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Lokales Überreste einer lauen Nacht: Sachsenbrücke im Leipziger Clara-Zetkin-Park hat ein Müllproblem
Leipzig Lokales Überreste einer lauen Nacht: Sachsenbrücke im Leipziger Clara-Zetkin-Park hat ein Müllproblem
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19:05 22.04.2013
Leere Flaschen, Kronkorken, Zigarettenstummel: Auf der Sachsenbrücke im Leipziger Clara-Zetkin-Park häuft sich nach einer lauen Frühlingsnacht der Müll. Quelle: Manuel Binternagel
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Leipzig

Die Folgen werden dieser Tage wieder allmorgendlich sichtbar: Zurückgelassener Abfall liegt auf dem Gehweg, zerbrochene Glasflaschen zwingen Radfahrer zum Slalomkurs – Leipzigs Partybrücke hat ein akutes Müllproblem.

„Viele Leute sind einfach zu faul oder zu betrunken, um ihren Abfall ordentlich zu entsorgen“, meint Sören Reichert. Der 21-Jährige sitzt gerne mit seinen Freunden Frederic Zahn und Michael Geib auf dem Gehweg und genießt die Abendsonne. Wie viele Sachsenbrücken-Besucher ärgert er sich darüber, dass ein Teil der Feiernden ihren Müll einfach liegen lässt. Schließlich steht in direkter Nähe an der Anton-Bruckner-Allee eine große Mülltonne.

Vom Geheimtipp zur Partybrücke

„Seit etwa zwei Jahren hat sich eine regelrechte Partyszene an der Sachsenbrücke etabliert“, weiß Elke Franz, stellvertretende Betriebsleiterin der Stadtreinigung. An warmen Tagen kommen teils mehr als 100 Menschen spontan zum Feiern oder einfach nur zum Entspannen. Spätestens seit der Singer-Songwriter Clueso im Sommer 2011 hier seine Gitarre für ein spontanes Unplugged-Konzert auspackte, gilt die Sachsenbrücke keinesfalls mehr als Geheimtipp für die Freiluft-Abendgestaltung in der Messestadt.

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Der Reinigungsaufwand habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, berichtet Franz. Normalerweise werde die Sachsenbrücke samt Gehwegen jeden Dienstag mit Kehrmaschinen gesäubert. Inzwischen müsse die Nachtschicht im Sommer jedoch immer häufiger an zusätzlichen Tagen zur Reinigung anrücken. Denn vor allem von den Glasscherben gehe eine erhebliche Gefahr für Radfahrer und Fußgänger aus.

Ursache für das Müllproblem ist nach Ansicht der Stadtreinigung eine „mangelnde Bereitschaft zur Ordnung und Sauberkeit“ bei vielen Besuchern. Dem stimmt auch Leipzigs Ordnungsamtsleiter Helmut Loris zu. Er verweist darauf, dass sich durch Eis- und Kaffeestände rund um die Brücke die Aufenthaltsqualität und damit auch die Besucherströme deutlich erhöht hätten. „Dadurch haben auch die Abfälle zugenommen“, so Loris.

Besucher fordern mehr Mülleimer

Das Ordnungsamt hat bereits reagiert und seine Kontrollen verstärkt – offenbar ohne Erfolg. Vor allem jugendliche Parkbesucher würden von Mitarbeitern des Stadtordnungsdienstes aufgefordert, ihren Müll einzusammeln, so Amtsleiter Loris. Zudem hätten die mobilen Händler als Auflage zur Standgenehmigung das Mitführen eines Abfallbehälters erhalten. Doch die Müllberge entstehen meist in der Nacht – die Imbisswagen sind da längst verschwunden.

Auf der Facebook-Seite von LVZ-Online ist eine hitzige Diskussion über das Thema entbrannt. Bei vielen Brückenpassanten hat sich der Ärger angestaut – sie fordern die Stadt zum Handeln auf. „Das Problem besteht seit Jahren“, schreibt ein User, „und es ist scheinbar ein Ding der Unmöglichkeit, dort eine oder mehrere Mülltonnen aufzustellen.“ „Es sind zu wenige“, meint auch Sören Reichert. Anlass zum Anbringen neuer Papierkörbe, beispielsweise am Brückengeländer, sieht die Stadtreinigung jedoch nicht. Der große Container neben der Brücke reiche aus und werde zweimal wöchentlich geleert, teilt Elke Franz auf Anfrage von LVZ-Online mit. Außerdem stünden im Clara-Park weitere 53 Papierkörbe und drei Abfalltonnen bereit.

Fotos vom Clueso-Spontankonzert 2011 auf der Sachsenbrücke:

Wenn jemand dabei erwischt wird, wie er seinen Müll zurücklässt, drohen in Leipzig drastische Bußgelder. Bis zu 50.000 Euro seien bei Verstößen gegen die Abfallwirtschaftssatzung möglich, so Ordnungsamts-Chef Loris. Strafen wurden an der Sachsenbrücke aber bislang noch nicht ausgesprochen.

„Bußgelder für die Müllverursacher würden sicherlich auch nichts bringen“, denkt Sachsenbrücken-Stammgast Sören Reichert. Stattdessen appelliert er ebenso wie die Behörden an die Vernunft der Besucher – denn in den eigenen Scherben des Vortags will schließlich keiner gerne sitzen.

Robert Nößler

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