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Lokales Überraschung bei Plagiatsanhörung: Leipzigs Jugendamtsleiter Haller erkämpft Aufschub
Leipzig Lokales Überraschung bei Plagiatsanhörung: Leipzigs Jugendamtsleiter Haller erkämpft Aufschub
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21:42 31.01.2012
Kämpft weiter um seinen Doktortitel: Leipzigs Jugendamtsleiter Siegfried Haller. Quelle: Andr Kempner
Leipzig/Halle

Wie LVZ-Online aus Hochschulkreisen erfuhr, präsentierte der 57-Jährige am Ende der zweistündigen Sitzung an der Universität Halle überraschend ein Schriftstück, das die erwartete Vorentscheidung des Promotionsausschusses platzen ließ.

Das Gremium sollte eigentlich darüber urteilen, ob Haller bei seiner 2003 eingereichten Dissertation abgeschrieben hat, und eine Empfehlung für oder gegen die Aberkennung des Doktortitels an den Fakultätsrat aussprechen. Bei der nicht-öffentlichen Anhörung Hallers und seines Anwalts an der Martin-Luther-Universität (MLU) übergaben die beiden den acht Professoren jedoch ein rund 20-seitiges Dokument. Wie Haller am Abend gegenüber LVZ-Online erklärte, handele es sich dabei um eine „juristische Ausarbeitung dessen, was zuvor bereits mündlich dargelegt wurde“.

Jugendamtsleiter optimistisch die

Täuschungsv

orwürfe auszuräumen

Der promovierte Soziologe äußerte sich optimistisch, das Gremium von der Wissenschaftlichkeit seiner Doktorarbeit zu den sozialen Folgen eines Sanierungsgebiets in Ludwighafen am Rhein zu überzeugen. „Ich gehe davon aus, den Vorwurf einer Täuschung ausräumen zu können“, erklärte der Leiter des Amtes für Jugend, Familie und Bildung im Gespräch mit LVZ-Online.

Mehrere Monate lang habe er sich „intensiv“ auf die Anhörung vorbereitet, sagte Haller. „Ich hatte ausreichend Zeit, mich noch einmal gründlich mit den Unterlagen zu beschäftigen. Ich habe versucht, aus meiner Erinnerung den gesamten Verlauf der Erstellung der Arbeit zu rekonstruieren“, so der 57-Jährige. Er betonte, dass er alle verwendeten Quellen lückenlos genannt habe. „Die Angaben sind enthalten und die Gutachter haben sie auch gelesen.“

Freiwilliger Verzicht auf Doktortitel kommt für Haller nicht in Frage

Gegen diese Doktorarbeit von Siegfried Haller richten sich die Vorwürfe: „Das Sanierungsgebiet Hemshof in Ludwigshafen am Rhein. Eine Bilanz von 30 Jahren baulicher Erneuerung und sozialer Veränderung“. Quelle: André Kempner

Er wolle sich der Diskussion stellen, weigere sich aber, seinen Doktortitel freiwillig zurückzugeben, sagte Haller. „Die Frage stellt sich für mich nicht. Es hat mich sehr viel Fleiß gekostet, diese Arbeit anzufertigen, ich habe jahrelang in Archiven gewühlt und glaube, dass die Arbeit einen Erkenntnisfortschritt in ihrem Bereich bewirkt hat.“

Gutachter der MLU hatten im Oktober bei einer nachträglichen Prüfung der mit „cum laude“ (mit Lob) bewerteten Dissertation festgestellt, dass Haller wissenschaftliche Standards grob missachtete, da er verwendete Quellen nicht korrekt kennzeichnete. Auf der Online-Seite VroniPlag, wo die Plagiate im Juli 2011 enthüllt wurden, lässt sich nachzuvollziehen, dass der Jugendamtsleiter auf rund 80 von knapp 400 Seiten seiner Promotion Textstellen aus anderen Werken nahezu unverändert übernommen hat. Dabei verwendete er jedoch keine Zitate, sondern kopierte stattdessen Passagen teilweise eins zu eins mit allgemeinen Verweisen zu den jeweiligen Quellen.

Promotionsausschuss entscheidet im März

Haller ist seit dem Jahr 2000 Jugendamtsleiter in Leipzig, seine Doktorarbeit entstand neben seiner beruflichen Tätigkeit „quasi als Hobby“, wie er selbst sagt. Seit 2004 ist der studierte Diplom-Soziologe und Sozialpsychologe auch als Dozent und Betreuer von Abschlussarbeiten an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in Leipzig tätig.

[gallery:500-1078258993001-LVZ] Die Vorentscheidung über den Doktortitel wurde nun auf Anfang März verschoben – dann soll der Promotionsausschuss erneut zusammenkommen, um den Inhalt des Schreibens auszuwerten. Haller wird dabei nicht anwesend sein. Über die Empfehlung der acht Professoren entscheidet letztlich der Fakultätsrat. Dessen Zustimmung gilt jedoch als wahrscheinlich.

Robert Nößler

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