von rund 20 Personen gemeldet. Vorausgegangen war ebenfalls ein Handyraub: Mehrere Unbekannte hatten einen Syrer (24) umringt, attackiert und sein Telefon genommen. Kurz darauf schlug ein Syrer (28) einem Tunesier (23) eine Flasche auf den Kopf.

Minuten später verdichteten sich erstmals Hinweise, dass eine größere Bande das Gedränge in der Silvesternacht gezielt für Raubzüge nutzt. Eine Marokkanerin (22) informierte Beamte gegen 0.45 Uhr, dass mindestens drei Antänzer und Umarmer unterwegs sind, die eine junge Frau als „Bunker“ für ihre Beute nutzten. Tatsächlich stießen Polizisten auf eine Ukrainerin (17), die fünf offenbar gestohlene Mobiltelefone bei sich hatte. „Noch vor Ort klingelte eines der Telefone, da es die eigentliche Besitzerin, eine 23-jährige Deutsche, über einen anderen Anschluss angewählt hatte“, schilderte Loepki. Die eigentlichen Bandenmitglieder wurden jedoch nicht gefasst. „Es konnten nur Erkenntnisse über eine Gruppe von etwa zehn jungen Männern südländischen oder arabischen Typus erlangt werden“, so der Polizeisprecher.

Allein auf dem Augustusplatz ereigneten sich in der Silversternacht zwischen 20 und 4 Uhr acht Delikte, die laut Polizei dem Trickdiebstahl des Antanzens/Umarmens zugeordnet werden können oder einen solchen Verdacht nahelegen. Wie viele Taten es im übrigen Stadtgebiet waren, lasse sich nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand ermitteln. Nach einer ersten Datenrecherche des Landeskriminalamtes waren es mindestens elf. Im Unterschied zu Köln und anderen Städten handele es sich aber ausschließlich um Delikte im Bereich der Eigentumskriminalität, betonte die Polizei. Zu sexuellen Übergriffen auf Frauen sei es zumindest nach bisherigen Erkenntnissen nicht gekommen.

Von Frank Döring

Leipzig Augustusplatz 51.338934 12.380981
Leipzig Augustusplatz
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