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Lokales Überraschende Erkenntnis: Eisvogel pfeift auf den Bootsverkehr
Leipzig Lokales Überraschende Erkenntnis: Eisvogel pfeift auf den Bootsverkehr
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23:12 15.03.2018
Ein Forschungsprojekt ergab jetzt, dass der Eisvogel sein Fütterungsverhalten nicht von der Anzahl der Boote im Floßgraben abhängig macht. Quelle: Montage: Patrick Moye/Fotos: André Kempner/dpa
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Leipzig

Eine echte Überraschung gab es gestern zur Vorstellung des Leipziger Eisvogel-Monitoring-Berichtes für 2017. Vor zehn Jahren nahm das wassertouristische Nutzungskonzept der Messestadt richtig Fahrt auf. Seither wurde um kein anderes Thema so viel gestritten wie um die Frage, ob der Bootsverkehr im Floßgraben dem etwa 40 Gramm leichten Fischjäger schadet. Offenbar nicht, lautete nun das Fazit von elf Ganztagesbeobachtungen, die erstmals zusätzlich zu den üblichen 45 Kontrollgängen pro Jahr stattfanden.

Nahrungsbedarf der Jungen entscheidend

„Die Fütterungsintensität wird von der Anzahl und dem Nahrungsbedarf der Jungen in den Bruthöhlen bestimmt. Ein Zusammenhang mit der Menge der Boote auf dem Gewässer ist nicht erkennbar“, berichtete Jens Kipping von der Tauchaer Firma BioCart. Sie führt seit Langem das wissenschaftliche Monitoring im Auftrag der Stadt durch. „An manchen Tagen mit doppelt so viel Bootsverkehr auf dem Floßgraben gab es sogar mehr Fütterungen als an störungsarmen Tagen. Andererseits legt der Eisvogel auch ohne Bootsdurchfahrten oft lange Fütterungspausen ein“, erklärte Kipping weiter. „Da ist überhaupt keine Korrelation erkennbar.“ Gleiches gelte für die Zeiten, die der Eisvogel zur Pflege seines Gefieders, für Badeflüge, Ruhepausen oder das „Sozialverhalten“ bis hin zum Balzen nutzt.

Ein Singvogel mit viel Freizeit

Laut den Beobachtungen, die stets von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang aus einem Tarnzelt heraus stattfanden, hat der Eisvogel relativ viel Freizeit. „Er füttert seinen Nachwuchs ausschließlich mit kleinen Fischen, die sehr nahrhaft sind.“ Dafür benötige er weniger Zeit als andere Singvögel, die Insekten füttern. Trotzdem seien die von der Kommune für den Bootsverkehr im Floßgraben verhängten Sperrzeiten weiterhin wichtig, betonte der Wissenschaftler. Das gelte besonders für jene Termine, die auch bei unerfahrenen Paddlern sehr beliebt sind – zu Feiertagen wie Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten und an den Wochenenden.

Störungsfreie Zeiten weiterhin wichtig

In jedem Fall sei die Datenmenge noch zu klein, als dass die Stadt von ihrem bisherigen Konzept zum Schutz des Eisvogels abweichen könnte, pflichtete Angelika Freifrau von Fritsch – die Leiterin des Umweltamtes – bei. Wie berichtet, gilt seit 1. März wieder eine Einschränkung, laut der muskelbetriebene Boote bis Ende September den Floßgraben nur von 11 bis 13 Uhr, 15 bis 18 Uhr und 20 bis 22 Uhr befahren dürfen. Das werde erneut regelmäßig kontrolliert, kündigte von Fritsch an. 2017 sei die Zahl der geahndeten Verstöße auf 45 gesunken. 2016 habe es noch 135 Bußgelder oder härtere Strafen gegeben. „Anträge auf Genehmigungen für Motorboote wie das umweltfreundliche LeipzigBoot gab es seit 2015 nicht mehr.“

2017 nur zehn Brutpaare registriert

Nach dem Rekordjahr 2016 mit 20 erfolgreichen Brutpaaren (die bis zu dreimal pro Saison sechs bis sieben Küken aufziehen) haben sich die Eisvogel-Bestände in Leipzig im vergangenen Jahr halbiert. Grund dafür seien strenge Fröste im Januar 2017 gewesen, sagte Kipping. Solche Schwankungen seien aber nichts Ungewöhnliches. Etwa 70 Prozent der Jungtiere überlebten den ersten Winter nicht. Die gute Nachricht: Am Floßgraben ließen sich 2017 zwar nur zwei Brutpaare nieder, sie konnten jedoch fünfmal Nachwuchs aufziehen. 2016 waren es bei vier Brutpaaren nur ebenso viele Jungtiere.

Von Jens Rometsch

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