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Überreste jüdischer Geschichte fallen in Leipzig Bauarbeiten zum Opfer

Fußballverein „SK Bar Kochba“ Überreste jüdischer Geschichte fallen in Leipzig Bauarbeiten zum Opfer

Auf der Delitzscher Straße im Leipziger Stadtteil Eutritzsch liegt ein geschichtsträchtiger Ort: das ehemalige Areal des jüdischen Fußballverein „SK Bar Kochba“. Dort haben jetzt Bauarbeiten begonnen – und vielleicht ein Stück Geschichte zerstört.

Auf dem ehemaligen Gelände des jüdischen Fußballvereins „SK Bar Kochba“ haben unerwartet Bauarbeiten begonnen.
 

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig.  Vor mehr als 70 Jahren wurde der Fußballverein „SK Bar Kochba“ in Leipzig von den Nationalsozialisten zwangsaufgelöst. Auf dem ehemaligen Sportplatz des jüdischen Clubs erinnerten in den vergangenen Jahrzehnten zumindest noch ein paar bauliche Überreste an dessen Geschichte. Am Montag sind nun auch diese verschwunden – inklusive eines historischen Reliefs mit Davidstern und Inschrift.

Auf dem Gelände soll ein Parkplatz entstehen, glaubt Christoph David Schumacher. Der Betreiber der Leutzscher Familieninitiative „Tüpfelhausen“ hat sich seit Jahren für den Erhalt engagiert, 2013 auch ein Gedenkspiel mitorganisiert. Nachdem Passanten am Montag erste Hinweise auf die Bautätigkeit bemerkt hatten, steht bei ihm das Telefon nicht mehr still. „Es haben inzwischen schon 30 Leute angerufen, die geschockt sind, dass dort jetzt gebaut wird. Es ist klar, wir müssen etwas tun.“

Auf dem ehemaligen Gelände des jüdischen Fußballvereins „SK Bar Kochba“ haben unerwartet Bauarbeiten begonnen. Dabei wurden offenbar Überreste der Geschichte zerstört.

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Seit Anfang der 1990er Jahre ist das Gelände des früheren jüdischen Sportplatzes in Privatbesitz. Wie LVZ.de erfuhr: Vor wenigen Wochen wurde ein Teil noch einmal verkauft, an einen Fahrzeughersteller, der nebenan auch ein Autohaus betreibt. „Die bauen dort jetzt einen Parkplatz“, ist sich Schumacher sicher. Bestätigt ist das bisher nicht. Das Autohaus war am Dienstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Eintrag ins Denkmalregister schon 2013 beantragt

Teile der „Judenmauer“, die der Verein errichten musste, damit das „jüdische Sporttreiben“ keine Anwohner störte, sind schon eingerissen. Auch eine Inschrift, die ins Mauerwerk eingelassen war und die in den vergangenen Jahren als Gedenkstein diente, ist zerstört. „Wir hoffen, dass sie noch irgendwo unter dem Schutt zu finden ist“, so Schumacher am Dienstag gegenüber LVZ.de.

Dass die Arbeiten rechtmäßig sind, bezweifeln die Beteiligten nicht. Verhindert werden hätten diese nur, wenn der Sportplatz ins Denkmal-Register aufgenommen werden würde. Nicht nur Schumacher und seine Mitstreitern fragen sich, warum das bisher nicht passiert ist. „Wir haben das 2013, nach dem Gedenkspiel auf dem Gelände, beim Landesamt für Denkmalschutz beantragt“, sagte Stadtsprecher Matthias Hasberg am Dienstag. Seither habe es aber keine Rückmeldung aus Dresden gegeben. Eine Anfrage von LVZ.de an die Behörde blieb bisher unbeantwortet. Christoph David Schumacher will herausgefunden haben, dass innerhalb der nächsten 14 Tage eine Entscheidung fallen sollte, ob der „SK Bar Kochbar“ künftig zur Gedenkkultur in Sachsen gehört.

„Wenn dazu seit über zwei Jahren ein Antrag vorliegt, ist es umso schlimmer, dass die Beteiligten nicht einbezogen, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt werden“, findet der Leipziger Bundestagsabgeordnete Thomas Feist (CDU). Er engagiert sich seit langem für den Erhalt jüdischer Geschichte, war auch an dem Gedenkspiel im Jahr 2013 beteiligt. „Es sind Freiwillige, die sich für den Denkmalschutz einsetzen. Diese Menschen einfach zu übergehen, ist für mich ein falsches Signal.“

Neue Gedenkmöglichkeiten?

Grundsätzlich habe Feist nichts dagegen, dass das Areal wieder bebaut wird. Pläne dafür gebe es immerhin seit den Neunzigerjahren. „Man prüft doch aber zuerst, ob es auf dem Land etwas zu schützen gibt, ehe man mit Bauarbeiten beginnt.“ Immerhin hätten Teile der Anlage, wie die ehemalige Sichtmauer, erhalten werden können.

Auch Küf Kaufmann, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, zeigte sich am Dienstag von den Ereignissen überrascht. „Wenn das Gelände jetzt neu bebaut wird, sollte wenigstens ein kleiner Abschnitt des Areals weiterhin an den Verein erinnern.“ Möglich wäre für Kaufmann beispielsweise ein Gedenkstein vor Ort.

Der Bundestagsabgeordnete Feist will nun vor Ort prüfen, wie man dort trotz des plötzlichen Baustarts in geeigneter Form an den jüdischen Club erinnern kann. Am Mittwoch plant er eine Begehung des Geländes. „Man sollte sensibel mit der Geschichte umgehen“, mahnt Feist. „Leipzig definiert sich auch als Sportstadt. Und dazu gehört eben auch das jüdische Erbe und die Geschichte dieses Vereins.“

Von Matthias Puppe / Josephine Heinze

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